Dieses Jahr verwöhnt uns LEGO schon mit dem vierten Set aus der Creator Expert Reihe. Erstaunlicher Weise nach dem 10265 Ford Mustang jetzt mit dem zweiten Fahrzeug-Modell innerhalb eines Jahres. Nach zahlreichen Auto-Modellen gibt es nun eine Ikone der Motorradgeschichte zu bauen: Die Harley-Davidson Fat Boy. Die ersten Bilder des Motorrads geistern ja nun schon einige Zeit im Netz herum, einige von LEGO anerkannte Fan Medien haben auch schon Bausätze für Reviews zur Verfügung gestellt bekommen. Es wird also Zeit, dass wir als unabhängiger Blog uns dieses Modell genauer ansehen, welches seit heute (17. Juli 2019) von VIP-Karteninhabern im LEGO Online-Shop sowie in allen Brand Stores gekauft werden kann.

Die Verpackung

Mit einer Größe von ca. 48×28 cm ist die Schachtel nicht besonders groß geraten – mehr Platz war auch nicht nötig für 1.023 Teile. Trotzdem lässt mich die Teilezahl kurz Inne halten. Meines Wissens nach dürfte das der größte LEGO Motorrad Bausatz sein, der bis jetzt von LEGO erschienen ist.

Was auf den ersten Blick auffällt ist, dass dieses Mal in der Creator Expert Reihe kein klassisches Fahrzeug Pate stand. Diese Fat Boy ist das aktuelle Modell der Firma Harley-Davidson.

Auf der Rückseite sind wie immer Detailfotos des Modells, nichts was mich vom Hocker haut, oder gar zum Kauf endgültig überzeugen könnte. Die Maße des Modells stehen dieses Mal auf der Seite der Box.

Die Teile

Auf vier Hauptgruppen sind die Teile, die zum Bau benötigt werden, verteilt.

In sieben Beuteln, sorgfältig für jeden Bauschritt verpackt. Die Felgen und Reifen sind lose in der Schachtel. Es bleiben wie üblich einige Teile am Ende übrig.

Kommen wir zu den vielen neuen Teilen. Neuteile ist zwar nicht ganz richtig, denn es sind viel mehr alte Teile in neuen Farben, oder Teile, die in Dunkelrot nur sehr exklusiv verwendet wurden und somit immer recht teuer waren. Lediglich die Felgen und Reifen wurden für dieses Set neu gefertigt. Alle, die auf neue Teile in Dunkelrot gehofft haben, werden nicht enttäuscht.

Erstaunlich fand ich, dass das graue Fahrzeug-Dach in dieser Farbe neu ist. Bemerkenswert ist auch der 1x3er inverse Dachstein in Beige. Der ist in dieser Farbe nicht ganz neu, er wurde bis jetzt nur in einem LEGOLAND Exclusiv Set verbaut, die Preise bei Bricklink gehen für dieses Teil bis über 33 Euro hoch. Pro Stein versteht sich! Hier wird er am Motorrad an versteckter Stelle verbaut, da hätten sie bei LEGO locker auch eine vorhandene Farbe nehmen können. Nur zwei bedruckte Teile werden mitgeliefert, alles andere wird mit Aufklebern gelöst. Der Vorderradreifen dürfte schon bei diversen anderen LEGO-Motorrädern verbaut worden sein, der dänische Spielwarenhersteller hat aber dafür nun eine neue Teilenummer vergeben.

Hier der Stickerbogen. Leider war meine Kamera mit dem reflektierenden Chrom am Aufkleberbogen überfordert. Was hier also weiß erscheint, ist in Wirklichkeit hoch reflektierender Chrom. Leider sind die Sticker nicht mittig gestanzt. Wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr vielleicht den Versatz, sehr störend vor allem bei dem runden Harley Aufkleber. Dort ist außerdem noch Milwaukee mit nur einem „e“ geschrieben. Wenn wir schon bei Ärgernissen sind, ich habe leider noch eine mich sehr störende „Sache“ festgestellt. Farbunterschiede sind bei LEGO Teilen ja keine Seltenheit. Das Dunkelrot ist hier aber nicht der Grund der Aufregung.

Tatsächlich seht ihr hier nur schwarze Steine. Ich kann euch versichern, auch in live sticht diese modifizierte 1x2er Platte so heraus. Dieser Farbunterschied ist mir bisher bei Schwarz noch nicht so aufgefallen. Er kam übrigens auch noch bei anderen schwarzen Teilen vor.

Die Bauanleitung

Gewohnt ausführlich auf 156 Seiten wird das Modell nicht nur für den Zusammenbau erklärt, sondern in der Anleitung sind auch viele Anekdoten zum Modell und vor allem zur Geschichte von Harley-Davidson.

So erfährt der geneigte Leser einiges zur Geschichte, so zum Beispiel, dass es sich bei im Jahr 1903 gegründeten US-Amerikanischen Firma um die älteste noch produzierende Motorrad-Manufaktur handelt und natürlich auch ein paar Fakten zur Fat Boy.

Auch der LEGO Designer Mike Psiaki, der schon für einige Creator Expert Fahrzeuge verantwortlich war, kommt ausführlich zu Wort. Alles in englischer Sprache, die deutsche Übersetzung soll wieder bei LEGO auf der Website abrufbar sein.

Der Zusammenbau

Begonnen wird mit dem Motor und dem Rahmen. Dann entsteht das Heckteil und zum Schluss wird die Gabel mit Lenker gebaut.

Hier seht ihr die zwei Kolben, die Mike aus vier Seilrollen gebaut hat. Das finde ich eine super Idee, weg von den immer gleichen Technic-Kolben. Hier könnt ihr vielleicht auch schon die Größe des Modells erahnen. Als Abdeckung dann noch die „Dächer“ oben drauf, fertig ist der „unsichtbare“ Motor.

Alles in grau und schwarz.

Nachdem die hintere Radaufhängung fertig ist, wird der Hinterreifen eingebaut. Um einen kleinen Größenvergleich zu bekommen habe ich mich einmal daneben gestellt. Natürlich mit Helm und in Motorrad-Kluft 🙂

Der Reifen ist also fast so breit wie eine Minifigur hoch ist – sehr beeindruckend!

Unter dem Tank versteckt werden die seltenen beigen inversen Dachsteine verbaut. Die 2x3er Fliese, die zum Nummernschild wird, kann den Hinterreifen bei weitem nicht abdecken.

Ich hoffe, ihr könnt es erkennen: Auch die Sticker in der Mitte des Tanks sind „verschnitten“. Da hoffe ich auf baldige Lösung vom Steindrucker, der hoffentlich eine akzeptable Lösung auf den Markt bringt, in Form von bedruckten Teilen.

Abgesehen davon sind die Bauweise sowie die diversen Bautechniken ein Genuss beim Zusammensetzen des Modells. Da wird „gesnottet“, Teile zweckentfremdet und mit Technic- Bricks gemischt, was das Zeug hält.

Schon immer hat mir der Mix aus Technic und herkömmlichen LEGO Bausteinen gut gefallen. Auch wenn ihr am Ende nicht mehr viel von den Technic Elementen und Funktionen seht, macht es beim Bauen doch sehr viel Spaß.

Auch die Gabel wird erst durch den Einsatz von Technic Elementen stabil.

Die Felgen sind übrigens vorne und hinten gleich. Lediglich hinten werden zwei Felgen zusammengesteckt, um die nötige Breite zu erreichen.

Der Lenker wird mittels zweier Technic-Pneumatik Teile befestigt.

Wer die Maschine nicht auf den Seitenständer stellen will, kann den gebauten Montageständer verwenden.

Das fertige Modell

Auch ohne Harley-Schriftzüge ist dieses Motorrad sofort als solche erkennbar!

Hier noch ein Generationen-Vergleich mit der ersten von LEGO aufgelegten Harley-Davidson aus dem Jahr 1976.

Das Modell ist 34 cm lang und ca. 21 cm hoch. Eine Minifigur sieht daneben ziemlich verloren aus.

Auf dem Seitenständer neigt sich das Bike stark zur Seite, so wird es aber in Wirklichkeit auch sein.

Mein Fazit

Dieses Mal fällt mein Fazit etwas länger und ausführlicher aus. Mir gefällt das Motorrad, sowohl im Original als auch hier als LEGO Modell. Punkt! Ob die vielen grauen Teile in Chrom besser gewesen wären? – vielleicht, es könnte aber auch „too much“ sein. Wie beim Mustang, wo mittlerweile einige Chrom-Umbauten gesichtet wurden, bin ich mir immer noch nicht sicher, ob das Modell dadurch gewonnen hätte. Letztendlich ist es Geschmackssache und ja, im Originalen ist die Harley natürlich mit viel Chrom. Wer will, kann ja nachrüsten, das wird dann aber wahrscheinlich nicht billig werden.

Was mich viel mehr gestört hat, sind die Qualitätsschwächen bei den Stickern und den schwarzen Bauteilen. Das darf einem „Premiumhersteller“ nicht passieren. Hier lasse ich auch die Ausrede , dass es sich um ein Kinderspielzeug handelt, nicht gelten. Die Creator Expert Fahrzeuge landen meiner Erfahrung nach zu 90% bei Erwachsenen und dann in der Vitrine. Dort müssen sie gut aussehen und sonst nichts! Das sollte LEGO in Zukunft unbedingt besser machen. Mit diesem Harley-Davidson Modell hat Mike Psiaki wieder die Messlatte sehr hoch gelegt. Nach dem Mustang haben wir hier wieder ein perfekt designtes Modell. Übrigens, die Gabel vorne wirkt beim fertigen Modell, meiner Meinung nach, ganz und gar nicht überdimensioniert – die muss „fett“ sein!

Der Steckbrief

Artikelnummer: 10269
Set-Name: Harley-Davidson Fat Boy
Baureihe: Creator Expert
Teilezahl: 1.023
Erscheinungsjahr: 2019
Bauzeit: ca. vier Stunden
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Verkaufspreis: 89,99 Euro

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19 Kommentare

  1. Wieder einmal ein toller Bericht. Du hast recht Wolfgang, die nicht so schöne Qualität der Aufkleber und Teile ist schon sehr ärgerlich. Das liegt vermutlich daran, dass alles in der heutigen Zeit immer schneller und billiger hergestellt wird. Lego muss da was machen, sonst wars das mit Premium. Als ich von dem Motorrad gehört habe, war ich Feuer und Flamme, aber das Lego keine verchromten Teile für Auspuff und Gabel verwendet, habe ich mich entschieden es nicht zu kaufen.

  2. Farbunterschiede bei schwarzen sowie dunkelgrauen Teilen habe ich auch in vielen Technic Sets in den letzten 3 Jahren festgestellt (z.B. beim Mack 42078 oder 42069). Problem bei schwarzen Teilen ist, dass viele Teile nicht mehr hochglanz sind wie früher sondern matt und gräulich wirken, das sieht dann im Kontrast mit einem „ok“ schwarzen Teil sehr komisch aus. Denke es kommt daher, dass LEGO nun die Farben selber mischt und nicht mehr vorgefärbte Kunststoffpellets einkauft sondern transparente.
    Mein Tipp: bombardiert den Kundenservice mit solchen Reklamationen, weil diese auch an die Qualitätsabteilung weitergeleitet werden und ihr ggf. kostenlose Ersatzteile geliefert bekommt.

  3. Danke für das ausführliche Review. Da es im Text erwähnt wurde, wie und wo kann man denn einzelne LEGO Teile verchromen lassen? Hätte da etliche Sachen im Sinn. Weiß jemand was? Dankeschön

  4. @holden1408, ich kenne solche Chromteile hauptsächlich als Felgen für den 42043 Mercedes Arocs oder den 8258 Truck mit Power-Schwenkkran und die gibt’s auch von privaten Verkäufern auf ebay Kleinanzeigen oder willhaben. Ich glaube, ich habe auch einmal einen Truck von Xingbao gesehen, der hatte eine verchromte Front und verchromte Spiegel.

  5. Ein gruseliges Abbild von der Original Fat Boy. Eine viel zu gedrungene und insgesamt zu hölzerne Optik.
    Sie auf mich eher wie eine Yamaha Virago 1100.
    Diese war schon damals im Original eine hässliche Witznummer und der schlimmste Versuch eine Harley zu imitieren. Nur eine Sissy Bar hätte man noch dranpacken müssen….

  6. Ich kann mich nicht mehr zurückhalten, an all die Design-Nörgler mal zu schreiben:
    Das ist LEGO. Bitte, macht es doch selber besser! Auch beim Jeep wird so oft rumgemäkelt, dass dies und jenes nicht ganz passt….. menno, worüber reden wir denn hier? Über Lego oder über Revell????
    Wem die Modelle nicht gut genug designt sind, möge sich Bitteschön einen Plastik- Klebebausatz von Revell oder sonstiges kaufen, da passt alles -vermutlich- zu 100%.
    Ich kann den Designern nur meinen größten Respekt zollen.
    Und ja, die Farbunterschiede moniere ich schon seit Jahren, hab dazu auch schon Lego angeschrieben. Die Antwort war ernüchternd.

    • Es geht mir bei meiner Kritik auch nicht darum, dass ich mir allerfeinste Details und absolute Detailtreue wünsche.
      Wer das will, muss – wie Du schon schreibst – zu Spritzlingen greifen.
      Natürlich ist im Rahmen von Steckbausteinen nicht alles so exakt möglich, es sei denn, man erschafft wie bei Cobi immer mehr Spezialteile, was ich persönlich nicht für wünschenswert halte.
      Zumindest aber sollte die Grundform bzw. die Linie des Originals zu erkennen sein, und das ist m.M. nach hier nicht gegeben.
      Schau Dir mal das Legomodell in der Seitenansicht an – nicht das Bild auf dem Kartondeckel.
      Die Fat Boy ist zwar kein extrem gereckter Chopper, aber so ein „Klumpen“ geht gar nicht.

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