Vor einigen Wochen machte ein LEGO Ideas Vorschlag wieder deutlich, wie sehr sich so manch ein AFOL doch mal wieder ein Piratenset wünscht – The Pirate Bay schlug ein wie eine Bombe und erreichte in fast rekordverdächtiger Zeit die Hürde von 10.000 Stimmen. Vielleicht klappt es im 30-jährigem Jubiläumsjahr doch noch, dass die Piratenserie zumindest mit einem kleinen Sonderset gewürdigt wird – auch wenn meine Hoffnung in der Hinsicht Richtung Null geht. Solange bleibt nur der Blick zurück und der geht heute noch einmal in das Jahr 1993 – aus welchem ich euch bereits den Renegade Runner (6268) vorgestellt habe. Heute soll es sich um das große (viel größere) Schwesterschiff Skull’s Eye Schooner (6286) drehen.

Die Verpackung

Starten wir wie immer mit der Pappschachtel mit derer die kleinen Plastikfreunde geschützt wurden. Sie ist wie bei allen Piratensets ab 1992 im klassischen Violett gehalten und hat die Ausmaße von 59 cm in der Breite, 45 cm in der Höhe und 8 cm in der Tiefe.Sobald der Frontdeckel aufgeklappt wird, kommen mehrere kleine Folienfenster zum Vorschein, die den ersten Blick in das Innere des Kartons ermöglichen. Im mittigen großen Fenster sind einige der kleinen Piratenfiguren schön präsentiert. Passende zusätzliche Illustrationen verleihen noch den Look einer alten Seekarte.
Im Klappdeckel selbst werden die einzelnen Spielfunktionen nummeriert im Detail dargestellt – doch dazu später mehr.
Ist der obere Deckel des Kartons entfernt, offenbart sich das schurkische Innenleben und man bekommt einen Blick auf wunderbare Einzelheiten. Darin und dabei enthalten ist ein großes Plastik-Inlay plus die kleine Einlage für die angesprochenen Figuren. Bei einigen zum Verkauf angebotenen Sets ist zwar noch die große Einlage vorhanden, aber in der Regel fehlt dann die kleinere, welche für den gemeinen Jäger & Sammler aber doch entscheidend und dementsprechend rar ist.
Die Rückseite der Verpackung zeigt dagegen wieder ein paar alternative Bauideen, zu denen es aber wie immer keine extra Anleitung gibt.
Auf meinem Karton befindet sich zufälliger Weise auch noch ein originales Preisetikett, welches die stolze Summe von 236,85 DM zeigt. Somit hat das knapp mit 900 Teilen starke Set einen Einzelteilepreis von ca. 26 Pfennig gehabt. LEGO war noch nie wirklich preiswert, wobei natürlich der Verkaufspreis damals auch schon stark schwankte und ich auch Preise von unter 200 DM für das Set kenne.

Die Bauanleitung

Neben den bunten Plastiksteinchen gibt es selbstverständlich aber auch die gedruckte Bauanleitung für den Skull’s Eye Schooner. Zusätzlich sind sowohl eine kleine Werbebroschüre, ein klassisches Serviceheft zur Bestellung von Einzelteilen als auch ein ca. DIN A2 großes Plakat enthalten.
Eine kleine Überraschung beim nur insgesamt 36 Seiten dünnem Anleitungsheft ist für mich, dass es damals klebegebunden wurde und keine Rückstichheftung erhielt. Der Nachteil dabei ist, dass die Seiten beim Blättern leicht geknickt werden müssen, damit sie nicht so wellig liegen, wie in meinen folgenden Bildern.
Dem Zusammenstecken der großen Rumpfteile im dritten Bauabschnitt folgt im Vierten  bereits eine kleine Funktion – da bei diesem Set das Heckruder tatsächlich vom Steuerrad (Schritt 22) aus bewegt werden kann.
Nach insgesamt 31 Bauschritten ist das Schiff bereit, um in See zu stechen und die Rotröcke dieser Welt auszurauben.

Die Minifiguren & Zubehör

Zum Erbeuten der Schätze braucht es natürlich auch eine Mannschaft, die mit neun bis an die Zähne bewaffneten Piraten vertreten ist, nebst Papagei, Affen, Hai und einer Galionsfigur.

Die besondere Figur in diesem Set ist dabei der mittlere Pirat mit der hellbraunen Weste. Dieser Torso kam nur noch im 1992 erschienenen Imperial Trading Post (6277) vor. Die restlichen Piraten (und auch die Piratendame) kennt man bereits aus diversen anderen Sets. Die Torsos sind wie üblich nur von vorn bedruckt. Wendegesichter gab es ebenfalls keine, so dass ein schlichter Anblick der Front genügt.
Ergänzend zur Piratenbande schnappt der klassische Hai, in dark-gray gehalten, so manchen Seefahrer. Das obligatorische Äffchen, als tierischer Begleiter der Crew, ergattert sicher flink ein paar Klunker und treibt so manchen Schabernack an Bord. Der blanke weiße Torso und der schwarze Kopf der Galionsfigur wurden in den Rittersets für den im Dunkeln leuchtenden Geist genutzt.
Für die Landgänge gibt es ein braunes Ruderboot. Die merkwürdigen schwarzen Schläuche haben später noch eine Bedeutung.

Das Piratenschiff

Kommen wir aber nun endlich zum Hauptteil dieses kleinen Reviews – das dreimastige Skull’s Eye Schooner Piratenschiff – das bis dahin größte erschienene Piratenset bei LEGO. Es misst die ungefähren Maße von 63 cm in der Länge, 23 cm in der Breite und 49 cm in der Höhe.
Am Bug befindet sich die bereits erwähnte Galionsfigur. Gleich dahinter lässt sich schon der Anker erkennen, welcher per Drehkreuz sogar auf und ab bewegt werden konnte.
Für eine bessere Führung des Seils am Anker hätte man dieses auch in den dafür vorgesehen Haken legen können, aber der Erbauer und Fotograf hat wohl hier ein wenig geschlampt. Aber dafür sind noch zwei Gewehre als erste Verteidigungslinie zu erkennen.
Seitlich befinden sich hinter der Takelage auch diverse Rundbögen, die als Designelemente immer wieder zum Einsatz kommen. Die großen Schiffsrumpfteile am Bug und am Heck sind übrigens einmalig für dieses Set. Es sei jedoch angemerkt: Boat does not float!
Ebenfalls am Bug sind noch zwei Kammern untergebracht, in denen man zum Beispiel Vorräte oder auch Schätze lagern kann. Mit Hilfe von Scharnieren lassen sich die Klappen öffnen.
Was darf bei einem Piratenschiff auf keinen Fall fehlen?! Kanonen! Richtig! Insgesamt vier Kanonen lassen sich entweder auf Backbord oder Steuerbord ausrichten, indem man diese hin und her schieben kann. Zu jeder Kanone gibt es jeweils sechs Kugeln, denn wie in Europa üblich, kann durch den eingebauten Federmechanismus die jeweilige Kanone zum Abschuss gebracht werden. Aber auch hier gilt wie immer – Achtung! Höchste Lebensgefahr! Zum Verschließen der Luken sind in diesem Set grüne Fähnchen verwendet worden, welche hier erstmalig in dieser Farbe in Erscheinung getreten sind.
Auf 1×4 bzw. 1×8 Fliesen können die Kanonen hin und her gleiten und Dank großer Drehteller gedreht werden.
Gleich hinter den Kanonen befinden sich noch zwei schöne alte Haustüren, die in die Kapitänskajüte führen. Leider gab es sie nur in der einen Ausrichtung.
Doch bevor es zur Kajüte und dem Steuerrad geht, noch ein kurzer Schwenk in die Höhe. Klettert der Pirat am ersten Masten die Takelage hinauf, so erreicht er eine Seilwinde mit einer Kurbel. Damit ist das Heben und Senken der Schatztruhe auch in der Piratenwelt endlich erleichtert worden – so gab es diese Funktion zum Beispiel auch schon 1984 in King’s Castle (6080).
Zurück zum Boden und der Steuerzentrale des Schiffs. Für die Navigation benötigt es natürlich einen geeigneten Kompass und der verbaute ist sogar mit vollwertiger Funktion – der gleiche Kompass, den auch schon das Imperial Flagship (6271) enthalten hat. Direkt dahinter ist das große Steuerrad, was auf den ersten Blick etwas seltsam aussieht, da es im Boden eingelassen ist. Wie in der Bauanleitung bereits oben gesehen, befindet sich am unteren Ende eine Verlängerung die zum Ruder führt – damit kann zumindest eine kleine Lenkung simuliert werden. Dazu gibt es noch einen kleinen Stauraum (in Form eines grauen Briefkastens) mit Becher und Pistole.
Weitere Waffen sind zusätzlich an Griffen befestigt. Davon kann man als Pirat natürlich nie genug haben. Auffällig am Heck sind die zwei blauen Laternen, die einen interessanten Farbtupfer zum Rest des Schiffes geben. Leider sind die eigentlichen Palmenelemente in dieser Kolorierung recht selten und ebenso fragil befestigt, so dass sie gerne mal verloren gehen können.
Zum besseren Bespielen lassen sich die Seitenwände öffnen, und man kann in die doch sehr spärlich ausgestattete Kapitänskajüte blicken. Das Highlight darin – ein blauer Tisch, passend zu den Laternen. Ebenso lässt sich das „Dach“ abnehmen und auch die Designelemente der Rundbögen vom Bug werden hier fortgeführt.
Gut erkennbar die graue Plattenkonstruktion für die Bewegung des Heckruders.
Zur Kapitänskajüte gehört außerdem auch ein kleines Fenster mit gelben Fensterläden. Gleich darüber ist ein weiterer besonderer Stein – ein 4×3 großes Wandpaneel bedruckt mit einem Totenkopf – dem Skull. Dieses Element gab es nur in diesem Set.
Im nächsten Bild sehen wir auch, warum das Ruderboot solch‘ komische Schläuche hat – sie dienen als Halterung und können an den Haken am Heck eingehangen werden. Zwar weiß ich nicht, wie der Pirat das Boot ablassen bzw erreichen soll, vermutlich mit spektakulärer Klettereinlage durch das kleine Fenster, aber zumindest gibt es einen sicheren Aufbewahrungsort.
Was gehört eigentlich noch zu einem Segelschiff? Na klar – ein paar Segel! Insgesamt sechs Stück liegen dem Set bei, welche bis auf die Dreieckssegel nur einseitig bedruckt sind. Dafür sind auch die vier großen Segel in dieser Ausführung einmalig für dieses Set und besonders sticht natürlich der große Totenkopf hervor.
Damit man auch weiß, von wem die Segel sind, prangt das LEGO Logo in der Ecke. Ich habe schon einige Sets gesehen, welche mit nachgemachten Segel verkauft wurden, so hat der Sammler zumindest einen kleinen Anhaltspunkt für die Echtheit der Segel.
Ein kleiner Tipp noch von mir, da die Segel nach einiger Zeit doch etwas schlaff herab hängen, einfach die Segel mit der unbedruckten Seite nach oben vorsichtig bügeln, ich besprühe diese vorher sogar noch etwas mit Wasserdampf aus dem Bügeleisen. Man kann zur Sicherheit auch ein Küchenhandtuch dazwischen legen. Danach sind diese wieder schön fest. Leider nagt aber auch hin und wieder der Zahn der Zeit an dem alten Plastik, so dass mir bei der Vorbereitung auf das Review und dem Entfernen der Segel leider eine Halterung abgebrochen ist. Irgendwas ist ja immer …

Mein Fazit

Am Ende stellt sich in der Regel nur eine Glaubensfrage – nicht ob das Schiff gut ist, sondern welches ist besser?! Die Black Seas Barracuda (6285) von 1989 oder der Skull’s Eye Schooner?!

Ich persönlich kann diese Frage schwer beantworten, denn beide Sets haben ihre Vorteile. Was mir an dem Skull’s Eye Schooner besser gefällt, sind sowohl die schwarz/weißen Segel mit dem großen Totenkopf als auch die Tatsache, dass das Schiff insgesamt noch einmal größer, imposanter und auch gefährlicher wirkt. Auch wenn die Kanonenanzahl insgesamt die gleiche ist, so sind die vier Luken pro Seite ebenso beeindruckender. Was aber zum Beispiel nicht zu meinen persönlichen Highlights zählt, ist der Farbenmix aus grau, rot und grün. Dort wiederum schlägt sich die Black Seas Barracuda besser – auch gefällt mir der alte gelbe Karton im Design besser, als das Violett – aber das ist und bleibt alles eine Geschmacksfrage.

Die 6286 ist für Kinder jedenfalls ein riesig wirkendes Schiff, welches einiges an Spielfunktionen bietet und in jedem Kinderzimmer zu einem der Highlights zählen würde bzw. gezählt hat.

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11 Kommentare

  1. Ein tolles Review und man sieht, daß die Leute davon begeistert sind und sich soetwas doch noch immer wünschen. – Danke

  2. Tolles Set! Habe ich mir vor ein paar Jahren sehr günstig in der Bucht gekauft (Inkl. Versand 90€). Der Karton war natürlich nicht dabei, was ich nicht so tragisch finde. Was mir allerdings dann später aufgefallen ist, ist das eben jene Minifigur mit der braunen Weste nicht mit dabei gewesen ist. Nichtsdestotrotz, bei dem Preis und Glück es so günstig zu bekommen, kann ich nicht meckern und sehe gerne darüber hinweg.

    Ob ich die 6285 oder die 6286 lieber habe/sehe, weiß ich nicht. Was mich mittlerweile ein wenig stört (vorher aber nie gestört hat) ist der rießige Totenkopf auf dem Segel.

  3. Ein wunderschönes Set. Sollte Lego mal wieder auf die Idee kommen und ein Piratenschiff oder eine Fregatte rauszubringen würde ich mir das Set sofort holen.

  4. Ein wirklich schönes Set, wobei mir die Festungen schon immer besser gefallen haben als die Schiffe. Allem voran die beiden Sets 6276 und 6277 – einfach nur der absolute Wahnsinn. Allerdings muss schon auch angemerkt sein, dass die Sets von damals weit weniger detaillverliebt waren als es die heutigen Sets sind. Dafür gab es damals noch die großartigen 3D Platten. Ich konnte in den letzten Jahren glücklicherweise einige Sets der Piraten/Rotröcke/Blauröcke relativ günstig neu und original verpackt erwerben und zwar folgende: 6270, 6279, 6263, 6266 und 6276 🙂

  5. Danke für den Bericht. Steht bei mir noch im (jetzt wieder) Kinderzimmer.

    Frage : wofür waren die Ecken an den Bauanleitungen damals? .. Kann mich nicht dran erinnern, dass da Punkte drauf waren und ich sie immer abgeschnitten und gesammelt habe.

  6. 236 DM war schon ein stolzer Preis, da soll man heute mal nicht klagen wie teuer Lego doch sei – die haben sich ziemlich auf dem Niveau gehalen.
    Ein Grund warum ich damals die Großschiffe nie bekommen konnte, des gab …soweit ich mich erinnern kann damals die Regel das 100 DM für Weihnachten/Geburstag in Ordnung seien – und das grenzte so manche Wünsche doch stark ein und die Großschiffe und Eisenbahnen fielen somit komplett weg.

    Aber bis heute weiß ich noch, es gab mal ein Schiff mit der extrem coolen Funktion die Kanonen von einer Seite zur anderen schieben und drehen zu können, nur das allein blieb als die beste Funktion aller Zeiten bei den Piratenschiffen in Gedächnis aber ich wusste nicht meht bei welchem Schiff das war, nun weiß ich es wieder und bin innerlich total aus dem Häuschen, wie damals als 12 jähriger Bub der das zum ersten mal sah und sich das Schiff in sein Zimmer erträumte – allein mit der 6271 , dem Flagschiff der Rotröcke musste ich mich zu frieden geben und sicher …ich freute mich über den Kompas aber es war immer nur ein schnöder Kompromis …….irgendwie , der Traum waren immer die großen Piratenschiffe :/

    Und so wie ich als kleiner Bub auf die Piratenschiffe dieser Zeit schaute, schaue ich heute wehmütig auf die 10210 – alles unerschwinglich.

  7. Wie immer mit echter Hingabe und Begeisterung geschrieben (von Daniel) und gelesen (von mir) tolles Review weiter so. Liebe Grüße

  8. Tolles review! Danke. Eins meiner Lieblingssets von damals. Sehr gut gealtert. Habe das Set noch komplett auf dem Schrank stehen. Der Karton mit beiden Einlegern weißt bei mir den Preis 199 DM aus. Bei Real-Kauf seinerzeit. Ich fand den Aufbau als Kind recht kompliziert, wohl aufgrund der knackig gehaltenen Anleitung. Ich glaube das war damals eher so gehalten. Diese Tanke mit Parkhaus z.b hat nur 16 Schritte. Nicht so wie heute…. Für damalige Verhältnisse war das Set gefühlt gigantisch groß. Bitte mehr classic reviews!!

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