Eine kleine Warnung vorab: Alle Leserinnen und Leser, die ein Problem damit haben, dass alte, versiegelte Sets tatsächlich noch geöffnet und gebaut werden, sollten ab hier besser nicht mehr weiterlesen. Allen Anderen wünsche ich viel Spaß beim Lesen.

Passend zum „Imperial Flagship“ (6271) erschien 1992 auch der „Imperial Trading Post“ mit der Set-Nummer 6277, welches zugleich auch das größte Set in diesem Jahr war. Der „Historische Freihafen“, wie er im Deutschen genannt wird, kam mit stolzen 575 Teilen auf den Markt und soll uns in den nächsten Minuten in diesem Review beschäftigen.

Die Verpackung

Die violette Box kommt in den Maßen 54,5 cm in der Breite, 35 cm in der Höhe und 8 cm in der Tiefe daher. Natürlich ziert auch hier das neue SYSTEM Logo die Verpackung.

Meine Verpackung weist noch ein Preisetikett auf – für 89 DM im „Sonderpreis“ konnte das Set damals erworben werden, somit ergab sich ein Teilepreis von ca. 15,4 Pfennig.Nun öffnen wir aber die obligatorische Klappe und werfen einen ersten Blick durch die zwei großen Fenster ins Innere des Kartons. Die Rückseite zeigt wieder die typischen kreativen Bauideen, zu denen es keine Bauanleitungen gibt.Der verschlossene Karton wird auf jeder Seite mit je einem Klebestreifen versiegelt – einen davon habe ich mit einer kleinen Andacht durchgeschnitten, um den Karton nach über 25 Jahren öffnen zu können.

Der Inhalt

Enthalten ist natürlich die typische, von mir sehr geliebte, Plastikeinlage für diverse Einzelteile und Figuren. Geschützt ist diese durch eine Folie. Wie man sieht, kann dennoch mal etwas verrutschen und die Hose wandert mal eben vor das Gesicht des Soldaten, oder will er sich nur verstecken, dass man ihn nicht auspackt?!

lego 6277 imperial trading post piraten freihafenAls Basis für den Freihafen dienen zwei große Grundplatten. Beide haben die typische 32er Noppenbreite. Das Highlight ist hierbei sicherlich die 3D Platte – mit Wasserandeutungen, sowie grauen Felsen – natürlich ist alles bedruckt! Die 3D-Platte gab es in dieser Farbkombination nur noch beim „Eldorado Fortress“ (6276) von 1989. Bei den Rittersets zum Beispiel gab es diese Platte mit grünen Felsen, anstatt der Grauen.

Das Set umfasst insgesamt neun klassisch gelochte, unnummerierte Tüten mit Steinen, sowie eine Tüte mit den Segeln und Seilen, und ein Ruderboot und Schiffsmast, welche lose reingelegt sind.

Ich bin noch heute Fan dieser alten Tüten, die sich haptisch schon deutlich besser anfühlen, als die modernen, lauten Knistertüten. In dieser Tüte erkennt man, dass die Figuren damals schon die Köpfe auf dem Torso hatten. Diese mussten aber zum Teil wieder abgenommen werden, um dann die Epauletten oder Rucksäcke zu montieren.

Insgesamt elf, teils bedruckte, Wandelemente und 14 dieser wunderschönen gelben Rundbögen sind im Set enthalten. Allein diese Tüte ist so grandios befüllt.

Diverse Platten in verschiedenen Größen dürfen natürlich auch nicht fehlen.

lego 6277 imperial trading post piraten freihafenDie einzige Tüte ohne Löcher enthält die Segel für die zwei Boote, sowie drei einzeln beigelegte Seile und eine Gitterplatte.

lego 6277 imperial trading post piraten freihafenAuch in diesem Set darf natürlich das klassische Ruderboot nicht fehlen – auch wenn es in diesem Set gar keine Ruder hat, sondern nur ein Segel.

lego 6277 imperial trading post piraten freihafenNochmal alle Tüten im Überblick.

lego 6277 imperial trading post piraten freihafenAm Ende bleibt ein leerer Karton mit einem rosafarbenen extra Karton sowie dem „V-Einleger“ der einfach nur dafür dient, dass der rosa Karton nicht hin und her rutschen kann.

lego 6277 imperial trading post piraten freihafen

Die Bauanleitung

Selbstverständlich liegt dem Set auch eine Bauanleitung bei, welche satte 32 Seiten umfasst. Für damalige Verhältnisse schon fast ein fetter Wälzer! Ebenso ein kleines Werbeheft mit den aktuellen Sets des Jahres 1992 und ein Service-Heftchen für die Einzelteil-Bestellungen, welche damals aus Hohenweststedt kamen.

lego 6277 imperial trading post piraten freihafenDie Bauanleitung ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Zuerst steckt man wie gewöhnlich die Minifiguren zusammen, danach kommt erst das kleine Segelboot, dann das größere Schiff, anschließend der Hauptteil des Hafens auf der 3D-Grundplatte und zu guter Letzt die Pieranlage.

lego 6277 imperial trading post piraten freihafenWie man auch hier wieder gut erkennen kann, gibt es keine Teilevorgaben bei den einzelnen Bauschritten, sondern man muss selbst genau schauen, welche Teile nun gebraucht werden – immer wieder erstaunlich, dass so etwas mal funktioniert hat und heute fast undenkbar ist.

lego 6277 imperial trading post piraten freihafen lego 6277 imperial trading post piraten freihafenDie Rückseite der Anleitung zeigt dann das fertige Modell, und was neu ist, die Einführung einer „Marke“ in der Ecke, die die Teileanzahl, die Set-Nummer und das Erscheinungsjahr zeigt.

Die Minifiguren

Das Set umfasst insgesamt neun Minifiguren. Darunter fünf stramme Piraten, wobei die Figur ganz links mit seinem besonderen Torso dabei hervor sticht und erstmals in diesem Set erschien. Nur 1993 im „Skulls Eye Schooner“ (6286) kam dieses Oberteil noch einmal vor, was diese Figur auch recht selten und teuer macht, da sie nur in diesen zwei Großsets vorkam.

Die Rotröcke dürfen natürlich nicht fehlen, schließlich ist es ja ihr Freihafen, obwohl das Gleichgewicht der Figuren aus Piraten und Rotrock-Soldaten hier doch etwas seltsam ist. Auch hier ist mit dem Admiral ein seltener Torso plus Kopfdruck enthalten, welcher nur noch im bereits erwähnten „Imperial Flagship“ (6271) vorkam. Die weiteren Figuren sind die freundlichen Standard-Kollegen.

Der Aufbau

Nachdem man die Figuren zusammengesteckt hat, kommt nun das erste Segelboot, welches aus wenigen Teilen schnell entstanden ist – und auch nichts großartig Neues darstellt. Das Segel ist beidseitig bedruckt und aus Stoff. Der Mast lässt sich in alle Richtungen drehen, da er auf einem kleinen 2×2 Drehteller gelagert ist.

Weiter geht es dann mit einem zweiten Segelschiff – der kleine Star des Sets. Eine Miniaturausgabe eines großen Segelschiffs und es hat alles an Bord, was man so braucht. Von einem Heckruder, Laterne, Reling, Bewaffnung, Schatztruhe sowie zwei kleinen angedeuteten Kanonen. Das bedruckte Hauptsegel ist natürlich nur für dieses Schiff hergestellt worden und einmalig. Das Schiff ist immerhin 28 cm lang und 23 cm hoch.

Wie schon erwähnt, wird dann zuerst die 3D-Grundplatte bebaut und anschließend die einfache Grundplatte mit der Pieranlage. Hat man beides geschafft, verbindet man diese noch mit zwei 2×2 Plättchen und dekoriert die Schiffe dazu – und voilà – fertig ist unser Imperial Trading Post. Dieser besitzt die stattlichen Maße von 54 cm in der Breite, 27 cm in der Tiefe und 26 cm in der Höhe.

Dann schauen wir jetzt einmal auf die Details. Der Hafen besitzt insgesamt zwei Kräne. Schließlich müssen ja auch die Schiffe be- und entladen werden. Passende Waren werden auch mit dazu geliefert. Es gibt einen einfachen Kran, wo das Seil manuell hoch und runter gezogen werden muss. Mit Hilfe eines Scharniergelenks, lässt sich Kranarm aber noch zusätzlich auf und ab bewegen.

Das darunter liegende Dach lässt sich öffnen, so dass man die Ware auch dort ablegen bzw. entgegen nehmen kann.

Der zweite Kran hat dagegen eine Seilwinde und befindet sich am höchsten Punkt des Freihafens, ansonsten ist der Aufbau ähnlich.

lego 6277 imperial trading post piraten freihafenDirekt darunter ist ein kleiner Raum für den Admiral, wo er seinen Alkohol in Ruhe zu sich nehmen kann. Etwas karg ausgestattet, aber Hauptsache der Kelch ist da. Die Räumlichkeiten, sowie der Kran darüber können mit Hilfe der Leitern erreicht werden.lego 6277 imperial trading post piraten freihafenWie es sich für einen alten Hafen gehört, dürfen Kanonen zur Verteidigung nicht fehlen – insgesamt drei Stück sind über die gesamte Anlage verteilt. Alle besitzen die typische Rückstoß-Funktion zum Abfeuern der kleinen schwarzen Kanonenkugeln – nur in den USA durften die Kinder ihre Freunde nicht beschießen.

Einmal nicht aufgepasst, und schon hat sich ein Pirat eingeschlichen. Hinter den braunen Toren würde er aber sicher nicht viel finden …

… denn die Räumlichkeiten sind leer.

Aber unter dem Gitter, welches man anheben kann und eine Kammer zum Vorschein kommt, stehen zwei Güter parat – vielleicht ist das ja das passende Diebesgut für ihn.

Hier und da stehen auch ein paar Fässer herum und über eine Treppe oder kleine Leiter erreicht man das Pier.

Die kleine Brücke lässt sich auch manuell hochklappen, so dass Schiffe ein- und ausfahren können.

Die Rückseite ist natürlich auch mit einer Kanone beschützt. Das einzige Grün im Hafen ist eine klassische Palme.

Die Rückseite noch einmal in voller Pracht und Breite.

Am Pier sieht man dann, wo die meisten der schönen Rundbögen zum Einsatz kommen. Ich kann es nicht oft genug sagen, wie toll ich diese Elemente finde.

Ein weiterer Wachturm …

… welcher ebenso durch Leitern erklommen werden kann. Ein Innenleben sucht man aber auch hier vergeblich.

Ein letzter Blick noch einmal aus der Möwenperspektive, bevor es nun langsam dem Ende entgegen geht.

Auch 1992 gab es schon Ersatzteile in den Sets. Die Feder für den Admiral habe ich nicht entnommen, sondern belasse ich so im Original-Ring.

Mein Fazit

Es ist nicht mein erstes MISB-Classic-Set, welches ich geöffnet und gebaut habe, aber das ist sicherlich das Set, welches den höchsten Marktwert hatte. Aber ob diese Markt(Mond-)preise überhaupt jemand bezahlt?! Mir persönlich ist das egal, denn ich sammle die Sets, um sie zu bauen – vom Lagern im Schrank habe ich nichts. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, dieses Erlebnis wieder zu haben, als sei man erneut Kind und packt sein Weihnachtsgeschenk aus und baut es zusammen! Der Freihafen ist ein gesuchter Klassiker und für mich natürlich jetzt im perfekten, nicht vergilbten und unbespielten Zustand – aber zum Spielen eignet sich dieses Set sehr. Viele Figuren, viele Möglichkeiten zum Einsetzen, dazu Schiffe und Kanonen – was will man / Kind mehr?! Sicherlich hätte ein heutiges ähnliches Set durchaus mehr Details bei viel mehr Steinen – wie zum Beispiel der überragende Ninjago City Hafen (70657) – aber Klassiker bleibt Klassiker!

Es wird nicht das letzte Set sein, welches ich für euch öffnen werde, einiges habe ich noch bei mir zu liegen, was nur darauf wartet, gebaut zu werden! Ich hoffe, ihr hattet wieder Spaß beim Lesen und vielleicht überrasche ich ja beim nächsten Mal mit einem „Castle“-Set, bevor es weiter in der Piratenwelt geht.

18 KOMMENTARE

  1. Sehr schönes Review! Bekommt man direkt Lust auf die alten Sets, mit denen ich als Kind gespielt habe.
    Auspacken finde ich persönlich total in Ordnung. Hab auch schon teure alte Sets gekauft und die dann aufgebaut. Bleibt einem ja zum Glück selber überlassen.
    Freue mich auf mehr solcher reviews!

  2. Thanks for the review, it brings back old memories, as I am laying above the LEGO catalogue, as a 7 years old boy and marking every lego set that I want – but could never get.
    (Back then this set cost half of my 2 parents monthly salary.)

    Still it was good to see an unboxing review and notifying that it still makes my heart beat. I will build something similar for my son sometime.

  3. Schönes Review, zum Thema alte MISB Sets öffnen, dafür sind sie da. Und das ist halt der Markt für Reseller, wo man als normaler Lego-Fan froh sein muss, das es diese Leute gibt, die originalverpackt lagern. Hab auch schon diverse EOL Sets gekauft und diese dann geöffnet. Zuletzt den Horizon Express. Gut, nicht so alt, aber auch schon länger nicht mehr erhältlich 🙂

  4. Sehr sehr gut geschrieben mal wieder. Es ist so schön beim lesen zu spüren, wie sehr du Lego achtest und magst. Tolle Schriftsprache und interessante Details. Macht sehr große Freude diese alten Sets zu sehen und so wundervoll präsentiert zu bekommen! Note 1 würde ich mal sagen! Grüße und weiter so!!!!

  5. Vielen Dank fürs Vorstellen! Ich hätte da auch das ein oder andere Classic Set im Sinn, dass ich direkt auspacken würde, wenn ich es in die Finger bekäme. Aber meine Klassiker sind schon seit 35 Jahren ausgepackt… 🙂 Müsste sie mal wieder aufbauen.

    • Also aktuell ist mir kein Set bekannt. Es gab vor mal eine kleinere Variante beim 6241er Piratenset aus 2009. Größere 3D-Platten gab es davor mal noch bei einem Krankenhaus, ich glaube aus 2006 und bei einem Tempelset aus 2007 oder 2008.

  6. Bedruckte Steine, Segel, zwei Grundplatten und dann 7,5 Cent pro Teil. Inflationsbereinigt ergäbe das ca. 11,7 Cent heute. Das zeigt, was heute möglich wäre.
    Und nebenbei ist das schon eine coole Aktion ein MISB Set bewusst zu „zerstören“.

    • Das wären nach Ihrer Rechnung um die 67 Euro für das Set heute zum Sonderpreis – das für 575 Teil, das Set würde von vielen zerrissen werden – viel zu Teuer ……
      Und ja mir gefällst , da Set.

      • Wenn man die beiden Grundplatten abzieht (Eine davon in Form einer Insel, wie abgefahren ist das denn?) und berücksichtigt, daß mehrere der relativ großen „Burgmauern“ drin sind, ist der Teilepreis nicht mehr ganz so heftig.

  7. Super Review. Macht Lust auf mehr.
    Bin aber eher im classic space-Sektor unterwegs.

    ABER: ich liebe und vermisse solche Anleitungen. Leider schafft es die breite Masse nicht mehr so etwas aufzubauen. Und da muss der Hersteller sich leider beugen wenn er Masse verkaufen möchte :'(

    Wenigstens bei Modulars und allem was mit 14+ deklariert ist,wäre es wünschenswert den Bauspass und den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen

  8. Bin ich der einzige, der ob dieser gelben ‚Dachschräge‘-Teile baff ist?

    Die habe ich so tatsächlich noch nie wahrgenommen – weder als Kind (gab es da evtl. noch nicht), noch jetzt als Erwachsener (sind mir bei Bricklink und Co. noch nicht über den Weg gelaufen und ich habe sie auch sonst noch nie gesehen).

    Ansonsten finde ich das Set toll und die Review sehr gelungen. Und ob man so einen ‚guten Wein‘ aufmacht oder nicht, bleibt ja immer dem Besitzer überlassen. 😉

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