LEGO Masters Staffel 3 Folge 2 in der TV-Kritik: Titel. Temperamente. Klassentreffen.

LEGO Masters 2021
Inhaltsverzeichnis

Fortsetzungen haben es nicht leicht. Im Schatten des erfolgreichen ersten Teils kommt ihnen die heikle Aufgabe zuteil, an Innovationskraft, Witz und Esprit ihres Vorgängers heranzukommen, ohne wie ein billiger Abklatsch zu wirken. Viele scheitern an dieser Herausforderung: Dass „Jaws 2“, „Rambo 2“ und „Predator 2“ schlechte Fortsetzungen mit einem Hauch von Debakel sind, ist hinlänglich bekannt.

Bei LEGO Masters war man also gewarnt. Liegt es daran, dass man in der zweiten Folge der dritten Staffel besonders auf den Putz hauen wollte, die Episode gleich zu Anfang schon als „härteste zweite Show aller zweiten Shows“ betitelte? Vielleicht.

Das kennen wir ja schon!

Fortsetzungen müssen den schmalen Grat schaffen, das Stammpublikum mit aufregendem neuen Stoff zu versorgen und gleichzeitig Neueinsteigern Sinn und Zweck des bunten Treibens näher zu bringen. Wer schon mal Fantasy-Reihen wie „Harry Potter“ gelesen hat, kennt das nur zu gut. Da können erste Kapitel gerne mal ein langatmiges Wiederkäuen vergangener Geschehen sein. Doch während man im Buch Passagen überspringen kann, ist das im linearen Fernsehen leider nicht möglich.

Und so muss man wohl oder übel über sich ergehen lassen, wie die Juroren René Hoffmeister und Elisabeth Kahl-Backes uns abermals in kleinen Einspielern weismachen, wie wichtig ihnen Bautechniken und Design sind und wie schön so ein Stockfoto-mäßiger Arbeitstag im Creator- und Classic-Team in Billund sein kann. Auch die Kandidaten wurden noch einmal ausführlich vorgestellt und dabei nahezu die gleichen Ausschnitte gezeigt, wie schon in der Folge zuvor. Immerhin ermöglicht uns das, mal näher die Sammlungen der Teilnehmer zu betrachten – in der Hoffnung, dass man bei LEGO angesichts von Alternativherstellern in den Regalen (welch Ketzerei!) nicht auf dieselbe Idee kommt.

LEGO Masters: Es knistert

Nach reichlich Vorgeplänkel, einem erneuten fast schon heroisch anmutenden Eintritt der Kandidaten und viel dramatischer Musik stand auch schon die erste Aufgabe an. Die Teams hatten fünf Minuten Zeit, so viele Steine wie möglich im Steinelager zu sammeln, um daraus anschließend ein Fabelwesen zu bauen. Der LEGO-Unfachkundige mag sich beim Anblick der Kandidaten, wie sie in Windeseile ins Lager rennen und Kisten plündern, so vielleicht einen Sommerschlussverkauf im LEGO-Laden vorstellen. Er oder sie sei beruhigt: Bei uns Fans geht es zivilisierter zu.

Der Twist dieser ersten Aufgabe ließ schließlich nicht lange auf sich warten. Die vollen Bottiche voller LEGO-Teile wurden jeweils einen Tisch weiter gereicht, was von den Kandidaten mit viel Stöhnen und Empörung quittiert wurde. Herausgekommen sind dennoch sehenswerte Modelle und so ein Maus-Robben-Mischding oder der Schnee-Minotaurus bringen einen schon irgendwie zum Schmunzeln.

Je mehr man jedoch unseren LEGO-Kriegern zusieht, desto mehr kommt einem die Truppe wie eine Schulklasse vor: Aufgaben lösen, am Ende vor die Lehrer treten und sich Lob oder Tadel abholen. Wie in einer Schulklasse üblich, wächst da auch jeder schnell in seine Rollen hinein.

Hier die Streber Justin und Dominik, die stolz ihre 1+ aus der letzten Sendung vorzeigen (der goldene Stein), auch noch Light Bricks in ihren Bauwerken verwenden, da Ingo und Adrian, die mit Mathe nicht klarkommen (oder in dem Fall: einen großen Baum zu bauen) und natürlich das Pärchen – wobei es Ärger im Paradies gibt. „So viele junge schöne Männer“, erklärt Kandidatin Doris ihre Abgelenktheit mit Blick auf den strammen Burschen Oliver. Von Daniel Hartwich auf die Koketterien angesprochen, sagt der aber den Satz der Show: „Wer ist Doris?“

Und gelästert wird in der Schulklasse auch viel: Doris‘ und Olivers Maskottchen Pumbaa nervt die einen, die anderen spotten über die Rollliege, die Tobias und Josef als Sieger der ersten Herausforderung beim zweiten Wettbewerb nutzen dürfen – die sind ja schließlich schon sehr betagt, die Herren.

Irgendwie ist es dann auch bezeichnend, dass die Sendung mehr Gefallen an solchem Schulhoftratsch findet, als am Bauen selbst. Da verhärtet sich schon der Verdacht: Hält RTL dieses Hobby für so langweilig, dass man meint, nur mit dem Skandalösen, dem Unerhörten Zuschauer zu gewinnen? Scheinbar ja. Ansonsten würden in den Vorschauen vor der Werbepause nicht all die Lästereien gezeigt und Sätze aus dem Zusammenhang gerissen. Bestes Beispiel: Christins „Dass ihr euch noch hierher traut!“ in Richtung der Jury. Hui. Man könnte auf die Idee kommen, da fliegen die Fetzen. Enttäuschung für den Sensationslüsternen: Sie meinte es nur scherzhaft.

Man kann nie genug Titel tragen

Dann ging es an die zweite Aufgabe. An einem Tisch, der jeweils oben und unten mit Platten verkleidet war, sollten die Teams ein stimmiges Bauwerk bauen. Spätestens hier fragt man sich: Was ist überhaupt das Anforderungsprofil eines „LEGO Masters“? Was muss man noch für bautechnische Schikanen bestehen, damit man sich am Ende so nennen darf? Wir leben ja in einer Gesellschaft, in der schräg klingende Titel inflationär zunehmen: Head of Community Development, Finance Lead Supervising Director, Junior Engenineer of Schwarzwald-Kuckucksuhren. Was nach Bullshit-Jobs klingt, ist es meist auch, doch „LEGO Masters“ beweist: Wenn man schon den begehrten Titel erwerben möchte, muss man auch etwas dafür tun.

Einen Titel hat ja auch Juror René Hoffmeister: LEGO Certified Professional, was ja immerzu betont wird. Darunter kann man sich zunächst auch nicht wirklich etwas vorstellen. Erklärt das das skurrile Kammerspiel, in dem Moderator Daniel Hartwich den „Brickmaster“ beauftragt, für ihn einen Burger mit Pommes und Milchshake zu bauen? Als Beweis, dass der Titel nicht zu unrecht getragen wird? Oder war man in zwölf Stunden Bauzeit den Rundgängen müde und suchte nach Beschäftigung?

Wie die Kandidaten sich sodann räkeln und winden, um unten Steine anzubringen, wird wieder in einer sehr schnellen Bildabfolge gezeigt. Man müsste mal die Uhr stoppen, wie lange eine Kamerasequenz auf dem Bildschirm verbleibt, bevor die nächste eingeblendet wird. Falls eine Stoppuhr das überhaupt messen kann, so zügig erfolgen die Wechsel. Davon kann einem ja fast sogar ein wenig schwindlig werden. Und wie grotesk das rüberkommt, weiß jeder, der schon mal selbst gebaut hat. Mit LEGO werkeln, das ist ein langsamer, fast schon meditativer Prozess, ihn mit dramatisierenden Musikeinlagen zu untermalen wirkt ein bisschen wie eine Karikatur.

Und so ist auch der härteste Schultag geschafft, am Ende gibt es Zeugnisse, die Klasse wird versetzt, bis auf: Ingo und Adrian. Was schade ist, denn besonders Adrian mit seinen flapsigen Sprüchen hat diesem aufgebauschten, auf Sensationsgier getrimmten Konstrukt eine herrliche Leichtigkeit verpasst. Vielleicht haben sie in einer anderen LEGO-Schulklasse ja mehr Erfolg. Da sind die Lehrer dann womöglich auch nicht so streng.

Wir sind an Deiner Meinung interessiert!

Mail an Autor | Hinweis an die Redaktion | Fehler melden | Newsletter anmelden (Link folgt)

Mehr LEGO News bei PROMOBRICKS

LEGO 40785 Northers Lights Diorama

Exklusiver Gutschein-Code für den LEGO Online-Shop (Deutschland, Österreich, Schweiz) , um das LEGO 40785 Polarlichter Dioramaim Wert von 19,99 Euro gratis bei einem Einkauf ab 150 Euro zu erhalten. Einfach über diesen Link  in den LEGO Online-Shop gehen, die gewünschten Sets in den Warenkorb legen und den unten generierten Gutschein-Code kopieren und in das entsprechende Feld eintragen.

Die Aktion geht vom 22. bis zum 31. Dezember 2025. Allerdings nur solange der Vorrat reicht.  

Vielen Dank für Eure Unterstützung!

Gutscheincode wird geladen...