Mit großer Spannung erwarte ich immer die Fahrzeugmodelle aus der LEGO Creator Expert Reihe. So war ich auch dieses Mal sehr aufgeregt als klar wurde, dass es als nächstes „Schmankerl“ den LEGO 10295 Porsche 911 geben wird. Mittlerweile wurde die Creator Expert Reihe in 18+ umgetauft, weil – wie mir in Billund erklärt wurde – das Wort „Expert“ Neukunden abschrecken könnte.
Sehen wir uns als Erstes einmal das Original-Fahrzeug an: Hier ein sogenanntes „G-Modell“ mit dem kleinen 2,7 Liter Motor in der schmalen Karosserie als Targa.
Beim LEGO 10295 Porsche 911 handelt es sich um das G-Modell, dass ab Modelljahr 1974 gebaut wurde. Charakteristisch für diese Modelle, die übrigens bis 1989 so gebaut wurden, sind die den amerikanischen Crash-Anforderungen angepassten Stoßstangen. In den USA wurden zu diesen Stoßstangen vorne noch herumgezogene Blinker und hinten viel größere Gummipuffer verbaut. Da hat LEGO bei ihrem Nachbau etwas vermischt, aber dazu kommen wir später.
Wer die alten 911er im Hollywood-Einsatz sehen möchte, dem empfehle ich den Metro-Goldwyn-Mayer-Film (von 1987) „Tatort 911 – No Man’s Land“ mit Charlie Sheen in der Hauptrolle.
LEGO 10295 Porsche 911
Nun aber zum LEGO Modell: Um es vorweg zu nehmen, für mich ganz persönlich sind beim Modell aus Billund etwas zu viele kleine Fehler im Detail verbaut. Vielleicht bin ich zu pingelig, darüber dürft ihr dann am Ende selbst urteilen. Die Designerin Mel Caddick wünschte sich bei einem Vortrag bei einem Skaerbaek Fan Weekend, dass wir Review-Schreiber nicht nur kritisieren, sondern auch Alternativen aufzeigen sollen. Deshalb fliesen in dieses Review einige Änderungen von mir mit ein, so gut ich es mit meinen bescheidenden Können umsetzen konnte.
Der Steckbrief
Artikelnummer:10295
Set-Name:Porsche 911
Baureihe:18+/ Creator Expert
Teilezahl:1.458
Erscheinungsjahr:2021
Bauzeit:ca. 4 Stunden
Altersfreigabe:ab 18 Jahren
Verkaufspreis:129,99 Euro
Die Verpackung
Wie bei der 18+ Serie gewohnt, kommt die Packung in Schwarz und sieht schon sehr ansprechend aus. Sie ist ca. 47 x 28 x 11 cm groß. Leider muss die Box beim Öffnen an den Laschen eingedrückt werden. Das mag ich bei solchen Sets nicht. Ich öffne diese Boxen dann immer mit einem Taschenmesser, um die Schachtel nicht zu zerstören, weil für mich die Box zum Set gehört.
Die Bauanleitung
Auch diese ist in schwarz gehalten. Auf 268 Seiten wird in unzähligen Bauschritten der Aufbau haarklein erklärt. Das ist mit Sicherheit für die vielen Käufer eine große Erleichterung die Dank des Reizes des Modells zum ersten Mal ein großes LEGO Set aufbauen. Was für mich ein großer Murks ist, ist die Tatsache, dass auf dem ganzen Heft nirgends die Setnummer steht. Wer in ein paar Jahren das Modell ohne die Box kauft, der hat es schwer auf die Schnelle die Setnummer herauszufinden, um zum Beispiel die Vollständigkeit des Modells zu prüfen oder um Teile nachzubestellen.
Wenn dann der QR-Code vorne auf der Anleitung noch funktioniert, will ich nichts bemängeln, aber wehe wenn nicht…
Auf den ersten Seiten wird das Auto ausführlich vorgestellt und auch der Designer, Mike Psiaki, kommt zu Wort. Er hat schon unter anderem den LEGO 10265 Mustang gemacht, der für mich immer noch die Spitze der LEGO-Auto-Klassiker- Serie darstellt. Während des Bauens sind immer wieder kleine Erklärungen der Technik eingefügt. Wahrscheinlich, weil der Porsche aus Deutschland kommt, sind alle Texte auch in deutsch abgedruckt.
Nach den ersten 305 Bauschritten müsst ihr euch entscheiden ob ihr den Turbo oder den Targa bauen wollt. Leider sind nicht genug Teile dabei, um beide Umbau-Versionen gleichzeitig bauen zu können.
Die Teile
Wie schnell bei der Vorstellung des neuen Sets klar wurde, kommt dieses Modell ganz ohne Sticker aus. Die Scheiben sind mit den Reifen getrennt verpackt, bei mir gab es dadurch keine Kratzer.
Mit den Tüten eins bis sieben wird das Grundmodell gebaut, danach geht es entweder für den Turbo mit acht und neun weiter oder für den Targa mit acht und zehn. Bemerkenswert finde ich, dass der dänische Spielwarenhersteller zwei Felgen-Sätze beigelegt hat: einmal in schwarz für den 911er Turbo und einmal in silber für den 911er Targa. Die Felgen entsprechen den bekannten Mustang Rädern. Diese wurden extra für die neuen Fahrzeuge designed, um durch ihre Einpresstiefe eine kompakte Lenkung realisieren zu können.
Die einzigen „brandneuen“ Teile sind die Slopes, die gebraucht werden, um die hinteren Kotflügel und die runden Viertelbögen für die hinteren Turbo-Verbreiterungen gut aussehen zu lassen.
Der Zusammenbau
Wie bereits erwähnt, ist der Zusammenbau recht einfach und sehr gut erklärt. Die vielen Farben im Unterbau helfen zusätzlich, dass sich auch der unerfahrene Baumeister nicht verbaut. Prinzipiell stören mich die bunten Bauteile nicht. Wer möchte, kann sie einfach ersetzen und wie einmal jemand aus dem Doctor-Brick Forum geschrieben hat, manchmal ist man froh, die Teile an unwichtiger Stelle in den bunten Farben zu finden, um sie dann zu ersetzen und am eigenen MOC zu verwenden.
Die Bautechniken, die Mike bei diesem Modell anwendet, sind wieder einmal Spitze! Allein die Konstruktion der hinteren Kotflügel ist ein Spaß zum Bauen. Auch bei diesem Modell sind die vorderen Räder lenkbar. Die Konstruktion dafür ist auf kleinstem Raum realisiert.
Bei den Sitzen bin ich leider nicht mehr so begeistert. Die Rücksitzbank wirkt für mich viel zu mächtig und im Original sind die Lehnen einzeln umklappbar, um mehr Stauraum für beispielsweise das Reisegepäck zu haben.
Bei den vorderen Sitzen stört mich das Fehlen der integrierten Kopfstütze. Im LEGO Modell sind sie oben viel zu breit. Auch hier habe ich versucht an meinem Porsche etwas zu ändern. Die Farbgestaltung der Innenausstattung finde ich hingegen wieder Klasse! Bei den Teilen, die ich zu meinem Modell zusätzlich aus einem anderen, älteren Set geholt habe, ist allerdings ein deutlicher Farbunterschied zu sehen. Vielleicht zur LEGO Ehrenrettung, die mitgelieferten Teile haben bei mir farblich sehr gut zueinander gepasst. Vielleicht haben sie ja in Billund unseren Qualitätsaufschrei gehört …
Mit der vorderen Stoßstange war ich auch nicht so glücklich. Hier werden Trans-Orange Teile verbaut, wohingegen hinten für die Blinker Orange Teile verwendet werden. Außerdem stellt der LEGO Bausatz vorne die US-Variante und hinten die europäische Version dar. Mit relativ geringem Aufwand konnte das allerdings geändert werden.
An der hinteren Stoßstange waren für meinen Geschmack zu viele Noppen, mit fünf Stück der modifizierten 2x2er Fliese kann das aber leicht behoben werden.
Die Passung der Türen ist wieder eine Meisterleistung des Designers. Sowohl die Passung als auch die dem original nachempfundene Schräge der B-Säule ist meiner Meinung nach perfekt gelungen. Danach kommen leider wieder zwei Aufreger für mich. Jeder Porsche 911 hatte fünf Instrumente! Die Lösung aus einem 1x2er Slope und zwei runden bedruckten Fliesen, die dann noch in unterschiedlichen Winkeln stehen, ist mehr als unglücklich.
Den zweiten Punkt, den ich hier noch zu bemängeln habe, ist die Fronthaube. Wenn ihr euch Bilder des Original-Modells anseht, seht ihr, das in der Mitte die Haube nach hinten zwei langgezogene Kanten hat. Beim LEGO Modell wurde das mit drei abgerundeten Slopes hinten gelöst, so ist das im Original auf keinen Fall. Meine Lösung enthält zwar illegale Bautechniken, kommt dem Vorbild meiner Meinung nach aber viel näher.
Nach dem das Grundmodell gebaut ist, müsst ihr euch entscheiden: Turbo oder Targa.
Porsche 911 Turbo
Ich habe mich zuerst für den Turbo entschieden. Zum Vergleich hier ein Bild eines original Porsche 911 Turbo. Dieser steht übrigens in Stuttgart im Porsche Museum.
Wie ihr hier gut erkennen könnt, sind auch die vorderen Kotflügel verbreitert. Auch die integrierten Kopfstützen und die Kanten in der Fronthaube sind hier gut zu sehen. Beim LEGO Porsche werden leider nur die hinteren Kotflügel ausgestellt. Das wird dem Turbo überhaupt nicht gerecht. Aber der Reihe nach. Zuerst wird der Motor fertig gebaut. Der Grundmotor bleibt bei beiden Modellen gleich, ja nach Modell werden diverse Anbauten gemacht. Hier der Turbolader und der charakteristische Ladeluftkühler.
Bei den Seitenfenstern werden Drucke zu Hilfe genommen, das kennen wir schon vom LEGO 10262 Aston Martin. Leider passt die gedruckte weiße Farbe so gar nicht zum Rest. Das Problem kenne ich von Drucken beim Steindrucker. Wir haben es immer gelöst, indem wir das Teil zweimal bedruckt haben, dann war die Deckung mit der Farbe viel besser. Die Idee mit der ein-zu-clipsenden Hinterachse finde ich sehr gut, so kann später schnell auf die schmale Version zurückgebaut werden. Der Turbo-Heckflügel ist auch sehr gelungen und kommt dem Original sehr nahe.
Der fertige LEGO Porsche 911 Turbo überzeugt mich leider nicht. Vor allem durch die schmalen vorderen Kotflügel passt er für mich nicht. Auch mit der recht eckigen Frontscheibe entsteht ein viel zu breites Dach. Hier hätte eine neue Frontscheibe wahrscheinlich Wunder gewirkt, die große Szene der LEGO-Fahrzeug-MOCer wartet eh schon lange auf so eine Scheibe aus Dänemark.
Hier eine Übersicht der Bauteile, die zum Umbau als Turbo nötig sind.
Porsche 911 Targa
Mit den Tüten acht und zehn wird der Targa gebaut. Beide Tüten müssen zum Bau geöffnet werden. Viele Teile müssen auch zum Bau des Turbos herhalten. Deshalb können leider nicht alle Baugruppen parallel gemacht werden, um das eine Modell zu bauen, muss das andere leider zerlegt werden.
Die schmale Hinterachse habe ich auf dem Übersichtsbild leider vergessen. Ansonsten sind hier deutlich weniger Teile verbaut als beim Turbo. Der Targa-Schriftzug am Motordeckel ist etwas unpassend. Im Original war dieser Schriftzug nie hinten, sondern an der Seite auf dem Überrollbügel.
Das Targa-Dach kann wie beim Vorbild in den Kofferraum gepackt werden. Für meinen Geschmack ist der Targa-Bügel etwas zu weit nach hinten geneigt. Die Breite der Karosserie passt hier allerdings perfekt zu den 2,7er Einstiegsmodellen aus den Jahren 1974-1977.
Porsche 911 Coupe
Durch die Möglichkeit, beide Varianten zu bauen, kann natürlich auch ein schmales Coupe ohne Heckflügel gebaut werden. Ich habe viel mit eigenen Teilen gemischt, deshalb bin ich mir nicht mehr zu 100 Prozent sicher, aber meiner Meinung nach müssen nur zwei 2x4er Fliesen ersetzt werden. Ich habe das mit den übrig gebliebenen Teilen aus zwei 1x6er und vier 1x1er Fliesen gemacht.
Porsche 911 USA-Coupe
Zum mitgelieferten New Yorker Nummernschild passen die breiten Stoßstangenhörner vielleicht besser. Jetzt stimmt es auch mit der vorderen Stoßstange und den langen US-Blinkern. Auch beim schmalen Coupe ist die Dachform nicht optimal. Runde Formen sind halt mit LEGO schwer zu bauen. Genau wie beim LEGO 10252 Käfer kann eine Cabrio -Variante hier Abhilfe schaffen.
Ab Modelljahr 1978 gab es bei Porsche den 911 mit Saugmotor nur noch in der Carrera-Variante. Das heißt: vorne die schmalen und hinten die leicht breiteren Kotflügel. So habe ich dann mein Cabrio gebaut.
Mein Fazit
Gleich nach der Vorstellung des LEGO Porsche 911 war ich eigentlich enttäuscht. Dadurch, das ich ein großer Fan gerade des „G-Modells“ bin und diese Autos sehr gut kenne, bin ich vielleicht etwas zu streng mit dem LEGO Modell. Für mich passt das Modell leider nicht so gut wie zum Beispiel der Mustang. Manche Modelle können vielleicht aus LEGO Steinen einfach nicht gut gebaut werden.
Der Zusammenbau des Modells mit den genialen Bautechniken, der schönen Farbwahl der Innenausstattung und der Möglichkeit, mit wenig Aufwand drei verschiedene Varianten zu bauen entschädigt etwas. Was meint ihr? Bin ich zu streng mit dem neuesten Set aus der 18+ Serie? Ich freue mich auf euer Feedback in den Kommentaren.

























































