Im Laufe der Zeit lernte ich viele LEGO-Bauer und Fans auf den verschiedensten Ausstellungen und Veranstaltungen kennen. An manche erinnert man sich noch lange und sehr gerne, wieder andere vergisst man nach der Zeit. Die Floating Bricks 2018 in Hamburg wird immer in schöner Erinnerung bleiben. Das PROMOBRICKS Team hatte einen kleinen Stand direkt neben Ingmar Spijkhoven. Er stellte auf zahlreichen Veranstaltungen seine Bausätze vor und hat vor allem gute Laune verteilt. Leider war es eine der letzten Gelegenheiten ihn persönlich zu treffen, im Juli 2019 ist er nach kurzer schwerer Krankheit in seiner Heimat, den Niederlanden, leider viel zu früh verstorben. Wir konnten noch im März 2019 ein Interview mit ihm machen, sehr sehenswert.

Ingmar Spijkhoven
Seine Modelle werden noch von seiner Frau abverkauft. Neue werden natürlich nicht mehr entstehen, ob Alte wieder aufgelegt werden, ist mir nicht bekannt. Es können aber auch Bauanleitungen ohne Teilesets bestellt werden.
Scania Truck T19 by Ingmar Spijkhoven im Review
Zu Weihnachten habe ich mir nun ein Set von Ingmar gegönnt. Den Truck T19 mit 2.473 Teilen. Der Laster ist dem Scania 143m nachempfunden, die Aufkleber dafür liegen dem Set auch bei. Wahrscheinlich aus rechtlichen Gründen darf er mit dem Markennamen nicht auf der Packung werben.
Auf der Website von Ingmar könnt ihr zwischen verschiedensten Modellen auswählen, alle sind voll motorisiert und fernsteuerbar mit LEGO Power Functions. Ich habe mir den Scania in Gelb ausgesucht, weil mir erstens die Farbe gefällt und ich zweitens kein Chrom-Paket dazu ordern wollte, was bei der gelben Farbe auch sicherlich nicht gewirkt hätte. Das Modell kostet dann 669 Euro (ohne PF-Komponenten). Für 119 Euro Aufpreis gibt es die Power Function Teile dazu. Das kann ich nur empfehlen, die Teile sind mittlerweile sehr teuer geworden. Alleine der Servomotor schlägt gerne mit über 80 Euro zu Buche.
Die Packung
Nach sehr schneller Lieferung kam das Paket aus Holland an. Perfekt verpackt, auch in der Schachtel alles mit Styropor-Flocken ausgefüllt. Die Schachtel ist versiegelt und hat Magnet-Verschlüsse. Sehr hochwertig verarbeitet, was bei diesem Preis auch erwartet werden darf.
Besonders haben mir die gedruckten Siegel gefallen. Mein Set hat die Nummer sieben von hundert, ob es nun einhundert Scania in Gelb gibt, oder ob es insgesamt 100 T19 gibt, bleibt im Verborgenen.
Die Teile
Insgesamt sind 2.473 Teile enthalten. Der technische Stand der Einzelteile ist natürlich im Jahr 2017 stehen geblieben, neue Teile-Entwicklungen können nicht mehr in die Modelle einfließen. Die Ansteuerung der Lenkung ist mit einem 3D-Druckteil realisiert, kann aber auch mit LEGO Teilen gebaut werden. Da es diese aber sehr schwer noch als Neuteil gibt, wich Ingmar auf diese Lösung aus. Überhaupt sind alle Teile neu und Original LEGO. Zwei Zahnräder, die bei der Lenkung verbaut werden sind ebenfalls 3D-Drucke, es können aber auch die alten 14er Zahnräder genommen werden, diese sind meist nur noch gebraucht zu finden.
Bei den Power Function Teile kommen zwei M-Motoren zum Einsatz, die beide für den Vortrieb sorgen werden. Ich hatte die PF-Teile nicht mitbestellt, was sich später zumindest finanziell nicht gelohnt hatte.
Die Bauanleitung
Dem Set liegt eine gedruckte und spiralgebundene Anleitung bei. Auf 166 beidseitig bedruckten Seiten ist der Bau gut erklärt. Durch die Spiralbindung ist das Blättern ein Genuss, so würde ich mir das bei LEGO-Sets auch wünschen.
In der Anleitung kann der Truck sowohl links- als auch rechts-gelenkt gebaut werden. Der kleine Stickerbogen liegt bei und könnte auch nachgekauft werden. Leider ist in der Anleitung nirgends erklärt, wo die Aufkleber hin sollen. Was mich aber wirklich gestört hat, ist die Teileliste. So ist am Ende der Bauanleitung zwar ein Bild mit allen Teilen abgebildet, aber leider ohne jegliche Teilenummern. Wer also den Truck anhand der Anleitung bauen will und sich nach dieser Liste die Teile suchen muss, der hat wohl einige Stunden vor dem Rechner gewonnen. Ob es eine digitale Liste beim Kauf einer Anleitung gibt, ist mir leider nicht bekannt.
Der Zusammenbau
Kommen wir nun endlich zur Hauptsache, dem Aufbau des Modells. Die einzelenen verschweißten Tüten mit den Bauteilen sind nicht nummeriert, zum Glück ist aber zwischen Chasis und „Bodywork“ unterschieden. Also zuerst alle Teile für das Chassis auf den Tisch kippen und es kann los gehen.
Die Hinterachsen wirken beim Bau sehr filigran, was sich am fertigen Modell aber nicht bestätigt. Die Bilder in der Anleitung sind scharf und ausreichend detailliert. Da der Bau etwas anders erklärt wird als bei einem original LEGO Set, brauchte ich etwas bis ich mich in der Anleitung wohl fühlte. Am zweiten Bild seht ihr zusätzliche Zahnräder. Mit diesen kann die Übersetzung geändert werden, auf langsame Geschwindigkeit und höhere Zugkraft. Die Entscheidung dazu solltet ihr auch bei diesem Bauschritt treffen, später wird der Ausbau der Motoren schwierig. Nach der Fertigstellung des Chassis konnte schon mal ein Funktionstest durchgeführt werden.
Nun geht es an das Führerhaus und den Motor. Während der kompletten Bauzeit sollte immer wieder akribisch auf die Verlegung der Kabel geachtet werden. Ich musste mehrmals zurück blättern und die Verlegung korrigieren. Liegt bestimmt auch daran, dass bei mir der Bau eines Technik-Modells schon einige Zeit zurück liegt.
Noch ein Blick auf das Armaturenbrett, später wird es schwierig die Sitze und alle Details am fertigen Truck zu sehen.
Entweder es gibt verschieden große Batterieboxen, oder es hat sich ein Fehler in die ansonsten tadellose Bauanleitung eingeschlichen. Ich mußte auf jeder Seite jeweils eine 2x2er Platte herausnehmen, um die Batteriebox an den vorgesehenen Platz schieben zu können.
Hinten seht ihr die Sattelkupplung und einen PF-Stromanschluss. Ingmar hat in seinem Angebot auch zahlreiche Trailer, die dann natürlich auch einige fernbedienbare Funktionen haben. Sehr schön ist auch die Zwillingsbereifung zu sehen. Insgesamt zehn der sogenannten „Arocs“-Räder sind in diesem Set verbaut, mittlerweile auch kein ganz billiges Vergnügen mehr.
Bei der Bestellung des Bausatzes haderte ich noch damit, dass der Truck keine Frontscheibe hat. Das Thema Windschutzscheiben bei LEGO Fahrzeugen wäre seitenfüllend, irgendwie gibt es unzählige Scheiben bei LEGO, aber die, die man braucht, ist nie dabei. Hier müsste sie 15 Noppen lang sein, dafür höchsten zwei Noppen tief und ungefähr vier Steine hoch. Natürlich gibt es so eine Scheibe nicht. Am fertigen Modell hat mich das Fehlen der Scheibe allerdings fast nicht mehr gestört.
Die Motorhaube ist natürlich später zum Öffnen um den schön detaillierten V8-Motor zu sehen. Teilweise wilde Bautechniken, im großen und ganzen wurden aber relativ wenig spektakuläre Bauweisen am Modell verwendet.
Am Ende kommt noch der Deckel auf die Batteriebox und die hinteren Kotflügel müssen angebracht werden.
Das fertige Modell
Nach ca. 12 Stunden Bauzeit war der Scania Truck fertig. Alle Funktionen haben sofort funktioniert, die Fernsteuerung mit der Zug-Steuerung macht Sinn, da damit die Lenkung schön stufenlos gesteuert werden kann.
Das, für mich, etwas komische Geweih auf dem Dach habe ich entfernt, gefiel mir ohne besser.
Obwohl der Lastwagen keine Federung verbaut hat, kann er Unebenheiten sehr gut ausgleichen. Ingmar hat die Vorderachse mit starken Gummis aufgehängt, dass bringt schon etwas Elastizität. Die Hinterachse ist durch ein ausgeklügeltes Aufhängungssystem auch gut verschränkbar. Der Vorteil durch das Weglassen von Stoßdämpfern ist, dass sich das Modell nicht zur Seite neigt. Wer zum Beispiel den LEGO Unimog 8110 im Regal stehen hat, weiß, der steht immer irgendwie „krumm“ da. Das wurde hier durch die Konstruktion der Aufhängungen vermieden.
Leider kann man im Innenraum die Kabel und auch einige Power Function Elemente sehen. Ist leider nicht vermeidbar, möchte es aber trotzdem nicht unerwähnt lassen.
Mein Fazit
In Zeiten, wo der dänische Spielwarenhersteller gefühlt wöchentlich neue Superlativ-Sets auf den Markt wirft, in Preisregionen jenseits der 500 Euro, kann eigentlich ein limitierter Bausatz einer Kleinstfirma preislich nicht mehr schocken. Trotzdem sind über 700 Euro (mit PF-Teilen) eine Hausnummer. Ob das Set das geforderte Geld wert ist, darüber mag sich jeder selbst ein Urteil bilden. Auf jeden Fall bekommt der Käufer ein perfektes Paket, dass keine Wünsche offen lässt. Alle Teile waren neu, es hat nichts gefehlt und das Endergebnis macht mir nicht nur beim Anschauen viel Freude. Außerdem gefällt mir die Mischung aus Technic und Creator sehr gut. Falls LEGO jemals wieder eine Art Model Team Serie aufleben lassen sollte, dass hier ist der Maßstab!
Mit meinen Erinnerungen an Ingmar war die auf zwei Tage verteilte Bauzeit ein tolles Weihnachtsgeschenk, dass man(n) sich in den meisten Fällen wohl selber machen muss.
Der Steckbrief
Artikelnummer:—
Set-Name:Truck T19
Baureihe:—
Teilezahl:2.473
Erscheinungsjahr:2017
Bauzeit: ca. 12 Stunden
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Verkaufspreis: 669 Euro (ohne Power Functions)
Nachtrag
Die Witwe von Ingmar Spijkhoven hat mir per Email mitgeteilt, dass nur noch die vorhandenen Komplett-Bausätze verkauft werden. Weitere Auflagen dieser Komplettboxen wird es nicht mehr geben, da die Beschaffung mancher Einzelteile die zum Bau notwendig sind nur noch schwer neu zu bekommen, oder extrem teuer geworden sind. Es werden aber weiterhin die Bauanleitungen von Esther Spijkhoven vertrieben. Bei dem Kauf einer Anleitung wird auch eine Teileliste per PDF angehängt. Auf Wunsch kann der Käufer auch eine Liste digital bekommen, damit kann dann eine Wanted List auf Bricklink angelegt werden.
Anmerkung von mir: AufRebrickable können die meisten Anleitungen auch gekauft werden, dort ist die digitale Teileliste auch ohne Kauf schon zum herunterladen.
Hier noch der Original Wortlaut:
„Unfortunately when it comes to the Building Experience Kits I had to make the choice to sell what I have left and then it stops. The reason for this is that LEGO® no longer produces certain parts that are important to Ingmar’s designs. It will be very difficult to buy these parts and if I can they are terribly expensive which means that I have to increase the prices of the kits to such an extent that it is no longer fun to buy such a set. For example you mentioned the power functions and how expensive they are right now. Loose parts and Building Instructions will still be available!
I also read you asked yourself if the parts list is included when ordering the building instructions, well the answer is yes! After paying the order the customer receives an “payment received” email with all data, including the pdf parts list. In some cases customers ask for the parts list in bsx so they can put the whole list in the wanted list in BrickLink.
You are right when it comes to the parts list on the last page of the building instructions without the numbers. Ingmar decided to do so because he has chosen to remain independent. That’s why he added the parts list separately.„












































