LEGO 43181 Raya und der Herzpalast im Review

Disneys neuester Animations-Hit überzeugt die Kritiker. Schneiden die LEGO-Sets zum Film ähnlich gut ab?

LEGO 43181 Raya und der Herzpalast Titelfoto
LEGO 43181 Raya und der Herzpalast (Fotos: PB)

„Die Prügel-Prinzessin“ (Spiegel), „Disneys erster Martial-Arts-Trickfilm“ (FAZ), „eine Kreuzung aus Mad Max und Herr der Ringe“ (Deutschlandfunk) – das sind nur einige der vielen Schlagzeilen zu „Raya und der letzte Drache“, dem neuesten Streifen aus dem Hause Disney. Und wie bei jedem Kino-Blockbuster des Mäusekonzerns ist die Spielzeugbranche schnell zur Stelle, um den Unterhaltungsgiganten mit Plüschtieren und Puppen zu hofieren. Auch LEGO bringt nun schon seit einigen Jahren Spielsets zu den Disney-Filmen auf den Markt. In die illustre Reihe von Frozen-, Arielle- und Vaiana-Modellen gesellt sich nun die nächste Disney-Prinzessin dazu: Raya.

Drei Sets sind pünktlich vor dem Kinostart am 5. März 2021 erschienen, von denen wir heute das größte und spektakulärste einmal unter die Lupe nehmen – den LEGO 43181 Herzpalast. Wer das Modell dabei im Vorhinein als weitere missglückte Abart des Gender-Marketings abtut, urteilt eindeutig zu früh. Denn genau wie der Film mit einer rasanten und ungewöhnlichen Heldin aufwartet, hält auch der Herzpalast einige Überraschungen bereit. Los geht also unsere Reise in die magischen Gefilde von „Raya und der letzte Drache“.

Worum geht’s im neuen Film?

Disney entdeckt die Welt. Nachdem im Mega-Hit „Vaiana“ die Region Polynesien im Vordergrund stand, geht es nun ein paar Katzensprünge nordwärts in Richtung Südostasien. Genau an diesen Kulturraum ist der Hauptspielort des Films, das Land Kumandra, nämlich angelehnt. Einst lebten hier Menschen und Drachen in Harmonie, doch dann bedrohte eine böse Macht namens „Druun“ das friedliche Miteinander. In einem selbstlosen Akt opferten sich die Drachen und bewahrten die Menschheit somit vor ihrem Untergang durch Druun.

500 Jahre später gelang es der finsteren Macht, nach Kumandra zurückzukehren. Die mutige Raya, Prinzessin aus dem Herzland, nimmt die Aufgabe an sich, den letzten verbliebenen Drachen Sisu zu finden, um die Mächte des Bösen ein für alle mal zu besiegen und die fünf zerstrittenen Völker des Landes wieder zu vereinen. Zur Seite steht ihr dabei eine bunte Abenteurertruppe bestehend aus dem Kung-Fu-Trickbetrüger-Baby Little Noi, dem Jungunternehmer Boun und dem Riesen Tong.

Die Aufgabe gestaltet sich jedoch alles andere als einfach: Nicht nur, dass sich der letzte Drache Sisu als ziemlich tölpelhaft herausstellt, auch eine Gegenspielerin tut sich schnell auf: Namaari, Prinzessin aus dem Land Fang, will Raya an ihrem Vorhaben hindern.

„Raya und der letzte Drache“ setzt alles daran, dem gängigen Klischee der hilflosen, unterwürfigen Disney-Prinzessin zu entfliehen: Protagonistin Raya ist ein Haudrauf-Mädel, das Mut beweist und jedem eins verpasst, der sich ihr in den Weg stellt. Starke Frauenfiguren geben im nunmehr 59. Disney-Animationsfilm den Ton an, Männer wachsen wie bereits in „Frozen“ nicht über ihre Statistenrolle hinaus. In ersten Kritiken wurde der Film daher vielfach für sein progressives Frauenbild gelobt und auch sonst scheint „Raya“ die ganze Palette zeitgenössischer Themen zu verwurschteln: Feminismus, Emanzipation und die Spaltung der Gesellschaft.

Übrigens erinnern Teile der Handlung stark an den erfolgreichen Nickelodeon-Cartoon „Avatar: Der Herr der Elemente“, in dem ebenso ein etwas tollpatschiger Letzter seiner Art eine Welt voll zerstrittener Völker wieder vereinen muss – auch der Netzwelt sind die Ähnlichkeiten nicht entgangen. Als Riesen-Fan der Serie wollte ich das nur mal angemerkt haben.

Für den Streifen konnten einige namhafte Synchronrollen gewonnen werden: Kelly Marie Tran, bekannt als Rose Tico aus „Star Wars“ gibt der Protagonistin Raya ihre Stimme, die Rapperin Awkwafina spielt den Drachen Sisu. Benedict Wong, den Marvel-Fans aus „Doctor Strange“ und den „Avengers“ kennen, ist als Tong mit an Bord.

Die Box

Genug geschwafelt, jetzt geht es endlich ans Set. Schauen wir uns zuerst die Box an. In schimmerndem Türkis gehalten, sehen wir auf der Vorderseite den titelgebenden Herzpalast. Wie bereits erwähnt bezieht sich „Herz“ hier nicht auf ein Friends-haftes Beste-Freundinnen-Gerede, sondern meint das Land „Herz“. Im Film sind die fünf Länder nach den Körperteilen eines Drachen benannt: Herz (Heart), Zahn (Fang), Klaue (Talon), Kamm (Spine) und Schweif (Tail).

Unten rechts lächelt uns Raya verschmitzt an, doch wer den Film kennt, weiß, dass sie einen in Nullkommanichts vermöbeln kann. Bei dem Schwert wäre ich vorsichtig beim ersten Date, Jungs.

Die Seitenlaschen sind wie immer recht unspektakulär, einzig allein die feinen Ornament-artigen Verzierungen geben der Box einen leicht edlen Touch. Auf der Rückseite sind einige Spielfunktionen aufgeführt wie auch der dezente Hinweis oben rechts, dass sich das Set mit der 43184 zu einem noch größeren Palast erweitern lässt. Schick. Und damit es selbst der Letzte kapiert: Ein extra-großer Disney-Schriftzug vorne und hinten.

Die Anleitung

Zugegeben, es ist mein erstes großes „Mädchen-Set“, deshalb ist es mir eine Erwähnung wert, auch wenn Familienmüttern und -vätern mit Töchtern das wohl gar nicht mehr auffällt: Wo auf der ersten Seite für gewöhnlich eine Minifigur abgebildet ist, die die Tüten öffnet, sieht man hier nun eine Minidoll. Ob es kleine Mädels aber wirklich verwirrt zurückgelassen hätte, wenn da die normale Minifigur zu sehen gewesen wäre, sei mal dahin gestellt.

Davon abgesehen gibt es zur Anleitung nicht viel zu sagen: Solides LEGO-Handwerk, wie wir es kennen, jeder Schritt ist verständlich und dürfte wohl kaum jemandem große Probleme bereiten. Auf den letzten Seiten findet sich noch Werbung für andere Raya- und Disney-Sets.

Als ich mir die Rückseite des Covers ansah, musste ich jedoch erst einmal zurückschrecken – wie einen Emma aus der „Friends“-Reihe mit schiefem Blick anstarrt hat schon etwas Verstörendes. Und der limettengrüne Fotoapparat in ihren Händen ist für ihre zierlichen Körperproportionen eindeutig zu groß ausgefallen. Ihrem Aufruf, am Produktfeedback teilzunehmen, bin ich mal nicht nachgegangen.

Die Figuren

IST DER NIEDLICH! So könnte ich mir die Reaktionen von kleinen Kindern vorstellen, wenn sie dieses putzige Vieh sehen: Gestatten, Tuk Tuk, Rayas treues Reittier, und das Ergebnis davon, wenn Gürteltiere zu viele Wachstumshormone nehmen. Von allen Minifiguren des Modells (sofern man ihn dazu zählt) ist das Tierchen eindeutig das Highlight. Im Film kann sich Tuk Tuk übrigens zusammenrollen. Wäre auch zu schön gewesen, wenn seine LEGO-Variante das genauso tun könnte. Wir sehen aber ein, dass dies technisch eine Herausforderung dargestellt hätte und so geben wir uns mit seinem Design zufrieden.

Sein Panzer ist in Dark Brown gehalten, der Rest des Körpers hingegen in Dark Orange. Das akkurat bemalte Gesicht und feine Details wie die Fühler und die Füße beweisen einmal mehr, wie akribisch LEGO bei der Gestaltung von Tierfiguren vorgeht. Unten ist Tuk Tuk zwar leider hohl, aber da er eh nur auf seinen Füßen unterwegs ist, tut das nichts zur Sache. Ausgestattet mit dem Niedlichkeitsfaktor 1000 ist Tuk Tuk bereit für seinen Angriff auf entzückte Kinderherzen.

An tierischen Begleitern war das jedoch noch nicht alles: Das lavender-farbene Fuchs-Katzen-Dingsbums-mit-Säbelzähnen namens Serlot ist auch mit von der Partie. Tiere gehen immer, war wohl die Devise im Produktdesign. Serlot ist allerdings recht unspektakulär gestaltet, weder Kopf, Beine noch Schwanz lassen sich bei ihm bewegen. Nett ausschauen tut er trotzdem.

Kenner von LEGOs Mädchen-Sets wissen zudem: Jedes Tierlein kann mit Accessoires versehen werden. Bei mystischen Fantasie-Wesen wie Serlot wird da keine Ausnahme gemacht. Ein kleines Loch im Schwanz ermöglicht es, Serlot Accessoires wie Kronen und Schleifen zu verpassen – für den Extra-Niedlichkeitskick.

Und damit sind wir bei den eigentlichen Minifiguren angelangt: Raya und ihre Gegenspielerin Namaari. Brauchte es wirklich die neuartigen Minidolls? Darüber ist schon viel gesagt und diskutiert worden, weswegen wir uns an dieser Stelle einen Kommentar verkneifen. Nur so viel: Bei einem Film, in dem sich die Heldin und ihre Rivalin dauerkloppen, wäre es schon nicht schlecht gewesen, im Set Spielfiguren mit separat beweglichen Beinen zu haben.

Unabhängig davon kommen beide Minidolls ihren Filmvorlagen jedoch sehr nahe. Rayas Umhang, der auf der einen Seite rot und auf der anderen dunkelrot gefärbt ist, macht sich mit seinem wilden Schnitt perfekt für die Abenteurerprinzessin und würde nicht nur ihrer Minifigur wunderbar stehen. Schade ist allerdings, dass ihr Strohhut an den Haaren befestigt ist, da hätten wir uns eine elegantere Lösung gewünscht.

Auch bei Namaaris Bedruckung gibt es nicht viel zu meckern. Interessant sind im Übrigen die kleinen Details wie die Riemen an den Hosen, die es bei anderen Figuren dieser Art noch nicht allzu oft gab. Namaari dürfte aber allein schon wegen ihrem ausgefallenen Haarschnitt Fans der Minidolls erfreuen. Eine so freche, rebellische Friese hat man im pinken Freundschaftsparadies der „Friends“ bisher wohl noch nicht gesehen. Nimmt man ihr die Frisur ab, kommt man jedoch nicht drum herum angesichts dieser… leicht maskulinen Resthaarbedruckung ins Schmunzeln zu geraten.

Ein gängiges Problem bei LEGOs Mädchen Reihen – und da bildet dieses Modell gewiss keine Ausnahme – ist, dass eindeutig zu wenig Spielfiguren enthalten sind. Zwar können wir uns hier mit dem wirklich genial designten Tuk Tuk vertrösten, dennoch hätte eine weitere Minidoll im größten und teuersten Raya-Set nicht geschadet.

Die Teile

Irgendwie hab ich’s mit großen runden LEGO-Teilen. Nachdem ich letztes Jahr schon das Vergnügen hatte, die 5956 Zeppelin Expedition mit dem berühmten gigantischen Ballonteil vorzustellen, folgt hier nun also das nächste große runde Ding. Die Rede ist von den beiden Panels in der Kuppel des Herzpalasts.

Neben Tuk Tuk sind diese der Hingucker schlechthin im Set. Wer das Modell vor sich zu stehen hat, dessen Blick wird zwangsläufig zu den beiden Rundteilen gehen. Premiere feierten die Panels im letzten Jahr in der „Trolls World Tour“-Serie, dort waren sie als Bestandteile eines Heißluftballons zu finden. Nun also ein Wiedersehen in Dark Turquoise und mit Goldaufdrucken verziert – gerne mehr davon.

Apropos Aufdrucke. Die meiste Zeit arbeitet man im Set mit Stickern, doch neben den Panels hat sich noch ein weiteres bedrucktes Teil ins Set eingeschlichen: Eine rote 2×3-Fliese, die eine Karte des Lands Kumandra zeigt. Wenn’s um Karten geht, werfen die Dänen wohl gerne die Druckmaschine an.

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass in diesem Set die gesamte Palette von LEGOs Blautönen verbaut ist. Blue, Dark Blue, Dark Turquoise, Medium Azure und Dark Azure – macht ganze fünf Farbvarianten. Das muss jedoch nichts Schlechtes heißen, ganz im Gegenteil. Die Blautöne harmonieren wunderbar und verleihen dem LEGO 43181 Herzpalast zusammen mit den Weiß- und Goldfarben ein abgestimmtes, edles Aussehen.

Und schließlich ist es doch wunderbar, dass entgegen dem Trend ein Mädchenspielzeug mal nicht im stereotypen Pink wirbt, sondern ausgerechnet in jener Farbe gehalten ist, die doch scheinbar für das andere Geschlecht steht – entspricht ganz der Botschaft des Films.

Der LEGO 43181 Herzpalast ist eine echte Goldgrube – wortwörtlich. Denn so viele interessante und allen voran verschiedene Goldteile findet man nicht in allen Sets. Raya sollte aufpassen, dass Käpt’n Rotbart und seine Piraten zum Plündern nicht in Kumandra halt machen.

Eine Vielzahl von Teilen feiert in diesem Set ihr Debüt: Die Burgmauern kennen wir in den klassischen Farben grau und schwarz, erstmals gibt es sie hier aber in Blue. Hinge Bricks in Dark Azure hatten wir vorher ebenso noch nie gesehen, gleiches gilt für die Zylinder, welche hier als Säulen verbaut sind.

Die 4×4-Dishes, die als Ohrteile der Vidiyo-Beatboxen bekannt wurden, finden auch im Herzpalast Verwendung. Und nicht zu vergessen: Den berühmten 3×4-Container gibt es dank diesem Set jetzt auch in Dark Red. Eine ungewöhnliche Farbe für ein Teil, das am prominentesten in Reddish Brown vertreten ist – macht sich im Palast als Schatzkiste jedoch nicht schlecht.

Viele kleinteilige Accessoires garantieren zudem stundenlangen Spielspaß, seien es eine Schere, eine Teekanne, Becher, Früchte oder die Schwerter. Schwerter sind ein gutes Stichwort. Rayas sandgrüner Drachendegen sieht einfach wunderbar aus! Wenn jetzt noch der Griff braun bemalt wäre, hätten wir ein erstklassiges Einzelstück vorliegen.

Gelbe Frösche als kleine Akzente machen uns ebenso viel Freude wie transparente Cones als Flaschen. Und habt ihr schon diese majestätische Kugel in der Mitte des Sets entdeckt? Für gewöhnlich als Glashaube bei Figuren wie Mr. Freeze oder Mysterio verwendet, bildet sie in der ausgefallenen Farbe „Satin White“ ein echtes Schmuckstück im Palast. Als Teil der Straßenlaternen kam sie übrigens auch in der kürzlich erschienen 21324 Sesamstraße vor.

Die Sticker

Euch steht viel Klebespaß bevor: Ganze 23 Sticker enthält das Set. Da kann man nur hoffen, dass eure Kleinen filigrane Handarbeit lieben.

Doch selbst, wer Sticker nicht mag: Die Ornamentmuster sind wirklich der Wahnsinn. Als Leitmotiv zieht sich – wie sollte es hier anders sein – immer wieder ein Drache durch die schick designten Aufkleber. Eine Malerei von Tuk Tuk und Boun sowie dem Kung-Fu-Baby Little Noi lassen sich genauso sehen.

Der Aufbau

Der Aufbau gestaltet sich alles andere als schwer. Zuerst wird das Fundament des Palastes errichtet, ehe anschließend Torbögen, Türme, Interieur, Kuppel und Mittelgänge folgen. Mit den beweglichen Hinge-Bricks gelingt die halbkreisförmige Anordnung des Palastes, die durch die fünf Gänge mit der Kugel in ihrer Mitte zusammengehalten wird.

Komplizierte Bautechniken werden hier nicht angewandt, einzig allein das Zusammenstecken der Lampions mit seinen abwechselnd um 45 Grad versetzten 1×1-Plates erfordert ein wenig Feingeschick.

Bis zur dritten Tüte war ich vom Aufbau dabei äußerst angetan. Das Farbdesign war stimmig, die Details an den Türmen hinreißend und der Palast einfach makellos schön. Die goldenen Spitzen erinnerten mich an die typische Architektur orthodoxer Kirchen oder einiger Bauten aus dem nahöstlichen Kulturraum. Ich war absolut angetan von dem Modell und hatte mir erhofft, am Ende einen richtig schönen Palast vor mir zu haben, der ganz ohne quietschbunten Schnickschnack auskommt. Dann ging es jedoch an die Inneneinrichtung und mit ihr brach die pinke Flut herein.

Sicher, das Esszimmer mag schön gestaltet sein und die Gärtnerei und das Schlafgemach regen zu vielen Spielideen an, doch irgendwie hat das Interieur das Set für mich ein wenig kaputt gemacht. Die Magenta-, Korall- und Bright-Light-Yellow-Farbtöne beißen sich mit den blauen Teilen und wirken in diesem anmutigen Tempel ein wenig deplatziert.

Dass kleine Kinder dennoch einen Heidenspaß haben werden, Raya ihre Lieblingspflanze schneiden zu lassen oder sie ins Bettchen zu bringen, will ich gar nicht bestreiten – ich hätte Raya nur einen besseren Farbgeschmack bei der Einrichtung ihres Palastes zugetraut. Oder sind pinke Stühle gerade der letzte Schrei in kumandrischen Möbelhäusern?

Groteske Farben hin oder her – die fünf Zimmer einzurichten macht dennoch viel Spaß. Denn immerhin sind es die kleinen verspielten Details, die ein Set erst zum Leben erwecken – und von denen verbaut man hier einige: Der kleine Baum im Gartenzimmer ist eine genauso tolle Idee wie der üppig gedeckte Tisch oder der wahrlich majestätische Thron.

Auch die kleine Schatzkammer hat etwas – immerhin kann man in der Kiste den ganzen Kleinteilekram verstauen, der als Rest übrigbleibt. Nur der Raum mit den Flaschen will nicht ganz überzeugen – was soll der überhaupt darstellen? Eine Parfümerie? Eine Minibar?

Bauschritt fünf, indem die Streben samt Kugel gebaut werden, wird Liebhabern schicker Architektur vielleicht auch nicht sonderlich viel Freude bereiten. Würde ich das Set ausstellen wollen, würde ich diese weglassen und die Burgmauern aufklappen. So wirkt der LEGO 43181 Herzpalast noch viel größer und beeindruckender.

Funktionen

Langweilig wird einem mit dem Set garantiert nicht. Trotz seiner vergleichsweise geringen Größe hält es eine beeindruckende Anzahl an Spielfunktionen bereit. So können die beiden vorderen Türme aufgeklappt werden und geben ein geheimes Waffenversteck frei. Und falls Frau Prinzessin einen entspannten Arbeitstag im Palast wünscht: Der Thron lässt sich schnell zur Liege umfunktionieren. Eine derart hübsche Liege würde ich doch sofort mit deutschen Badehandtüchern besetzen.

Ein kleiner Dreh am Kartenschrein und schon gelangt man in Rayas Privatgärtnerei. Drehen kann man auch die gigantische Kuppel und so einen Blick ins Schlafgemach werfen. Und nicht zuletzt laden die verschiedenen Zimmer im Palast zu stundenlangen Abenteuern mit Raya ein. Gärtnern, fürstlich Dinieren, die Diamanten in der Schatzkiste zählen: Wenn nicht gerade die Welt vor dem Untergang steht, könnte jeder Tag so herrlich sein im Herzpalast!

Fragt sich nur, ob sich die Herren und Frauen bei LEGO den Film wirklich so genau angesehen haben, wenn auf der Box mit der Spielfunktion geworben wird, dass Raya und ihre Erzfeindin unbeschwert Eis essen. Andererseits: Es geht um die Einheit zerstrittener Völker. Okay, vielleicht doch nicht so verkehrt.

Das fertige Set

Großer, geräumiger Palast, sechs Zimmer, darunter kleines Esszimmer und Garten, ideal zum Horten von kostbaren Habseligkeiten und geeignet für Besitzer gigantische Gürteltiere: So oder so könnte eine Annonce in der Zeitung aussehen, könnte man Rayas Herzpalast zum Mieten beziehen. Darin zu wohnen bleibt wohl ein aussichtsloser Traum, doch immerhin lassen sich mit diesem Set Rayas Abenteuer nachspielen. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet kann man wirklich nichts Schlechtes sagen: Ein gut ausschauendes Set mit viel Liebe zu kleinen Details und einer Reihe von tollen Teilen. Hier ist viel Bau- und Spielspaß vorprogrammiert.

Selbst Jungs könnte das Set durchaus ansprechen. Denn passt der Palast mit seinem fernöstlichen Design nicht perfekt in die eigene Ninjago-Welt? Den LEGO 43181 Herzpalast werden Buben ihre Schwester sicher mit weitaus mehr Wohlwollen in ihre Ninjago-Spielwelt einbauen lassen als das Heartlake-City-Welpenmobil.

Für mich weht nicht zuletzt der Wind vergangener LEGO-Tage durch dieses Modell. Leichte Ähnlichkeiten zum 7418 Scorpion Palace aus der beliebten Adventurers-Reihe kann man einfach nicht leugnen. Mir juckt es regelrecht in den Fingern, Johnny Thunder auf eine südostasiatische Entdeckungsreise zu schicken und den Herzpalast erforschen zu lassen.

Wenn die nächste Welle an Raya-Sets mit ähnlich hübschen Modellen aufwartet, war es ganz bestimmt kein Fehler, diese taffe Prinzessin in der LEGO-Welt willkommen zu heißen. Schon die 43185 Boun’s Boat überzeugt in gestalterischen Belangen. Seht euch nur den gigantischen Schrimp im Set an!

Allerdings sind 80 Euro Listenpreis für ein Set, das aufgebaut dann doch ziemlich kompakt und übersichtlich ist, ganz schön teuer. 60 Euro bis 65 Euro wären aus unserer Sicht eher angebracht gewesen.

Fazit

Schlagkräftige, selbstbewusste Frauenrollen, denen keiner etwas vorschreibt – längst hat sich Disney von den braven Prinzessinnen im Glitzerkleidchen verabschiedet. Bei LEGO hat das letzte bisschen Mut im Set gefehlt: Die Farbe Pink ist auch aus diesem Modell nicht ganz wegzukriegen. Aber das ist doch das Schöne an unseren liebsten Noppensteinen: Was das Marketing nicht ganz geschafft hat, gelingt mit der eigenen Fantasie. In den heimischen Wühlkisten finden sich bestimmt ein paar farblich passendere Teile. In dem Sinne: Lasst die Renovierungsarbeiten im Herzpalast beginnen und schon steht hier ein wirklich beeindruckender Eintrag in LEGOs stetig wachsender Serie von Mädchen-Sets vor uns.

  1. Den Film finde ich als Erwachsener echt schön. Er ist sehr basiert auf Disneys „Stärken“ und man merkt schon was viele Charaktere auf bestimmte Typen geprägt sind und für sich echt stark wären. Hätten Sie mehr Screentime erhalten! =(

    Die Lego Sets hingegen reizen mich nur bedingt, gut das Polybag habe ich mir vier mal gekauft und gestern nochmal drei mal bestellt. Die Teile sind wirklich toll und die neuen Äffchen kann ich als Bauer einer Asia CIty ja mega gut verwenden. ^^

    Meine Lieblingsteile ist das Kopfteil von Raya und die Affen z.B. Werde mir auch das Set „Bouns Boat“ noch erwerben! =) Sisu und das Reittier haben mich enttäuscht hingegen aus Lego Fan hingegen. Aber für die Zielgruppe sicherlich ausreichend! 😉

  2. Schönes Reviews, Arnold. Tatsächlich wäre das Set jetzt nicht unbedingt etwas für meine Jungs und mich, aber Du hast Recht; es sind viele schöne Details dabei, das Bauwerk ist in sich stimmig und abwechslungsreich. Die Tierfiguren finde ich knuffig, der Rest ist eher Geschmackssache. Einige (wenige) schöne Prints sind dabei, könnten ein paar mehr sein (auch im Bezug auf die anvisierte Altersgruppe). Bleibt der Preis: Würde sogar 55 bis 60 Euro als vernünftiges Angebot ansehen. Es wird wirklich Mal Zeit, das Lego, gerade im Bezug auf die Konkurrenz eine etwas Moderatoren Preispolitik betreibt.

  3. Ach, ich finds so schade das lego die ganzen Disney sets mit den mini-dolls rausbringt und nicht mit richtigen minifiguren. Hoffentlich kommen noch ein paar minifiguren Serien mit Disney Thema.

  4. Gutes Review!
    Ich denke auch, dass es sich lohnen kann das ein oder andere Friends bzw. Disney Set mal näher anzuschauen. Klar sind die Figuren schwierig (immerhin die Haarteile kann man verwenden 😉 ), aber z.B. bei dem 1. Elsa Märchenbuch staunte ich nicht schlecht -ein bedrucktes Teil nach dem anderen! Habe schon fast überlegt das selber zum ausschlachten holen. Andreas Haus sieht auch interessant aus für die aktuell 43€…

  5. Die Sets sind leider doch etwas zu sehr auf Sechsjährige ausgerichtet und wegen der vielen Vereinfachungen nur bedingt attraktiv. Gerade der Palast hätte so viele Möglichkeiten für endlose kleine Details geboten, die sich aber mit ein paar Panels und großen Kompaktteilen einfach nicht darstellen lassen. Irgendwie hätte ich einfach mehr erwartet…

  6. Danke für das mega-ausführliche Interview! Diese Neuausrichtung der Disney-Prinzessinnenfilme find ich sehr gut. Bei Moana/Vaiana war das auch schon so.
    schade ist wirklich, wie sparsam Minidolls im Vgl. zu Minifigs in die Sets getan werden.

  7. Schade, dass ein so junger Rezensent unbedingt Geschlechterklischees von vor 50 Jahren bedienen muss. Hätte wirklich gedacht dieser Sexismus stirbt irgendwann aus.

    1. Hallo, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich kann jedoch nicht nachvollziehen, in welchen Absätzen ich „Geschlechterklischees von vor 50 Jahren“ bedient haben soll. Wenn man schon Anschuldigungen dieser Art erhebt, wäre es zumindest ganz praktisch zu wissen, an welchen Formulierungen du dich genau gestört hast. Dann könnten wir auf dieser Basis sachlich darüber diskutieren. Ich bin umso mehr über deinen Vorwurf verwundert, weil ich doch eigentlich das genaue Gegenteil mit diesem Review erreichen wollte: Ich lobe den Entwurf und den Film eben dafür, dass er nicht auf überkommene Geschlechterstereotype setzt.

      1. Hallo, danke für deine Neugier. Was mich vorrangig gestört hat, war die Bezeichnung „Mädchen Reihen“. Während ich verstehe, dass diese Bezeichnung naheliegt, da diese Reihen entsprechend vermarktet werden, so werden dadurch die Geschlechterstereotype nur verstärkt.
        Es war ein bisschen unfair von mir, dich dafür so hart anzuprangern, wo der größte Handlungsbedarf bei Lego selbst liegt. Ich liebe Lego, aber in diesem Punkt haben sie noch einen weiten Weg vor sich. (Man siehe nur die Setauswahl der Friends Reihe (Modegeschäft, große Backshow, Krankenhaus, Friseursalon etc.), klischeehafter geht es leider nicht.) Und wenn ich dann dieses knallige Set mit lila (!) Serlot sehe, geht die Frustration mit mir durch.
        Hoffentlich konnte ich meine Perspektive etwas verdeutlichen.
        Danke, dass du und das restliche Team diese Inhalte zur Verfügung stellen. An der fachlichen Qualität gibt es nichts auszusetzen.

        1. Gut, dass du deine Meinung nochmal begründet hast, vielen Dank dafür! Aber wie du schon sagtest: Es ist das Unternehmen LEGO, das diese Geschlechterklischees bedient, nicht ich. Mir kann man ja wohl kaum den Vorwurf dafür machen, dass Serlot in diesem Set lila geworden ist. 😉 Die Bezeichnung „Mädchen-Reihen“ ist ungünstig gewählt, da gebe ich dir durchaus Recht. Deshalb habe ich die Formulierung aber zunächst auch in Anführungszeichen gesetzt, wie du im Abschnitt „Anleitung“ gleich im ersten Satz sehen kannst. Grundsätzlich teile ich deine Kritik am Gender-Marketing. Friends-Sets sollten nicht andauernd in pink oder lila gehalten sein und schon gar nicht die immer selben Stereotype bedienen. Genau deswegen finde ich den Herzpalast umso gelungener, weil er sich in gewisser Weise von den bisherigen Friends-Sets absetzt.

          So sehr ich mir aber geschlechtsneutrale Modelle wünschen würde, muss man fairerweise dazu sagen: Die Friends-Set verkaufen sich erstaunlich gut und sobald sie LEGO weiter Gewinne bescheren, gibt es keinen betriebswirtschaftlich vernünftigen Grund, von dem Konzept abzuweichen.

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