Seit einiger Zeit gehen Gerüchte um, dass es eine neue Fernsteuerung für LEGO Sets geben wird, seit der Spielwarenmesse wissen wir es nun sicher. Wir haben euch in den Artikeln zu den neuen Eisenbahn-Sets und dem DC Super Heroes Batmobil schon ein paar Details zu den neuen Power Functions 2.0 vorgestellt. Leider konnten wir euch keine Bilder zeigen, da wir selber keine machen durften.

PROMOBRICKS Leser Dennis hat uns auf eine Internationale Patentanmeldung aufmerksam gemacht (vielen Dank dafür!), welche die neue Fernbedienung zumindest teilweise beschreibt. Sie geht eher auf den mechanischen Aufbau als auf die elektronische Funktion ein, wir werden uns also noch etwas gedulden müssen, wenn wir mehr über die Bluetooth-Features erfahren wollen. Trotzdem erfahren wir aus der Anmeldung einige interessante Fakten, die uns die LEGO Mitarbeiter auf der Spielwarenmesse nicht beantworten konnten.

Wie wir schon berichtet haben, konnten wir die neue Fernbedienung anhand des neuen Güterzugsets schon ausprobieren. Der Controller besitzt dazu zwei Kontrolleinheiten mit jeweils zwei Knöpfen, A und B. Diese Knöpfe entsprechen den Richtungen „Auf“ und „Ab“, die ihr von der aktuellen Power Functions IR-Fernbedienung 8885 kennt. Auf der Messe konnte man mit dem „A“-Knopf beispielsweise den Zug beschleunigen und mit dem „B“-Knopf abbremsen.

Die aktuelle 8885 Power Functions Fernbedienung (Foto: LEGO)

Wenn wir uns das nun mit einem Auto vorstellen (oder dem angekündigten LEGO 76112 DC Super Heroes Batmobil), dann würde man zum Beispiel die linke Kontrolleinheit zum Beschleunigen und Abbremsen nutzen und die rechte Einheit zum Lenken. Insofern entspricht eine solche neue Fernbedienung genau einer alten 8885 Remote.

Eine Fernsteuerung für alle Zwecke

Und genau da liegt das Problem, welches LEGO mit dieser Innovation angehen will. Denn während „Gas“ und „Bremse“ noch gut mit „Hoch“ und „Runter“ darstellbar ist, muss man beim Lenken schon ziemlich umdenken. War „Hoch“ jetzt Rechts oder Links?  Einige Sets versuchen das Problem mit mehr oder wenig guten Technic-Konstruktionen zu lösen, wie zum Beispiel der Volvo Radlader 42030.

Und genau damit argumentieren die Erfinder in dem Patentdokument. Hier heißt es:

„Es ist eine Aufgabe der Erfindung, eine Fernsteuerungsvorrichtung bereitzustellen, die einfacher zu verwenden ist und es auch jüngeren Kindern ermöglicht, die Fernsteuerungsvorrichtung unabhängig an unterschiedliche Zwecke und / oder Verwendungen anzupassen. Zusätzlich besteht eine Aufgabe der Erfindung darin, die möglichen Spielvarianzen zu erhöhen.“

Wie sie das erreichen wollen, ist danach in feinstem Patent-Englisch beschrieben, ich werde euch das etwas zusammengefasst und verständlich darstellen. Wer will, kann sich den Original Wortlaut gerne im Dokument direkt durchlesen.

Der Controller hat den Dreh raus

Einfach gesagt, beschreibt das Patent eine Möglichkeit, die beiden Funktionen eines Kanals auf einer drehbaren Einrichtung zu platzieren. Diese drehbare Basis kann nun in beliebigen Winkeln positioniert werden und rastet in feinen Abständen ein. Genau so hat sich auch die Fernbedienung verhalten, die wir in Nürnberg ausprobieren durften. Eine Steuerfunktion ist mit der Rotation explizit nicht verbunden, es wird nur die Anordnung der beiden Steuertasten geändert.

Skizze aus der Patentanmeldung

Auf der Skizze könnt ihr das besser erkennen. Die rechte Controllerbasis ist um 90° gegen den Uhrzeigersinn gedreht, so dass sie zum Beispiel als Lenkung dienen kann. Noch ein Beispiel: Der Motor läuft falsch herum? Bisher hat man das mit dem Richtungswechsler auf der Fernbedienung erledigt, hier dreht man einfach die Controllerbasis um 180°:

Skizze aus der Patentanmeldung

Die von uns benutzte Power Functions 2.0 Fernbedienung sah übrigens den Skizzen oben täuschend ähnlich, nur waren hier zwei der drehbaren Controller in einem Gehäuse nebeneinander untergebracht.

Im Patentdokument sind neben dem Design mit den Knöpfen noch andere dargestellt, die zumindest darauf hoffen lassen, dass es nicht bei dieser einen Fernbedienung bleiben wird. Die Möglichkeit, eine Kreuzachse zu benutzen wird sogar eigens erwähnt.

Der Rest des Dokuments beschreibt die Möglichkeit, dass mehrere Kontrolleinheiten zusammengefasst sein können (so ist es aktuell auch), dass Empfänger und Motor entweder getrennt oder vereint in einem Gehäuse sind (BOOST lässt grüßen) und den mechanischen Aufbau der drehbaren Controller.

Man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass man in Patenten üblicherweise alles beschreibt und „claimt“, was man sich vorstellen kann, um den maximalen Schutz zu erreichen. Ob das alles später auch genau so realisiert wird, steht auf einem anderen Blatt.
Ganz neu ist die Idee übrigens nicht, das Originalpatent aus Dänemark wurde schon am 4. September 2015 angemeldet. Aus Sicht der Produktentwicklung könnte der Zeitraum aber gut passen.

12 KOMMENTARE

  1. guten morgen.
    Hat jemand Erfahrung mit dem Lego Store in Heerlen?
    Soll in der Innenstadt recht gross und neu sein.
    Lohnt es sich dort hin zu fahren?
    Danke im voraus.

  2. Was mich bisher immer gestört hat, war die fehlende Möglichkeit, den Servo-Motor mittels der Fernbedienung in Zwischenstellung zu positionieren. Das ging zwar mit der Zug-Fernbedienung, allerdings war es damit wiederum schwierig den Servo präzise anzusteuern aufgrund der Zeitverzögerung und der fehlenden definierten Nullstellung/Endstellung. Ein richtiges Verhalten einer RC-Car-Fernsteuerung war weder mit der einen, noch mit der anderen Fernbedienung möglich. Wird sich in dieser Hinsicht etwas ändern?

  3. hm, das klingt alles so, als wollen alle Betriebsspionage betreiben, um ein eigenes Produkt ggf. selber rauszubringen.
    Eine Patentanmeldung hat ja noch lange nichts mit dem Produkt zu tun.
    Es gibt Patente, die lungern schon ewig dort rum, weil da noch diverse Voraussetzungen fehlen.

    Mich interessieren nur die richtigen Fakten und weniger die Spekulation. Hätte gerne mal genaue Details, aber das wird wohl noch länger dauern.

    • dass die grundkonfiguration der neuen fernsteuerung genau der patentanmeldung entspricht, wie oben beschrieben, ist doch ein fakt. oder nicht? 😉

  4. Die Frage, die noch bleibt, ist: Wird es auch eine App geben? Natürlich sind mechanische Controller schön, aber die Steuerung per Smartphone oder Tablet wäre doch flexibler, wenn ich neben dem Vortrieb und der Lenkung andere Aktionen steuern will.

    • Flexibler? Möglicherweise.
      Sinnvoller? Nicht unbedingt.

      Eine App macht meiner Ansicht nach bei Eisenbahnen Sinn, wo man vielleicht mehrere Züge gleichzeitig steuern will, und wo möglicherweise noch zeitliche Abläufe wie Bahnhofstopps ins Spiel kommen.
      Von mir aus auch bei stationären Modellen wie z.B. Kränen, wo man dann zahlreiche Funktionen gleichzeitig zur Verfügung hat.

      Bei ferngesteuerten Fahrzeugen macht es allerdings nur wenig Sinn.
      Habt ihr mal Kinder mit ferngesteuerten Fahrzeugen beobachtet?
      Da wird dem Fahrzeug hinterher gerannt, und vor allem, da wird alles genauestens beobachtet, was das Teil auf dem Boden macht, genau das macht doch den Reiz von sowas ferngesteuertem aus.
      Das geht aber nicht, wenn man ständig einen Bildschirm im Auge behalten muss, und einem rennenden Kind wollte ich auch nicht unbedingt ein iPad in die Hand drücken.

      Da brauchts was robustes, das man auch bedienen kann, ohne ständig draufschauen zu müssen.

      Eine App-Steuerung sollte bei sowas nie mehr als ein Bonus oder eine Fortgeschrittenen-Steuerung darstellen.

  5. Die Steuerung über die Kreuzachse kennt man schon seit Jahrzehnten aus dem Modellbau. Für Lego ansich sicherlich ein innovativer Schritt….

  6. Einfach einen Trafo und fernbediente Weichen etc. wie damals bei den Zügen in den 80ern und alle sind glücklich. Dieser Batterieverschleiss ist so unmöglich. Geht ins Geld und am Schluss landen diese im 3Weltland auf der Halde. Umweltschutz bei den Zügen wird da klein geschrieben.

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