LEGO 928 Galaxy Explorer von 1979 im Classic-Review

Ein Klassiker der Klassiker unter die Lupe genommen!

LEGO 928 Galaxy Explorer von 1979 im Classic-Review (Daniel Haedicke) - 1
LEGO 928 (Foto: PROMOBRICKS)

Ein seltsames Jahr 2020 ist zu Ende, doch wir von PROMOBRICKS wollen mit voller Schubkraft ins neue Jahr 2021 durchstarten und was bietet sich dabei besser an als ein großer Raumgleiter – eines der ikonischen Sets aus der Classic-Space Reihe – der LEGO 928 Galaxy Explorer von 1979.

Den kleinen Bruder, das LEGO 918 One-Man-Spaceship, hatte Wolfgang bereits in einem anderen Classic-Review präsentiert. Nun soll es also dem Überflieger an den Kragen gehen und für euch genauer betrachtet werden. Vor über 40 Jahren, genauer gesagt 1978, warf der dänische Spielwarenhersteller erstmals vier Space-Sets auf den US-amerikanischen Markt. Im folgenden Jahr schwappte die Welle dann auch nach Europa rüber und die bereits erschienen Sets erhielten neue Nummern und wurden mit zahlreichen weiteren Neuheiten ergänzt.

So wurde der Galaxy Explorer, oder auch Space Cruiser genannt, bei uns mit der Nummer 928 veröffentlicht, das baugleiche Modell in den USA dagegen aber mit der 497 – wobei auch diese Version den klassischen blauen LL928 Stein im Set enthielt. Die Raumfahrt erhielt also nicht nur durch Star Trek oder den ersten Star Wars Film von 1977 einen Boom, sondern auch die kleinen bunten Klemmbausteine entwickelten einen regelrechten Hype im Kinderzimmer, der bis heute anhält – vor allem auch bei den älteren Kindern.

Der Designer: Jens Nygaard Knudsen

Bei dem Namen könnte es bei einigen LEGO-Fans in den Ohren klingeln – Jens Nygaard Knudsen war nicht nur verantwortlich für (unter anderem) die vielen Space-Sets, sondern auch der Erfinder der klassischen Minifigur, welche 1978 patentiert wurde. Von 1968 bis zum Jahr 2000 arbeitete er in Billund, unter anderem als Chefdesigner, bevor er in den Ruhestand ging. Knudsen verstarb im Alter von 78 Jahren am 19. Februar 2020.

Fakten zum LEGO Classic Space 928

  • Set-Nummer: LEGO 928 / 497 (US-Version)
  • Thema: Classic Space
  • Bezeichnung: Galaxy Explorer
  • Teilezahl: 338 / 325 (US-Version)
  • Erscheinungsjahr: 1979
  • Empfohlenes Alter: Ab 6 Jahre
  • UVP: 

Die Verpackung

Wie gewohnt werfen wir zuerst einen obligatorischen Blick auf die Box, welche in den Maßen 46,5 x 29 x 6,5 cm daher kommt. Was dem ein oder anderem zuerst auffallen könnte, dass das LEGO-Logo auf der rechten, anstatt der heute gewohnten linken Position ist. Ansonsten ist das Design schlicht, ohne viele Schnörkel – der Raumgleiter und die Basisstation mit Landeplatz. Dazu ein schwarzer Sternenhimmel und ein bisschen Landschaft drum herum – reicht vollkommen aus. Die Rückseite dagegen ist mit neuen Bauideen fast schon überladen. Hier haben sich die Designer ordentlich ausgetobt.

Für viele nostalgische LEGO-Sammler ist dieser breite, gelbe Banner mit hellblauem Legoland-Schriftzug, welcher bis 1990 bestand hatte, das Symbol für Kindheit und tolle Sets.

Wie es sich für einen klassischen, größeren Karton gehört, durfte auch der Klappdeckel nicht fehlen. Die Innenseite zeigt nochmals weitere kreative Bauvorschläge – schon damals waren dem Ideenreichtum aus gut 300 Steinen keine Grenzen gesetzt. Die Bauanleitung, zu der ich gleich noch komme, beinhaltet aber lediglich den Aufbau des Hauptmodells. Die zwei transparenten Inlays waren bei diesen Sets etwas anders gestaltet als üblich. Keine quadratischen, sondern passend zur Kraterlandschaft – runde Fächer. Hierbei gab es eine große Einlage, in der die Bausteine lagen, und eine flache Abdeckung. Zusätzlich diente ein dunkelblauer Innenkarton für Stabilität.

Die Bauanleitung

Das sehr dünne klammergebundene Anleitungsheftchen umfasste nur insgesamt 16 Seiten – mehr braucht es aber auch nicht, um das Set zusammenzubauen. Die ersten Bauschritte ähneln dabei so manch einem großen, grauen Sternenzerstörer von heute, aber dazu mehr im Aufbau.

Größtenteils werden die benötigten Teile pro Bauschritt angezeigt, auf den letzten Seiten der Basisstation wurde dies dann aber irgendwie weggespart, aber für das geübte Auge des Baumeisters alles kein Problem. Die Rückseite der Anleitung ist eine Zusammenstellung mehrerer Sets. Na wenn das mal nicht zum Kauf weiterer Sets animierte – oder der nächsten Wunschzettel zu Weihnachten gefüllt wurde.

Die Minifiguren

Da das große Raumschiff und die Basisstation nicht von alleine bedient werden konnte, lagen dem Set insgesamt vier passende Minifiguren bei. Zwei weiße Kameraden, und zwei in rot. Ausgestattet mit Sauerstoffflaschen und Helmen (ohne Visier), sowie dem coolen Space-Logo auf dem Torso als Print.

Dass die Figuren auch heute noch sehr beliebt sind, zeigte sich bei einem Set von 2018, als LEGO mit Benny’s Space Squad (70841) eine kleine Hommage an die Weltraumhelden der 70er und 80er Jahre herausbrachte. Der eigentliche Film hinter dem Set war mehr oder weniger ein Flop, aber dieses kleine Minifiguren-Pack fand reißenden Absatz – vor allem bei vielen AFOL’s.

Die Unterschiede von den neuen zu den alten Minifiguren lassen sich auf den ersten Blick nicht so wirklich erkennen, aber im Detail wird dann deutlich, wer der Weltraum-Opa ist.

Besondere & neue Teile

Bevor es nun endlich an den Aufbau des Sets geht, muss noch ein Blick auf einige der Teile geworfen werden. Denn was für viele heutzutage selbstverständlich ist – oder ein „alter Hut“, war vor 42 Jahren Neuland und brachte den ein oder anderen Dauerbrenner auf den Markt.

Eher kein Dauerbrenner in der Produktion (aber bei den Fans) sind die Grundplatten beim 928er Galaxy Explorer. Die Kraterplatte rechts kennt wohl (fast) jeder, die Landeplatte links dagegen war quasi exklusiv für dieses Set – nur in einem Plattenerweiterungs-Paket kam diese noch einmal vor.

Der nächste Blick gilt ein paar Elementen in (alt) hellgrau. Viele Teile wurden extra für die Space-Serie neu entwickelt, so zum Beispiel die Flügelelemente, oder die konischen Zylinder. Elemente wie das Lenkrad oder die Türen, die heute jeder noch kennt und verbaut, kamen auch erst ein Jahr zuvor (1978) auf den Markt und wurden erstmals hier in hellgrau verbaut.

Die Steine sind übrigens alle bedruckt, Aufkleber gab es in diesem Set keine. Überraschend dürfte für den ein oder anderen auch sein, dass es den Schraubenschlüssel und das Funkgerät erstmalig mit den Space-Sets gab – ebenso das 1×2 Scharnier und das auch erst 1978 eingeführte Scharnier aus den doppelten 1×2 Steinen – welches in blau nun auch verfügbar war. Seltene Exemplare sind zum Beispiel die Antenne in hellgrau, die es zwar auch schon zehn Jahre früher gab, aber heutzutage meist verbogen in den Wühlkisten wieder gefunden wird.

Und als wäre das alles noch nicht genug – die transparenten Elemente in gelb dürfen natürlich auch nicht fehlen. Diese Kombination mit den blauen und grauen Steinen ist das, was Classic-Space ausmacht. Die meisten Elemente blieben tatsächlich exklusiv für diese Reihe.

Der Aufbau

Die ganzen Einzelteile wollen nun aber endlich zusammengesteckt werden. Begonnen wird dabei mit einer grauen Plattenschlacht, die final als drei Ebene besteht – heute könnte man es mit dem äußerlichen Aufbau des LEGO 75252 Imperialer Sternenzerstörer von Star Wars vergleichen, wobei man bei diesen alten Platten spätestens beim Zerlegen höllisch aufpassen muss, dass nichts zerbricht, was mir leider bei zwei 1x6er Platten passiert ist. Das Alter nagt halt doch am Kunststoff.

Nachdem der spaßige Teil dann vollbracht ist, kommen normale Bricks zum Einsatz und das Cockpit nimmt Gestalt an. Wobei das doch eher spartanisch ausgestattet ist – immerhin sind ein paar Knöpfe und Instrumente angedeutet, und das besagte Lenkrad kommt zum Einsatz. Sitzmöglichkeiten fehlen, aber das wäre nur unnötiger Ballast mit mehr Spritverbrauch, höhere CO2-Emmission usw. – die bekannten Probleme eben.

Damit es nicht so zieht im Cockpit, bekommt die Kabine noch ein paar der markanten Fensterteile spendiert und die 4×10 Platte bildet den beweglichen Abschluss auf dem Dach. Hierfür wurden die neuen Scharniere benutzt. Nun kann spielend der Pilot eingesetzt und wieder herausgenommen werden. Am Heck entsteht bereits der Laderaum für das kleine Mondfahrzeug, welches zum Schluss das Licht der Welt erblickt.

Zu guter Letzt werden noch vier große Triebwerke verbaut (und schon sind sie wieder dahin die CO2-Werte) und ein fetter Spoiler darf nicht fehlen – wegen dem Luftwiderstand im luftleeren Raum – aber es sieht cool aus. Auf der Unterseite werden nochmals drei Triebwerke (oder in diesem Fall nur Stützen?) verbaut, sowie die für mich heute eher bekannten Stehtische.

Ein paar Lichter hier und Außenantennen da – fertig ist der erste und größte Teil des Sets. Das Raumschiff misst finale 35 x 20,5 x 10,5 cm in den Ausmaßen.

Die bereits angesprochenen (wenigen) Funktionen noch einmal im Überblick – was für das 70er Jahre Kind wochenlanger Spielspaß pur war, wäre für die heutige Generation eher langweilig und tröge.

Nachdem nun die ersten Runden durch das Kinderzimmer geflogen sind, brauch der Raumgleiter noch den passenden Landeplatz. Hierfür wird als erstes eine kleine Mini-Zentrale gebaut. Wieder aus den bekannten blauen und transparent-gelben Elementen Dazu kommen noch die Empfangsgeräte in Form der Antenne und der riesigen Satelliten-Schüssel.

Damit der Landeplatz auch gesehen wird, dürfen auch hier die „Blinkelichter“ nicht fehlen – natürlich blinkt auch hier nicht wirklich was, aber es sieht nett aus. Die eigentlichen elektrischen Lichter (teilweise mit Soundmodul) wurden erst 1986 in die Space-Serie eingeführt und hielt auch in der Town-Reihe Einzug. Zu guter Letzt noch das kleine Mondfahrzeug, welches aus wenigen Teilen schnell zusammengesetzt ist.

Das fertige Set

Nach gut einer Stunde Bauzeit ist es vollbracht und die großen Weltraumabenteuer können starten.

Nun darf auch endlich das kleine Mondfahrzeug auf Erkundungstour gehen, welches perfekt in den Laderaum passt – als wäre es dafür gemacht.

Zum Schluss machen wir noch einmal einen kleinen Zeitsprung in das Jahr 2018 – denn dort gab es nicht nur die neuen Weltraumhelden aus dem Kinofilm The LEGO-Movie 2, sondern auch 60 Jahre LEGO-Stein zu feiern. Aus diesem bescheidenen Anlass, gab es ein tolles GWP mit der Setnummer 40290. Enthalten waren vier Miniatur-Modelle von ikonischen Sets, wovon ich euch zwei bereits vorstellen durfte (Black Seas Barracuda (6285) von 1989 und die Gelbe Burg (375) von 1978).

In diesem Jubiläums-Set gibt es aber auch eben diesen Galaxy Explorer als kleinen Nachbau – natürlich mit den neuen hellgrauen Elementen, aber der kleine Bruder steht dem Großen in fast nichts nach. Nun fehlt eigentlich nur noch das Airport-Shuttle im Review …

Mein Fazit

Aus heutiger Sicht mag dieses Set vielleicht eher ein kantiger Kasten ohne viele Details sein, vor 40 Jahren aber war dieses Set, und auch die gesamte neue Space-Reihe, ein Meilenstein für den Klemmbaustein-Konzern aus Billund. Viele neue Elemente wurden eingeführt und eine neue Spielwelt eröffnet. In Kinderhänden war dieses Raumschiff riesig – heute ist es kultig und so erfreut es sich bei Sammlern hoher Beliebtheit.

Und wer von dem spacigen Raumschiff und / oder anderen tollen Sets der LEGO-Geschichte noch nicht genug hat, dem kann ich nur dieses tolle Buch von 2015 aus dem DK-Verlag empfehlen! Es ist zwar nur in englischer Sprache erhältlich, aber dafür liegt auch noch ein Mini-Space Cruiser dabei.

Zum Abschluss noch ein paar Worte meinerseits. Ich denke, jeder nimmt seine eigenen Erlebnisse – ob negativ oder doch positiv – mit aus diesem Jahr 2020. So durfte auch ich in den letzten Monaten zum ersten Mal die Freude des Vaterseins spüren und habe mich deshalb etwas rar auf PROMOBRICKS gemacht. Ich wollte aber nicht ohne ein passendes Classic-Review von mir das Jahr ausklingen lassen, bevor es im neuen Jahr weiter geht – und das sogar mit einem LEGO-Jubiläum! Worum es sich dabei handelt, das werdet ihr in den kommenden Wochen erfahren. Bis dahin wünsche ich euch einen guten Start in 2021!