Die Geschichte der LEGO Videospiele

Vor 25 Jahren fasste LEGO erstmals Fuß in der Gamesbranche. Heute erwirtschaftet der Konzern Millionen. Eine kleine Rückschau auf die Erfolgsgeschichte.

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Wenn im nächsten Jahr mit „The Skywalker Saga“ das nächste LEGO Videospiel auf den Markt kommt, werden wohl erneut Scharen von Fans die Konsolen anschmeißen, sich durch liebevolle Level durchboxen, Puzzle lösen und Jagd auf versteckte Schätze machen. Die LEGO Spiele erfreuen sich nämlich seit Jahren großer Beliebtheit und das nicht ohne Grund: Wer kann sich schon ein Schmunzeln verkneifen, wenn LEGO die großen Lizenzthemen wie Star Wars, Superhelden, Harry Potter und Indiana Jones in gewohnter Slapstick-Manier durch den Kakao zieht? Jung und alt gleichermaßen kommen bei den Videospielen von LEGO immer wieder auf ihre Kosten.

Dass die LEGO Games dabei nicht immer die großen Verkaufsschlager waren, ist den wenigsten bekannt. Im Gegenteil, von der medialen Aufmerksamkeit, die den Spielen heute zuteil wird, war LEGO bei seinem Einstieg ins Videospielgeschäft Mitte der Neunziger weit entfernt. Was war überhaupt das erste je veröffentlichte LEGO Spiel? Wann begann die moderne Videospiel-Ära bei den Dänen? Wir laden euch in diesem Artikel auf eine Erkundungstour durch die Geschichte der LEGO Videospiele ein und werden euch die Entwicklung vom anfänglichen Pixel-Schrott zu Prestige-Titeln nachskizzieren.

Aller Anfang ist pixelig: „Fun to build“

LEGO Videospiele: "Fun to build"
(Screenshot: brickipedia.fandom.com)

Beginnen wollen wir unsere Reise in den 90er Jahren. Videospiele waren groß im Kommen und setzten Hersteller von klassischem, analogen Spielzeug damit mächtig unter Druck. Kinder interessierten sich verstärkt für die faszinierende, neue Technologie und spielten sich an Konsolen und Computern regelmäßig die Finger wund. LEGO wollte sich die neuen Absatzmöglichkeiten genauso wenig entgehen lassen wie andere Spielzeughersteller und so war es nicht verwunderlich, dass bald die ersten Games rund um die Klemmbausteine auf den Markt kommen sollten.

Den bescheidenen Anfang der LEGO Videospiel Historie markierte das 1995 veröffentlichte „Fun to build“. Da das Spiel lediglich in Japan für eine Konsole namens SEGA Pico vertrieben wurde, wird mit dem Titel hierzulande wohl kaum jemand etwas anfangen können. Die Pico war rein für erzieherische Zwecke entwickelt worden: Eine Art Kindergarten-Gameboy mit fünf bunten Knöpfen und einem Zeichenstift. Und so erfüllte auch „Fun to build“ keinen anderen Zweck als den pädagogischen.

In knallbunter Pixel-Grafik gehalten und mit enervierender 8-Bit-Musik untermalt bestand der Sinn des Spiels darin, Minispiele zu lösen. Die basierten auf vier damals wie heute populären LEGO Themenwelten: Town, Castle, Aquazone und Space. Und wer im Spiel genug davon hatte, Pizzen in der Stadt auszuliefern, Ritter vom bösen Zauberer zu befreien, Tiefseekristalle zu bergen oder nach Roboterteilen im Weltall zu suchen, konnte im „Free Build Modus“ LEGO-Steine platzieren und eigene Kreationen entwickeln.

1997-2000: Genre-Vielfalt pur

So richtig Fahrt nahm die Entwicklung von LEGO Videospielen aber erst zwei Jahre später auf. Knapp 2 Millionen US-Dollar investierte LEGO damals in die Games-Produktion. Die Arbeit trug mit dem ersten Resultat Früchte: „Abenteuer auf der LEGO-Insel“, ein 3D-Spiel, in dem man mit fünf verschiedenen Charakteren eine Insel erkunden und den Bewohnern bei diversen Missionen helfen konnte. Eine Story hatte das Spiel auch: Ein fieser Ganove namens der „Steinbrecher“ bedrohte das friedliche Zusammenleben und es lag am Spieler, ihn wieder einzubuchten.

In „Abenteuer auf der LEGO-Insel“ lassen sich schon früh Ansätze finden, die die Spiele der Dänen später so charmant machten: Der Slapstick-Humor, das Selbstironische und Abgedrehte. Wenn bei einem Autorennen eine gigantische LEGO-Pizza über die Fahrbahn rollt oder Haie einem regelmäßig den Weg versperren, ist das irgendwie ungewollt komisch. In Erinnerung wird das Spiel aber jedem bleiben, der eine Mission bei einem Mechaniker der Insel annimmt. Bei dieser brettert man nämlich in einem Auto mit vollem Tempo durch die Straßen, während aus dem Radio der wohl schlimmste LEGO-Ohrwurm seit „Everything is awesome“ dröhnt: Gestatten, „Brick by Brick“.

Nachdem „LEGO-Insel“ noch von einem externen Entwickler programmiert und vertrieben wurde, gründete LEGO nach dem unerwartet großen Erfolg (das Spiel verkaufte sich bis 1999 knapp eine Millionen mal in den USA) eine eigene Vertriebsfirma: LEGO Media. Deren erstes Spiel war die Zugsimulation „LOCO“. In der Folge arbeitete LEGO Media mit verschiedenen Entwicklerstudios zusammen, es folgten Titel wie „Chess“, „Creator“, „LEGOLAND“ und „Rock Raiders“. Mit „Racers“ veröffentlichte LEGO ein Spiel erstmals auch für andere Konsolen außer dem Windows-PC: Auf der Nintendo 64, der PlayStation und dem GameBoy Color konnten ebenfalls Rennen gefahren werden. Im Jahr 2000 erschienen dann die Spiele „Alpha Team“, „Stunt Rally“ sowie zwei Edutainment-Spiele für Kindergarten- und Vorschulkinder.

Klar, diese frühen LEGO Videospiele können mit heutigen Titeln nie und nimmer mithalten. Die klobige Grafik, die meist verwirrende Steuerung und die sehr simplen Spielziele lassen erkennen, dass LEGO beim Thema Games noch in den Kinderschuhen steckte. Dafür versprühen diese Titel heute einen gewissen Retro-Charme und für viele, die mit ihnen aufgewachsen sind, sind Spiele wie „LOCO“ und „Rock Raiders“ noch immer der Inbegriff der eigenen Kindheit. Und nicht zuletzt ist auch die Vielfalt an Genres überraschend: Von Strategie-, Renn-, Action- bis Rätselspiele war fast die gesamte Genre-Bandbreite abgedeckt. Eine Vielfalt, die man sich heute bei den Spielen von LEGO wünscht. Aber dazu später mehr.

2000-2003: Sequels und erste Lizenzspiele

Im Jahr 2000 folgte schließlich die Umbenennung von LEGO Media in „LEGO Software“. Das erste Spiel, das unter dem neuen Namen herausgebracht wurde, war „LEGO Creator Knights Kingdom“, in dem man im Baukastenprinzip seine eigene Ritterwelt bauen konnte. 2001 konzentrierte man sich auf Sequels: „LEGO-Insel 2: Der Steinbrecher kehrt zurück“ war ein Story-basiertes Action-Adventure, bei dem Protagonist und Pizzalieferant Pepper Roni mal wieder Jagd auf den Staatsfeind Nummer 1 der LEGO-Insel, den Steinbrecher, machte und dabei auch die Grenzen des heimischen Eilands verließ und Orte wie die Wüste und das Weltall erkundete. Mit „Lego Racers 2“ hingegen kehrte die Rennsimulation zurück auf die Bildschirme und hatte sogar einen Story-Modus im Gepäck.

2001 dann eine erneute Namensänderung: Aus Lego Software wurde „LEGO Interactive“. Es war auch das Jahr von LEGO BIONICLE und ein Spiel zum neuen Multimedia-Prestigeprojekt der Dänen durfte da nicht fehlen. Bemerkenswert war das Jahr auch deshalb, weil ein weiterer Baustein der späteren Videospiel-DNA von LEGO gesetzt wurde: Lizenzen. „Lego Creator: Harry Potter“ war das erste LEGO Videospiel überhaupt, das auf einem Lizenzthema basierte. Und bekanntlich sollte es nicht das letzte sein.

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Das erste LEGO-Lizenzspiel überhaupt: „Creator Harry Potter“. (Screenshot: gamerinfo.net)

Ein Jahr darauf wurde es sportlich: „Football Mania“ (oder für unsere amerikanischen Leser: „Soccer Mania“) war eine ulkige Fußballsimulation, in dem Teams wie Piraten, Piloten und Arktisforscher auf ebenso ausgefallenen Orten gegeneinander antraten. Einen Vergleich zur FIFA-Reihe wollen wir uns an dieser Stelle aber sparen. „Island Xtreme Stunts“ war der dritte Teil der „Insel“-Reihe und ließ den Spieler an Aktivitäten wie Skateboarden und Windsurfen teilhaben. Auf die Rennstrecke kehrte LEGO schließlich mit „Drome Racers“ zurück.

Wurden die Spiele Ende der Neunziger noch in einem Akkord auf den Markt gebracht, plätscherte es ab 2002 in Sachen Games dahin. Das einzige namhafte Spiel seither war ein weiterer BIONICLE-Titel aus 2003, in dem man wesentliche Ereignisse aus der BIONICLE-Geschichte und dem im selben Jahr veröffentlichten Film „Die Maske des Lichts“ nachspielen konnte.

2005: Die Geburtsstunde des modernen LEGO-Spiels

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(Foto: news.game.co.uk)

Ein überragender Meilenstein und Ausgangspunkt in der Entwicklung der modernen LEGO Videopiele war unbestritten das Jahr 2005. Denn da erschien mit „LEGO Star Wars: Das Videospiel“ das erste komplexere Games-Projekt der Dänen. Der Spieler konnte dabei die Prequel-Filme der Star-Wars-Saga in LEGO-Manier nachspielen.

Die Art und Weise, wie dies umgesetzt wurde, war für LEGO bahnbrechend und bildet bis heute die Blaupause für fast alle nachfolgenden Spiele des Klötzchenkonzerns. In einem sogenannten „Hub“, einer Art Zentrale, die hier das Dexter’s Dinner aus Episode II einnahm, konnten die Level der drei Prequel-Filme besucht werden. Jedes Level musste zuerst im Story-Modus mit festen Charakteren durchgespielt werden, bevor man im „Freien Modus“ an die bekannten Schauplätze mit frei gewählten Figuren zurückkehren und vorher unerreichbare Geheimnisse erkunden konnte. Je mehr man spielte, desto mehr Charaktere mit einzigartigen Fähigkeiten konnte man freischalten, die einem dann den Zugang zu versteckten Orten innerhalb der Level gewähren konnten.

Das Prinzip aus Kämpfen, Parcours, Lösen von Rätseln und Sammeln von 1×1-Plates (der Spiel-Währung) blieb bis heute erhalten. Die Spiele waren seither angereichert mit lauter Bonusmaterial und Zusatzinhalten und um ein Spiel auf volle 100% durchzuspielen, musste man die Level immer wieder aufs Neue durchkämmen, was sicher Wochen, wenn nicht gar Monate in Anspruch nehmen konnte.

„LEGO Star Wars“ war aber ebenso prägend, was den Erzählton der Spiele anging: Dank viel Humor und ordentlich Situationskomik auch in bitterernsten Szenen erlag man schnell dem Charme der Games. Bemerkenswert war auch, dass die LEGO-Spiele die Geschichte ohne ein einziges Wort erzählen konnten. Allein mittels Gegrummel, Genuschel und vielen Gesten wurde uns der Fall Anakins zur dunklen Seite geschildert.

Der überwältigende Erfolg von „LEGO Star Wars“ wäre dabei fast gar nicht zustande gekommen. 2003 begann man bei LEGO Interactive bereits mit der Entwicklung eines Star-Wars-Spiels, ein Jahr darauf zog sich LEGO aber aus dem Geschäft mit den Games zurück und schloss die Firma. Ein Glück haben sich ein paar ehemalige Mitarbeiter zum Publisher „Giant“ zusammengefunden, die sich die Rechte für LEGO Videospiele sicherten. Zusammen mit dem Entwicklerstudio Traveller’s Tales arbeitete man schließlich weiter an „LEGO Star Wars“. Die Zahlen sprachen am Ende für sich: 34 Millionen US-Dollar generierte allein die PS2-Version in den USA. Ein großer Triumph, in dessen Folge Giant und Traveller’s Tales zu TT Games fusionierten.

2006-2007: Der Beginn der Ära von TT Games

Ein solcher Geniestreich ließ die Forderungen nach einer Fortsetzung schnell lauter werden. Denn immerhin gab es ja noch drei Episoden, die in LEGO-Art umgesetzt werden könnten. Und so kam es auch: 2006 veröffentlichte TT Games schließlich „LEGO Star Wars II: Die klassische Trilogie“.

Bei der Entwicklung setzte man ganz auf das bewährte Erfolgskonzept des Vorgängers und nahm nur punktuelle Veränderungen am Spielprinzip vor. So wurden beispielsweise die im Rollercoaster-Modus gehaltenen Fahrzeug-Level aus dem ersten Teil gänzlich überarbeitet: Die bekannten Raumschiffe der Saga konnte man nun genauso frei umher düsen lassen wie die Charaktere in den normalen Leveln herum rannten. Ferner war das Bauen mit herumliegenden Steinen nicht mehr nur Jedi-Rittern überlassen, sondern allen Charakteren, auch an der Kameraperspektive wurde ein wenig geschraubt. Und nicht zuletzt bot das Spiel die Möglichkeit, seine ganz eigenen Figuren zu gestalten und sie die klassischen Filme erleben zu lassen. Ein Jedi mit Leias berühmten Sklaven-BH und Boba-Fett-Helm? Kein Problem in LEGO Star Wars II.

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(Foto: brickshow.com)

Im selben Jahr brachte das Studio ein weiteres BIONICLE-Spiel heraus: „Heroes“ ließ den Spieler in die Rolle der 2006 veröffentlichten Toa Inika schlüpfen. Der Third-Person-Shooter war zudem das erste LEGO-Game überhaupt mit einer Altersfreigabe von 12 Jahren. Kritiker und selbst eingefleischte Fans konnte es jedoch weniger überzeugen, auf bekannten Rezensionsportalen erhielt es eher maue Kritiken.

2007 entschloss sich TT Games schließlich, seine beiden Star-Wars-Verkaufsschlager in ein Spiel zu stecken. Mit „LEGO Star Wars: The Complete Saga“ konnten nun alle sechs Filme der Reihe nachgespielt werden. Von seinen Vorgängern unterschied es sich dabei kaum. Bei den Prequel-Filmen wurden ein paar neue Level hinzugefügt und alte überarbeitet, sonstige Neuerungen gab es fast ausschließlich im technischen Bereich.

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(Foto: microsoft.com)

Das Jahr war für TT Games aber auch deshalb bedeutend, weil das Unternehmen von Warner Bros. Interactive Entertainment übernommen wurde, was den Konzern damit zum offiziellen Publisher der LEGO Videospiele machte.

2008-2012: Bewährte Konzepte und kleine Experimente

Dem wohl berühmtesten Film-Archäologen der Welt war 2008 schließlich das nächste LEGO-Videospiel gewidmet: „LEGO Indiana Jones: Die legendären Abenteuer“ begleitet Indy auf seinen Abenteuern in den drei klassischen Filmen aus den 80er Jahren. Viel anders als die LEGO Star Wars-Titel fühlte sich das Spiel jedoch nicht an. Lediglich kleine Neuerungen bereicherten das Spiel: So konnten Charaktere nun Objekte aus ihrer Umwelt nehmen und durch die Gegend schmeißen, während andere Angst vor bestimmten Tieren hatten und gewisse Bereiche somit nicht passieren konnten.

Mit „LEGO Batman: Das Videospiel“ erzählte TT Games erstmals eine ganz eigene, originäre Geschichte, statt einen der vielen Filme rund um den dunklen Ritter zu adaptieren. Ein Massenausbruch aus dem Arkham Asylum erschüttert Gotham und es liegt an Batman, all die bekannten Schurken wie den Joker, Two-Face und Pinguin wieder einzufangen. In der Rolle von Batman und Robin prügelt man sich durch die Straßen der Stadt und kann dabei in verschiedene Anzüge schlüpfen, um Rätsel und Puzzle zu lösen. Der Hub war dabei noch nie größer gewesen: Nicht nur die riesige Bathöhle stand einem als Zentrale zur Verfügung, man konnte auch ins Arkham Asylum wechseln und die gesamte Geschichte aus Sicht der Schurken erleben.

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(Foto: humblebundle.com)

Das Jahr 2009 bricht dann schließlich mit den Konventionen: „LEGO Battles“, ein Strategie-Spiel sowie „LEGO Rock Band“ passten erstmals nicht in das bekannte Muster von TT Games. Während man in Ersterem Schlachten zwischen verschiedenen Fraktionen ausfechtet, können in „LEGO Rock Band“ 45 Rock- und Pop-Songs nachgespielt werden.

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Auch Queens Welthit „We will rock you“ ist in „LEGO Rockband“ dabei. (Screenshot: gamesradar.com)

Doch schon mit „LEGO Indiana Jones 2: Die neuen Abenteuer“ kehrte man im selben Jahr zur Erfolgsformel zurück – auch wenn es diesmal einige Abwandlungen am Spielprinzip gab. Anders als bei den Vorgängern fehlte ein zentrales Hub, jeder der vier Filme besaß eine eigene, komplexe Zentrale, die man erkunden konnte, in der man Charaktere und Fahrzeuge erwerben und zu den jeweiligen Leveln aufbrechen konnte.

Jedes Hub war außerdem mit einer Reihe von kleineren Nebenmissionen versehen, wie Bootsrennen zum Beispiel. Auch nicht uninteressant: In einem Levelbuilder konnte man seine eigenen, Parcours-artigen Level gestalten. Weitere größere Neuerungen waren ein Splitscreen, mit dem man Spieler endlich vom Leid erlöste, sich zusammen immer am selben Ort im Spiel aufhalten zu müssen, und Bosskämpfe gegen riesige Ungeheuer.

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In den nächsten Jahren folgten hauptsächlich Lizenztitel: Zwei Harry-Potter-Spiele (2010 und 2011), Pirates of the Caribbean (2011) sowie ein weiteres Star-Wars-Game, in dem Folgen der Serie „The Clone Wars“ im Mittelpunkt standen. Letzteres bot dem Spieler die Möglichkeit, gigantische, strategisch angehauchte Schlachten zu schlagen und so das Getümmel der Klonkriege authentisch nachzuerleben.

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2010 versuchte sich LEGO im Bereich der Online-Rollenspiele: „LEGO Universe“ war das erste MMOG rund um die Klemmbausteine, aber gleichzeitig auch ein großer Flop. Nach nur zwei Jahren wurden die Server heruntergefahren.

2012-2015: Open-World und sprechende Figuren

Einschneidend in der Entwicklung der LEGO Videospiele war schließlich „LEGO Batman 2: DC Super Heroes“ von 2012. Erstmals wurde ein Spiel der Dänen komplett vertont, will heißen: Die Charaktere konnten endlich reden. Kein Genuschel mehr, die Story war nun lebendiger als je zuvor, auch wenn aus Sicht vieler ein Teil des LEGO-Charmes verloren ging. Als Hub fungierte Gotham City, welches als Open World designt wurde und das man als einer der vielen Superhelden von DC frei und ausgiebig bereisen konnte. Allein deswegen war das Spiel verglichen mit seinen Vorgängern revolutionär.

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(Foto: nintendo.de)

Wenige Monate später folgte „LEGO Herr der Ringe“. Im neuesten Titel von TT Games konnte man nicht nur die Filme von Peter Jackson nachspielen, sondern auch eine große Open-World-Version von Mittelerde erforschen. Passend zur Thematik hielten auch zahlreiche Rollenspiel-Elemente Einzug: Quests und mystische Gegenstände luden dazu ein, gelöst und gesammelt zu werden. Für das optimale Spielerlebnis empfiehlt sich aber, die englische Version zu spielen, denn „LEGO Herr der Ringe“ wurde mit den umwerfenden Audiosequenzen der Original-Schauspieler vertont. Im Deutschen entschied man sich hingegen, das Spiel mit anderen als den gängigen Synchronsprechern komplett neu zu vertonen.

2013 erschienen zunächst eine Reihe von Spielen, die ausnahmsweise nicht auf Lizenzthemen basierten. Mit „LEGO City Undercover“ und „LEGO City Undercover: The Chase Begins“ stand erstmals die Seit Jahren erfolgreiche City-Reihe im Vordergrund. In diesen stark von den Grand Theft Auto-Spielen inspirierten Games übernahm man die Rolle des kauzigen Polizisten Chase McCain und deckte in einer offenen Welt Verbrechen auf.

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In den Folgemonaten kamen drei Chima-Spiele sowie ein eher lieblos programmiertes Friends-Spiel auf den Markt. Das Highlight des Jahres war aber sicherlich „LEGO Marvel Super Heroes“, in dem man ganze 180 Charaktere mit außergewöhnlichen Kräften freischalten konnte. Der obligatorische Stan-Lee-Auftritt durfte auch hier nicht fehlen.

Im 2014 veröffentlichten „The LEGO Movie Videogame“ bestand die Spielumgebung erstmals vollständig aus LEGO-Steinen. Weitere Titel in den darauffolgenden Monaten und Jahren waren „LEGO The Hobbit“, „LEGO Batman 3: Beyond Gotham“, „LEGO Ninjago: Nindroids“, (alle 2014) „LEGO Ninjago: Shadow of Ronin“ und „LEGO Jurassic World“ (beide 2015).

2015-heute: Neue Trends

Es dauerte schließlich nicht lange, bis auch LEGO mit „Dimensions“ auf einen in der Zwischenzeit populären neuen Videospiel-Trend setzte: Das „Toy-to-Life“-Prinzip. Bei diesem erwirbt der Spieler nicht nur ein Spiel, sondern kann eine Reihe von Erweiterungspacks kaufen, die echte LEGO-Figuren und -Fahrzeuge enthalten. Nach dem Zusammenbauen können diese auf ein so genanntes „Toy-Pad“ gesetzt werden, um sie auch im Spiel freizuschalten. In kürzester Zeit errang „Dimensions“ ähnlich große Beliebtheit wie andere bekannte „Toy-to-Life“-Serien, allen voran Skylanders, Nintendos amiibo und Disney Infinity.

Und selbst bei jenen, die nicht am Spiel interessiert waren, weckten die Erweiterungspacks Begehrlichkeiten. Denn einige enthielten Lizenzfiguren, die nie vorher von LEGO produziert wurden und heute somit Sammelcharakter besitzen. Eine E.T.-Figur bringt auf Bricklink 15 Dollar, Sonic the Hedgehog sogar satte 40 Dollar.

lego dimensions figuren
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Auf eher leisen Sohlen und ohne große Marketing-Aktionen kündigte sich 2015 „LEGO Worlds“ an, ein Open-World-Sandbox-Spiel, bei dem der Spieler in einer zufallsgenerierten, komplett aus LEGO-Steinen bestehenden Welt alles verändern und bauen kann, was ihm in den Sinn kommt. Die Ähnlichkeiten zum Gamehit „Minecraft“ sind verblüffend und vielleicht lag es auch genau daran, dass der große Durchbruch ausblieb.

Die nächsten Jahre brachten den Spielern „LEGO Marvel’s Avengers“ (2016), bei dem man erstmals Filmszenen aus dem Marvel Cinematic Universe nachspielen konnte, und „LEGO Star Wars: The Force Awakens“, welches im Bau- und Kampfsystem ein paar Neuerungen brachte. Weitere Titel waren „LEGO Marvel Super Heroes 2“ (2017), „LEGO Die Unglaublichen“ (2018), „LEGO DC Super-Villains“ (2018) und „The LEGO Movie 2 Videogame“ (2019).

In der Videospiel-Sackgasse?

Die großen Innovationen blieben aber aus. Die Devise hieß eher: Größer, weiter, höher. Klar, die Zahl der freischaltbaren Charaktere wuchs zu 200 pro Spiel an, die Hubs wurden immer vielfältiger, die Grafik schöner. Aber von dem bewährten Konzept, das 2005 erstmals eingeführt wurde, hat man sich bei LEGO und TT Games nie getrennt. Die Spiele sind nach wie vor Verkaufsschlager, aber sobald man ein paar Titel gespielt hatte, hatte man den Dreh schnell raus und ob sich dann der Kauf eines weiteren, fast gleich aufgebauten Spiels lohnte, blieb fraglich.

Dabei schreitet die Digitalisierung rasant voran und beschert uns in nie da gewesenem Tempo die ausgefallensten technologischen Möglichkeiten. Davon bleibt auch die Videospielbranche nicht unberührt und man darf gespannt sein, wann neueste Techniken wie Virtual Reality die LEGO-Welt erreichen. Mit „Brickheadz-Builder VR“ und der „Hidden Side“-Reihe wagte der Klemmbausteinriese hier zumindest erste, wenn auch unbeholfene Schritte.

Doch wenn man eins aus der Historie der LEGO Videospiele lernen kann: Unterschätzt die Dänen nicht beim Thema Games! Uns in eine eigene virtuelle LEGO-Welt beamen oder das frisch aufgebaute Modell zum Leben erwecken zu können – die Zukunft wird es wohl möglich machen.

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Doch zunächst steht ja erstmal „The Skywalker Saga“ an, welches das bisher wohl umfangreichste LEGO-Spiel überhaupt sein wird. 45 Level, 500 Charaktere, zahlreiche Planeten zum Erkunden. Ein paar Änderungen am Gameplay sind auch schon angekündigt. Aber ob es „The Skywalker Saga“ gelingt, ein neues Kapitel in der Historie der LEGO Videospiele aufzuschlagen? Die Chancen stehen nicht schlecht.

  1. Guter Artikel 🙂
    Es freut mich, dass die von Lego selbst entwickelten Spiele nicht vergessen wurde auch wenn ich mich da teilweise noch über mehr Details gefreut hätte, selbiges bei Lego Universe. Das ist aber auch eine Frage des Interesses 😉
    Ich glaube bei den Online-Spielen fehlen noch zwei, drei Stück.
    Ein interessantes Thema wären bestimmt auch die Flashspiele, die es über die Jahre hinweg auf der Lego Seite gab.

    1. Vielen Dank! Ja, ich habe als Kind unzählige Stunden mit diesen alten Spielen verbracht. Auch wenn sie etwas schräg sein mögen, werden sie für mich dennoch immer diesen nostalgischen Touch haben. Tatsächlich kann man noch so viel über diese Spiele berichten, aber der Artikel sollte einfach nur einen kleinen Überblick geben. Auf jeden Titel einzeln einzugehen (auch wenn ich das sehr gerne getan hätte), würde wohl den Rahmen sprengen. Wir überlegen uns aber, ein paar der Retro-Klassiker in einem Review mal genauer vorzustellen. Bleibt gespannt!

      Hach ja, die Flash-Spiele, damit verbinde ich auch viele Erinnerungen! Wäre eigentlich auch einen Artikel wert, da hast du Recht! Mal sehen, was sich da machen lässt.

      1. Besonders krass sind bei mir die Retro-Vibes, wenn ich mal wieder den Island Xtreme Stunts-Soundtrack höre. Einige der Tracks haben sich einfach ins Gehirn gebrannt.
        Ich bin hier übrigens auch Gastautor. Allerdings bin ich nicht in der Whatsapp-Gruppe, weil ich kein Whatsapp habe.
        Wie auch immer. Das eine oder andere Spiel hab ich auch noch im Regal stehen und es funktionieren sogar fast alle. Vielleicht sollten wir uns da mal kurzschließen.

  2. Ich hatte letztlich Legoland in die Hände bekommen. Noch nie so nen nerviges Game in der Hand gehabt. Oberflächlich nen Rollercoaster Nachbau, war es extrem Simpel. Man konnte nicht pleitegehen. Das schlimmste war aber, dass jeder Menüpunkt jedesmal vorgelesen wurde, wenn man drüber kam. Endlos. Weil man muss ja nicht lesen können…

    Das Lego Insel spiel hatte ich nicht zum laufen bekommen. zu 9x. Weiß garnicht ob das hier noch rumliegt..

  3. Die LEGO Games waren für mich der Wiedereinstieg Light nach meinen Dark Ages. Zuerst die Games zu Star Wars, Harry Potter, Jurassic Word. Danach LEGO Dimensions, wo ich seit Kindheitstagen wieder physisch eine Figur und Steine in den Händen hielt. Die Leidenschaft erweckte und der Weg … das ist der Weg … Richtung AFOL eröffnete sich mir…(hier himmlischen Chor und glänzendes Licht vorstellen)…

  4. So sehr ich Lego liebe, bei den Videopsielen sind sie für mich ein Totalausfall. Selbst ihre Besten, wurden mir noch verleidet (zum Beispiel, wenn man vor hatte die Star_Wars-Saga ohne Controller zu spielen.

    Solange Lego jedes Onlinespiel wieder einstampft, wenn es nicht gleich läuft, werden Spieler wie ich überhaupt nie anfangen es zu spielen (geschweige denn einen Account für ihr Kind anlegen). Und ohne eine gewisse Spielerbasis aus Langzeitspielern wie mir interessieren sich auch weniger Leute für das Spiel, die bereit sind Geld für schnelleren Fortschritt auszugeben.

    Lego hätte die perfekte(!) Ausgangslage für ein Aufbau-RP, aber sie kriegen es einfach nicht hin einem das Gefühl zu geben hinter einem Spiel wirklich zu stehen. Wer will schon etwas wie Minecraft spielen, wenn er weiß, dass nach ein paar Jahren eh alle seine Bauten gelöscht werden, weil das Spiel off geht.

    Da braucht man einfach einen längeren Atem und den Willen (Geld ist ja da) die Server weiterlaufen zu lassen. Und wenn das passiert und man sieht, dass die alten Titel gepflegt werden, dann wären viele auch bereit bei einem Nachfolger einzusteigen.

    Blizzardspiele kann man z.B. immer guten Gewissens anfangen, weil man weiß, dass die ewig laufen. Und deswegen haben die auch so eine breite Spielerbasis, selbst in uralten Spielen.

    Lego muss inzwischen aber erstmal vormachen, dass sie das auch können und wollen, anstatt nur digitale Eintagsfliegen zu erzeugen.

    Fun Fact:
    Lego Universe – Penis-Jagd verursachte immense Kosten

    https://www.gamestar.de/artikel/lego_universe,3086542.html

  5. Lego Insel und Rock Raiders haben sich sogar so sehr bei einigen Spielern eingeprägt, dass aktuell unabhängig voneinander beide Spiele in heutiger Technologie nachempfunden werden. Falls sich jemand diese Projekte mal anschauen möchte hier zwei Links dazu:

    Project Island: https://projectisland.org/
    Manic Miners: https://manicminers.baraklava.com/

    Manic Miners habe ich schon angespielt und macht mir sehr viel Spaß. Die Nostalgie trägt wohl viel dazu bei, aber das Spielprinzip ist davon unabhängig auch ganz cool 😉

    1. Wow, vielen Dank für die zwei Links! Von den Projekten wusste ich noch gar nichts. Rock Raiders war von den Klassikern mein absolutes Lieblingsspiel, schade, dass ich ausgerechnet das nicht mehr zum Laufen bekommen habe. „Manic Miners“ werde ich unbedingt anspielen!

  6. Sehr schöner Artikel.

    Ich selber bin nie grosser Fan der Spiele gewesen, aber vor kurzem habe ich Batman 3 auf der PS Vita 100% abgeschlossen.

    Das war schon ein kleiner Augen Öffner, warum die Spiele so beliebt sind.

  7. Ich liebe die Lego-Serie von TT, aber leider ist mehr und neuer nicht immer besser. Ich finde die immer unübersichtlicheren Oberwelten eher störend und wünsche mir die kurzen Wege der ersten Spiele zurück. Auch die Spezialfähigkeiten der einzelnen Figuren werden immer unübersichtlicher und es wurde immer komplizierter, einen Level komplett zu erkunden. Manche Bereiche sind nur noch mit Figuren erreichbar, die man erst mal in Wikis nachschlagen muss („Ach so, nur jemand mit genau dem Schwert!“, „Ach so, nur die zwei Figuren können das, kenne ich gar nicht“).
    Mich fasziniert aber bis heute, wie viele Lego-Modelle die da in die Spiele zaubern, wenn ich sehe, wie lange ich manchmal brauche, aus einer Idee wirklich ein vorzeigbares Modell zu bauen.

  8. Von der normalen „Lego-Formel“ bin ich auch ziemlich gesättigt und brauche da nichts neues. Wenn aber nochmal ein Lego City Undercover 2 kommen würde wäre ich sofort am Start. Das Spiel bricht dann doch ziemlich stark aus der Formel aus und macht mega Spaß. Dort habe ich glaube fast 100h auf der Wii U angehäuft und noch immer nicht alles in der riesigen Stadt entdeckt. Wahnsinn.

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