Alles, was ab jetzt noch kommt, ist das Sahnehäubchen. Mussten wir uns letztes Jahr noch mit vier Folgen „LEGO Masters“ begnügen, hat RTL für diese Staffel einen oder besser gesagt: zwei draufgesetzt. Wir können uns also eigentlich dankbar dafür schätzen, dass es noch nicht vorbei ist und wir zwei Extra-Ehrenrunden mit unseren LEGO-Kriegern drehen können. Bei RTL steht Dankbarkeit diese Woche ja eh groß im Fokus: Mit dem „Wer wird Millionär“-Dankbarkeits-Special ging es ehrergiebig in den Wochenstart. Und Dankbarkeit und Demut wird auch in dieser Folge von LEGO Masters, die wahrlich eine besondere war, noch eine wesentliche Rolle spielen. Aber dazu später mehr.
Dass wir heute etwas Außergewöhnliches zu sehen bekommen, konnte man in den ersten Minuten noch nicht erahnen. Heroisch fing alles an, wie immer, nur dass die Stimmung jetzt ein wenig ernster zu sein schien als in den Folgen zuletzt. Immerhin steht das große Halbfinale an. Da darf man die Anforderungen gerne doch ein wenig hochschrauben: „Der LEGO Master 2021 muss alles geben“, sagt Juror René Hoffmeister. „Er muss schnell bauen, er muss die Teile sinnvoll verwenden, er muss gute Ideen haben und das auch optisch gut umsetzen.“ Die Messlatte liegt schon mal hoch.
Nachts im Fernsehstudio
Damit der Zuschauer angesichts dieses Halbfinales vor lauter Ernst und Anspannung nicht fingernagelkauend im Fernsehsessel versinkt, sah sich Moderator Daniel Hartwich in der Pflicht, ein wenig Heiterkeit zu verbreiten. Muss ja nicht immer alles so dramatisch sein. Die Bundestagswahl macht einen nervös genug. Im abgedunkelten Produktionsstudio von Endemol Shine hier im Niemandsland von Köln-Ossendorf lässt er sich von den beiden Juroren durch eine Landschaft aus beeindruckenden LEGO-Skulpturen begleiten und macht dabei das, was er am besten kann: Daniel Hartwich sein. Ein alberner Spruch über das Zebra, schelmische Bemerkungen zum Löwen, freche Worte über den Samurai. „Daniel!“, ermahnt ihn René Hoffmeister mit seiner gewöhnlichen Berliner Strenge. Hätte er im Laufe der Staffel ruhig öfter machen können.

Der seltsame Prolog leitet sodann zu der ersten Bauaufgabe über. Die Kandidaten werden herein gerufen und versammeln sich staunend um den LEGO-Dino herum, den René Hoffmeister in zwei Wochen zusammengewerkelt hat. Und an dieser Stelle ahnt man es schon irgendwie: Das Urzeitvieh steht nicht einfach da, damit man Herrn Hoffmeisters Baukünste bestaunen kann. Ein beherzter Tritt von Daniel Hartwich gegen das Bein – und plumps liegen da abertausende von Steinchen vor den Teams. Falls uns diese Aktion irgendwie schockieren sollte, verfängt das Ganze irgendwie nicht. Im australischen Ableger war die gespielte Schusseligkeit von Moderator Hamish Blake beim Umsturz einer gebauten Harley Davidson schon eher ein Schocker als Herrn Hartwichs spitzbübische Raubeinigkeit.

Mit den auf den Boden liegenden Steinen sollten die Kandidaten schließlich ein Bauwerk ihrer Wahl errichten. Fünf Minuten hatten sie, sich so viele Teile wie möglich zu schnappen. Kleiner Twist: Sie müssen auch wirklich alle Steine verwenden. Da wiegt man doch gleich ab, ob man wirklich all die gegrabschten Teile braucht. Dann doch lieber ein bisschen liegen lassen.
Lustlose Favoriten
Und so beginnt zum nun mehr fünften Mal das gewohnte Schauspiel aus Plänen schmieden, Skizzen zeichnen und Juroren-Rundgängen, stets begleitet vom Klicken und Klacken der LEGO-Steine. Alles wie eh und je also. Nun ja, nicht ganz. Tatsächlich bot sich dem Zuschauer diesmal ein eher ungewöhnliches Bild: Während Gary und Christin, bei denen es in den letzten Folgen immerzu ein wenig dramatisch zulief, plötzlich aufblühten und ein wirklich beeindruckendes Chamäleon bastelten, haderten Top-Favoriten Justin und Dominik mit der Aufgabe. Die beiden, die bisher jede Aufgabe mit fast schon streberhafter Bravour bestanden hatten, vom Erfolg zuweilen leicht arrogant wurden, hatten nun mit den grünen Dino-Steinen zu kämpfen.
Besonders bei Dominik macht sich schnell Lustlosigkeit breit. Einfach nicht seine Aufgabe. Für das lieblose Microscale-Modell gab es dann auch Schelte vom Brickmaster: „Als LEGO Master muss man nicht nur gut bauen können, sondern sich auch einhundert Prozent auf die Challenge einlassen und versuchen, alles zu geben – auch, wenn man mit der Aufgabe vielleicht nicht ganz so zufrieden ist.“ Autsch.

Trost für die beiden: Die Anforderung, alle auf dem Tisch liegenden Steine zu verwenden, konnte keiner erfüllen. Da wurden einige der Teams schnell mal kreativ: Den ganzen Murks einfach ins Vulkaninnenleben füllen oder in den Stamm des Weihnachtsbaums. Der Haken bei der Sache: Der Trick zählt nicht. Die Juroren waren entsprechend ernüchtert. Von den Halbfinalisten von LEGO Masters erwarten sie mehr!
Und zugegeben: Das schmucklose Microscale-Dörfchen, der etwas kahle Vulkan und die Tanne, die eher so aussieht, als wäre sie aus Versehen unter den Schmelztiegel geraten, sahen wirklich nicht nach der Elite der LEGO-Bauer aus. Am ehesten konnte tatsächlich Garys und Christins schnuckeliges Chamäleon überzeugen. Die beiden gingen schließlich auch als Sieger der ersten Bauherausforderung hervor und durften sich für die anstehende zweite Aufgabe über fünf Minuten professionelle Beratungszeit mit dem Brickmaster persönlich freuen.
Apropos: Die zweite Challenge hatte es in sich. Die Teams hatten zehn Stunden Zeit, an einem an der Decke hängenden Brick ein Modell zu bauen. In die Herausforderung übergeleitet hat man auf Hartwich-typische Art: Albern. Der Moderator ließ sich an der Decke abseilen und schwebte, einem kleinen Fernseh-Engel gleich, durch die Studios von Endemol Shine. Die Kandidatenpaare fanden es ganz lustig. Kommentar des 18-jährigen Philipp aus Erlangen: „Ich bin froh, dass Daniel Hartwich moderiert und nicht Günther Jauch.“ Das bringt einen irgendwie ins Grübeln. Wahrscheinlich hat er Recht. Es hätte schlimmer kommen können.
LEGO Masters: Eine Hängepartie
Gewohnt hetzten die Teilnehmer ins Steinelager, um sich mit Teilen einzudecken und schmiedeten Pläne, was sie denn überhaupt bauen wollen. Zu diesem Zeitpunkt der Show ist noch alles in Ordnung in der LEGO Masters-Welt, man hat Vorstellungen von seinem großen Kunstwerk und wie dieses in der Animation auf dem Skizzenblock Strich für Strich entsteht, hat immer etwas Verträumtes und Sehnsüchtiges. Hach ja, wie toll das doch werden könnte! Doch die ambitionierten Pläne dann in die Tat umzusetzen, ist natürlich eine andere Sache. Dennoch: Nach dem eher enttäuschenden Einstieg ins Halbfinale legten die Teams einen Gang zu und bauten gar nicht mal so schlechte Steinchenwerke.

Oliver und Philipp entschieden sich für ein Haus mit Ballons und da drängt sich schon der Verdacht auf, die beiden haben sich von einem gewissen Pixar-Klassiker inspirieren lassen. Justin und Dominik wollten mit einem Steampunk-Luftschiff zurück in die Spur finden und auf dem Rücken eines Papageis sollte es für Tobias und Josef ins Finale gehen. Mit einem Eisberg-Modell wollten hingegen Gary und Christin die Juroren überzeugen.
Hatte man in den letzten Folgen immer eine gewisse Ahnung, wen es erwischen könnte, war es diesmal wirklich schwer, einen Zitterkandidaten zu benennen. Denn ja: Das Bauniveau war hoch. Selbst Gary und Christin, bei denen gerne mal die Nerven flimmern, bauten erstaunlich diszipliniert und fokussiert. Ohne ein bisschen Meinungsverschiedenheit ging es dann aber doch nicht: Eine Debatte entbrannte zwischen den beiden, ob der untere Teil des Eisbergs nun weiß oder blau sein sollte. Zum Glück hatten sie sich ein fünfminütiges Beratungsgespräch mit René Hoffmeister erkämpft. Der hatte eine eindeutige Haltung: Weiß.
Und gerade, als man angesichts dieser unaufgeregten Kuschligkeit fast schon am Eindösen war, dieses Halbfinale nur als eine weitere Folge gähnenden Stecksteinchen-Wettbewerbs abtun wollte, passierte etwas, worauf man nicht gefasst war.
Die werden keine Freunde mehr
Noch eine Stunde Bauzeit. Moderator Daniel Hartwich trat hervor. Die Kandidaten hatten eine böse Vorahnung. Und ja, es wurde böse: Wer von nun an meinte, fertig zu sein, durfte auf einen Buzzer drücken. Die restlichen Teams hätten dann nur noch fünf Minuten Bauzeit.
Was für ein Wendung. Man meint ja, in dieser heilen LEGO Masters-Welt, wo doch selbst Konkurrenten irgendwie auch befreundet sind, in diesem skandinavischen LEGO-Schlummerland, wird doch wohl niemand auf die Idee kommen, die anderen so kaltblütig zu hintergehen. Obwohl, die Versuchung ist da. Josefs Blick geht stetig Richtung Buzzer. Sein Teampartner Tobias hält ihn davon ab. „Der Papagei ist noch nicht fertig!“, rügt er ihn. Doch einmal asozial zu sein ist dann doch zu verführerisch. Die Verlockung überwiegt: Beide gehen zum Buzzer, drücken, und: Entsetzen.
Tja, vielleicht habe ich mich getäuscht. LEGO Masters ist eben doch nicht die heile Fernsehwelt. Während die anderen in Schockstarre verfallen, sitzt man vor dem Bildschirm und erwischt sich dabei, sich ein wenig die Hände zu reiben und schelmisch zu grinsen, bemerkt aber dann doch schnell, auf eine billige Privatfernseh-Masche reingefallen zu sein: Denn ist das nicht RTL at its best? Neckische Sozialexperimente zur besten Sendezeit? Jedenfalls: Die Stimmung war bei den anderen im Keller. „Ich wünsche mir, dass die mit ihrem hässlichen Papagei rausfliegen!“, gaben sich Oliver und Philipp trotzig. „Ab jetzt sind wir Feinde!“, hieß es von den beiden dann noch.

Unter dem Eindruck dieses Vorfalls wirken die ganzen hysterischen Vorschauen vor jeder Werbepause gar nicht mehr so überdramatisiert. Denn jetzt war die Luft mal wirklich dicke. Und man fragt sich: Musste das sein? Damit ist gar nicht mal Josefs und Tobias‘ Entschluss gemeint, den Buzzer zu drücken, sondern die Tatsache, dass man den Teams in Aussicht gestellt hat, mal so richtig einen auf Egoist zu machen. Das ist am Ende für alle toxisch: Für die Kandidaten, die ihren Zusammenhalt aufs Spiel setzen, aber auch für den Zuschauer, der sich am Leid der Teilnehmer frönt. Braucht man nicht. Auch wenn die Versuchung da ist.
Betrübt kommen die Kandidaten dann auch zusammen, um das Urteil der Jury zu hören. Und in so einer Situation will man ihren Job wirklich nicht haben: Nicht nur, weil alle vier Bauwerke trotz der verkürzten Zeit eindrucksvoll geworden sind, sondern auch, weil man niemanden unter diesen unverhofften Bedingungen ausscheiden lassen will. Aber einen musste es ja treffen. Nach vorne gerufen wurden (etwas überraschend) Justin und Dominik sowie Gary und Christin. Warum Erstere zittern mussten, war wirklich ein Rätsel. Dominiks Arroganz mag einem zwar ein wenig auf den Wecker gehen, aber dennoch war ihr Luftschiff von allen Bauwerken immer noch eindeutig das beste.
Vielleicht ja, weil man ihnen eine kleine Botschaft hinterherschicken wollte: Seid nicht so überheblich. Vielleicht aber auch aus einem anderen Grund: Sie hatten noch den goldenen Stein. Und dass sie den vor dem Finale einsetzen, war logisch. So wirkt es immerhin, als ob die Entscheidung nicht komplett von der Jury getroffen wurde. So ersparte man den Kandidaten, die genug gelitten hatten, noch zusätzliche Bitterkeit. Kurzum: Gary und Christin mussten gehen. Aber zumindest lag es nicht komplett an ihnen.





