LEGO feiert gern Jubiläen – so macht es zumindest den Eindruck. So war es im Jahr 2017 das 40 Jahre Technic Jubiläum, 2018 ging es weiter mit 40 Jahre LEGO Minifigur, 60 Jahre LEGO Stein und im Jahr 2019 gibt es auch einiges zum Nullen – 20 Jahre LEGO Star Wars und 50 Jahre DUPLO. Da könnte man meinen, es sei alles abgedeckt, aber Moment, hat der Konzern aus Billund nicht eines seiner alten Kernthemen vergessen? Richtig, denn auch die Piraten feiern im Jahr 2019 eine runde Sache – zumindest theoretisch, still und heimlich, auf einer einsamen Pirateninsel irgendwo im offenen Meer – vor 30 Jahren erblickten sie das Licht der LEGO-Welt und veränderten so manches Leben. So sei zumindest von mir an dieser Stelle kurz gratuliert.

Nun aber genug gefeiert und zum eigentlichen Hauptpunkt dieses Reviews. Wir starten heute mit einem kleinen Piratenschiff aus dem Jahr 1993 mit der Setnummer 6268, welches auch auf den Namen „Renegade Runner“ hört.

Die Verpackung

Die quadratische Verpackung kommt in den Maßen 28,5 cm in der Breite, 28,5 cm in der Höhe und 8 cm in der Tiefe daher. Sie trägt den typischen violetten Grundton, wodurch damals die Sets in den Regalen der verschiedenen Themenbereiche unterschieden werden konnten. Bereits 1992 wurde sie eingeführt und löste das klassisch gelbe Design ab.
Nach dem Öffnen des Klappdeckels erhielt man wieder einmal den typischen Blick ins Innere der Box durch vier verschiedene Fenster. Ein paar nette Zeichnungen gab es ebenso.
Auf der Innenseite des Klappdeckels war mittig noch einmal das Frontcover abgebildet. Mit Hilfe von Nummerierungen und entsprechend dazugehörigen Bildern werden die Details des Schiffes verdeutlicht.
Die Rückseite ist geprägt von eigenen Bauideen, welche der Meisterbauer aus dem Set verwirklichen konnte.

Inhalt & Bauanleitung

Öffnet man die Verpackung an einem der seitlichen Siegel, so kann man den stabilen Pappkarton im zarten Lila herausziehen.

Ein markantes Merkmal auch hier – die kleine Plastikeinlage, in welcher diverse Einzelteile des Sets schön hervorgehoben wurden.
Der Pappkarton selbst ist noch einmal in drei Teile unterteilt.
Darin enthalten war natürlich auch eine Bauanleitung und zudem noch ein kleiner Katalog und das gewohnte Service-Heftchen, mit welchem Ersatzteile aus Hohenwestedt geordert werden konnten. Die Bauanleitung selbst ist natürlich wieder sehr schmal gehalten. Sie umfasst gerade einmal 16 Seiten, auf denen in 18 Schritten die nur knapp 180 Teile zusammengesteckt werden konnten.
Die Rückseite der Anleitung zeigt das fertige Schiff in einer kleinen Insellandschaft. In der rechten Ecke steht auch das zuständige Druckhaus aus Neumünster (Johler Druck).
Ein kurzer Blick in den beigelegten Katalog zeigt gleich auf den ersten Seiten die damaligen aktuellen Piratensets (die mit Sternchen gekennzeichneten Modelle sind dabei Neuerscheinungen im Jahr 1993). Auf der nächsten Seite waren dann gleich die Rittersets zu sehen, aber lassen wir das lieber.

Die Minifiguren

Das Set bietet dem kleinen (und auch großen) Piratenfan insgesamt vier Minifiguren. Es sind die bekannten Standard-Figuren, die auch schon 1989 in der Black-Seas-Barracuda zum Einsatz gekommen sind – bis auf den Kapitän, dessen Oberteil erst 1992 auf den Markt kam. Die Rückseiten sind, wie üblich, nicht bedruckt – auch gab es kein alternatives zweites Gesicht.


Das Piratenschiff

Das kleine, aber feine Piratenschiff ist im fertigen zusammengesteckten Zustand ca. 42 cm lang (bei wehender Fahne), ca. 10 cm breit (ohne ausgeklapptem Segel) und ca. 28 cm hoch.

Als Galionsfigur am Bug befindet sich ein Helmschmuck, welcher aus Rittersets bekannt sein dürfte. Dieser kam damals in Ringen und musste einzeln herausgebrochen werden. Die anderen zwei Elemente hätte man seitlich am entsprechenden Ritterhelm anbringen können – da es diesen hier natürlich nicht gibt, blieben diese übrig.
Die zwei großen Segel des Schiffes bestehen aus Stoff. Das vordere Segel ist identisch mit dem Segel aus dem Skulls Eye Schooner (6286). Exklusiv für dieses Set ist in der Form dagegen das große Hauptsegel mit dem „Skull“ oder Totenkopf.
Am Bug befindet sich sowohl Backbord als auch Steuerbord ein Gewehr zur Verteidigung. Falls diese Art der Verteidigung nicht ausreichen sollte, ist zusätzlich eine große Kanone an Bord, welche mit Hilfe eines Drehtellers in alle Richtungen geschwenkt werden kann. Und was es zu verteidigen gilt, neben dem eigenen Leib, ist ganz klar die erbeutete Schatztruhe voller Gold.

Während am Hauptmast nur eine kleine bescheidende Fahne weht, ist am Heck noch einmal ein großer Jolly Roger angebracht. Diese alten Fahnen hatten übrigens recht dünne Klipse, die oft dazu neigten, abzubrechen.
Ebenso am Heck befindet sich ein kleines Ruder, welches manuell bewegt werden konnte. Ein wirkliches Steuerrad gab es dagegen aber nicht. Dort, wo eigentlich ein Steuerrad sitzen müsste, befindet sich leider nichts, dafür aber ein anderes kleines Highlight in diesem Set.
Wie auch schon im Imperial Flagship (6271) ist hier ein voll funktionstüchtiger Kompass verbaut! Damit wusste man zumindest, wohin man segelt, auch wenn man nicht direkt dahin steuern konnte.
Der Unterbau besteht aus zwei massiven Teilen, die in dieser Art auch nur in dem bereits oben erwähnten Imperial Flagship (6271) von 1992 vorgekommen sind. Dadurch, dass das Teil nicht aus einem Guss besteht, kann es natürlich auch nicht schwimmen. Zumindest nicht sehr lange.

Mein Fazit

Ich glaube, dieser kleine Renegade Runner war für alle diejenigen, die zwar ein cooles Piratenschiff wollten, sich aber den großen Bruder nicht leisten konnten (siehe Bild unten), eine gute Alternative. Der Spielspaß ist etwas begrenzt und Funktionen gibt es nicht wirklich, außer der abschussbereiten Kanone und dem Kompass. Zudem fehlen Elemente wie Steuerrad oder gar ein Anker. Die schwarz-weißen Segel mit dem riesigen Totenkopf und die angenehme Handlichkeit der Schiffes selbst machten sicher dennoch einiges im Kinderzimmer her.

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23 Kommentare

  1. Wie immer ein sehr schönes Classic-Review! Immer wieder schön zu lesen und es weckt Erinnerungen und lädt zum Träumen ein… Herzlichen Dank!! Gerne mehr davon! Vielleicht auch Space…

  2. Schade das hier der alte Orginallpreis nicht genannt wird, denn so hätte man einen schönen Blick auf die Preisentwicklung, von damals zu heute.

    • Moin Michael, leider kann ich zu dem Set keinen Preis nennen, da ich keinen kenne. Ich habe aber zum 6286er Skulls Eye Schooner ein Preisetikett am Karton von rund 236 DM. Ein Review zu dem Set wird natürlich auch noch folgen.

      • Und da sagen alle heute, Lego sei soooo teuer – eigentlich waren sie früher viel teurer, wenn man mal Preis pro Teil nimmt.
        Ich hab letztes ja mein altes Kastell aufgebaut und das kleine Rotrock-schiff und da fiel mir auf – Früher war echt wenig Lego an den Lego Sets, dafür halt eine Menge Großteile.

        • Das ist richtig. Der Preis ansich ist ähnlich. Der Unterschied ist nur die subjektive Wahrnehmung. Früher hatten die großen Sets nur selten über 1000 Teile – heute wäre das für die Meisten ja nur ein „kleines“ Set, weil es immer mehr Steine sein müssen – dass dann aber auch der Preis steigt ist logisch.

          • Na ja. Das Gewicht eines 1000 Teile Sets war damals aber wohl höher als das von vielen 1500 Teile Sets heute (vielleicht sogar einiger 2000er Sets). Heute sind die ja überflutet von Miniteilen, die es damals nicht in den ganzen Variationen gab.

            Bei Preis/Gramm hätten die alten Sets die heutigen wohl ziemlich alt aussehen lassen.

            • Ja das Gewicht kam dann aber nur durch die ganzen Großteile zu Stande, zumindest bei den Schiffen, wenn man uns die Destinys Bounty ansieht, wo das meißte gebaut ist, ist das halt schon ein anderes Kaliber und dazu kommt noch, das man die Inflation seit den 80/90igern bis heute einberechnen muss – ich denke nicht , das Lego in all den Jahren teurer geworden ist. Sie Sets wurden nur immer komplexer und detailierter und auch wenn unsere kindliche Nostalgie an den alten Piraten – und Rittersets hängt, so ist auch viel Verklärung mit dabei, denn trotz allen Kritiken, das wir wieder Piraten bräuchten, so ist das allein die Afolstimme mit dieser besonderen Vergangenheit die da ruft und sicher weniger das heutige Kind mit dem abgefahrenen Ninjagozeug im Kinderzimmer und der Destinys Bounty im Regal ^^

    • ..,wären heute unter Berücksichtigung der deutschen Inflationsrate ca. EUR 51,00 oder ca. EUR 60,00 unter Berücksichtigung der amerikanischen Inflationsrate.

  3. Das Piratenschiff habe ich damals zu Weihnachten bekommen. Dabei hatte ich mir den Skulls Eye Schooner gewünscht. Über die bekannten Mängel schaut man als Kind hinweg und zusammen mit den Insulanern hatten mein Bruder und ich einen riesen Spielspaß! Aufgrund dieser Erinnerungen bleibt es mein liebstes Piratenschiff!

    Den Skulls Eye Schooner konnte ich dann vor 2 Jahren sehr günstig in der Bucht erwerben. Beim Renegade Runner hoffe ich darauf, dass ich mein vor 16 Jahren abgetretenes LEGO-Konvolut von Bekannten zurück erhalte, dann habe ich auch den Renegade Runner wieder. 🙂

  4. Ohhh da erinnere ich mich noch gut dran, das Set war ein Geburtstagsgeschenk, zu Weihnachten gab es dann Skull Eyes Schoner und ein Jahr darauf noch eine Gefängnisinsel und den grossen Hafen .Alle Sets sind noch vorhanden, natürlich ohne Verpackung.Die Piratenschiffe wurden aber für ein MOC ausgeschlachtet.

  5. Denke auch immer wieder gerne an die alten Zeiten zurück! Leider musste ich damals immer zu einem guten Freund zum Piraten Lego spielen gehen aber umso schöner ist es heute sich die Sets teilweise selber leisten zu können. Danke für das (wie immer) schöne Review.

  6. Wat hab ich das Schiff geliebt, auch wenn es leider immer das erste Opfer bei Seegefechten wurde und die Hilfe vom „großen Bruder“ (den ich damals für 189 DM bei Toys r us von meinem Ferienjoberlös stolz gekauft habe) irgendwie immer zu spät kam.
    Ich hab für das Schiff 59 DM bezahlt, wo ich das her hab weiß ich jedoch nicht. Damalige Quellen waren Horten, real, Toys r us und lokales Fachgeschäfft. Mehr stand nicht zur Auswahl.

    und danke für das Review. Immer wieder gerne.

  7. Danke für das Review. Ich hab das Set auch zu Hause, eines der wenigen, wo ich „noch“ den Karton da zu hab.
    „Noch, weil ich das Set erst vor 4 Jahren irgendwo gekriegt hab…

    Eiben Fehler aber muss ich bemängeln:
    Eure Fahne weht verkehrt herum.
    Anders als bei einem Auto sind bei einem Segelschiff nicht der Fahrtwind von Interesse, sondern der Wind kommt von hinten und schiebt das Schiff am Segel vorwärts. Deswegen muss die Fahne bei Fährt nach vorne wehen.

    Wird aber gern falsch gemacht…

    MTM

    • Es ist abhängig davon von wo der Wind kommt. Mit Rückenwind ist ein Segelschiff nur maximal so schnell wie der Wind, das ist ja klar. Kreuzt es gegen den Wind können sehr viel höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Dann weht auch die Fahne irgendwann nach hinten wenn der Wind richtig steht.

      Wird aber gern falsch erklärt…

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