LEGO Ideas Vintage Car: Interview mit Fan-Designer Arne Jahnke

In einer neuen Themenreihe möchten wir euch in unregelmäßigen Abständen spannende Infos zu realisierten LEGO Ideas Projekten an die Hand geben – und was würde sich hier besser anbieten als ein Interview mit dem jeweiligen Fan-Designer.

Den Anfang macht Arne Jahnke, bei LEGO Ideas unter dem Pseudonym „Versteinert“ unterwegs, mit seinem umgesetzten Entwurf zum LEGO Ideas 40448 Vintage Car (Aedelsten deluxe). Dieses Modell wurde Ende des Jahres 2019 zu einem Contest namens „Build a Vintage Car to cruise the Streets of LEGO Modular Buildings“ von Arne eingereicht und durch ein deutliches Voting der Mitglieder dann kurz darauf zum Gewinner gekürt. Ebenfalls von Arne stammt übrigens auch ein sehr schönes Classic Police Car MOC, welches mein Kollege Daniel kürzlich in einem ausführlichen Review vorgestellt hat.

LEGO entschied sich, das Modell im Januar 2021 als GWP zu veröffentlichen. Das Vintage Car ist nach der 40335 Space Rocket Ride also erst das zweite IDEAS Set, welches als Gratiszugabe erhältlich war.

PROMOBRICKS: Hallo Arne, vorab erst einmal vielen Dank, dass Du dir etwas Zeit für uns genommen hast. Könntest Du Dich zu Beginn unseres Interviews bitte kurz vorstellen, einige Menschen wissen sicherlich nicht viel von der Person hinter dem Fan-Designer.

Arne Jahnke: Gern. Ich bin 40 Jahre alt, wohne mitten in Schleswig-Holstein und bin mehrfacher Vater. In meiner Kindheit war LEGO natürlich eines meiner liebsten Spielzeuge, bis ich mich irgendwann als Teenie zu alt dafür gefühlt habe. Tatsächlich hat mich LEGO aber nie ganz losgelassen und so hat es mich auch später immer wieder in die LEGO-Ecken der Spielwarenläden gezogen, in denen ich dann staunte, was es alles Neues von LEGO gab. Als 2011 mein Sohn zur Welt kam, hatte ich dann endlich wieder ein Argument, mir LEGO Sets zu kaufen. Vor etwa fünf Jahren habe ich dann angefangen, mehr Eigenbauten zu bauen und damit das Bauen nach Anleitung fast komplett eingestellt.

Nimm unsere Leser bitte einmal mit auf die Reise ab dem Zeitpunkt, wo Du erfahren hast, dass Du den Vintage Car Contest im Jahr 2019 gewonnen hast. Wie sah von da an die Vorgehensweise  in der Zusammenarbeit zwischen Dir und LEGO aus?

Ich befürchte, dass ich Dir zu dieser Frage aufgrund meiner vertraglichen Vereinbarungen mit LEGO nicht viel sagen kann. Viel Spektakuläres gäbe es aber ohnehin nicht zu berichten. Wie Du schon richtig vermutet hast, kam es aufgrund von Corona zu keinem persönlichen Treffen. Meine Treffen mit Melody Caddick, die den Entwurf für LEGO umgesetzt hat, und Jacob McQuillan vom LEGO IDEAS Team fanden daher alle als Videokonferenzen statt.

Viele LEGO Ideas Fans bemängeln an einigen Sets, dass die ursprünglichen Entwürfe besser waren (was natürlich subjektiv ist) beziehungsweise LEGO sich im Endergebnis zu weit vom eigentlichen Entwurf entfernt hat. Was wurde wesentlich am Deinem Modell verändert und wie zufrieden warst Du mit dem Endergebnis?

Aufgrund der Stabilität mussten die Bodengruppe und einige Details geändert werden. Dadurch sitzen die Figuren jetzt etwas höher. Außerdem ist die Motorhaube im fertigen Modell einen Noppen länger als in meinem Entwurf. Der deutlichste Unterschied ist sicher das Fehlen sämtlicher Chromteile. Tatsächlich hatte ich aber nie damit gerechnet, dass diese umgesetzt würden, da es meines Wissens nach schon seit vielen Jahren keine Chromteile mehr von LEGO gibt. Die Umsetzung von Türkis als Farbe hatte ich allerdings auch nicht erwartet und das gleicht die anderen Änderungen meines Erachtens mehr als aus.

Neben meinem offensichtlichen Hobby, LEGO, interessiere ich mich insbesondere für Oldtimer ab den 1950er Jahren und Rat Rods. Ich besitze selbst ein fast 50 Jahre altes Ford Taunus Coupé und besuche regelmäßig verschiedene Oldtimerveranstaltungen.

-Arne Jahnke

Erzähle uns etwas mehr über Dein Modell. Wie lange hast Du an dem Modell gearbeitet? Was waren die Herausforderungen, welche Schwierigkeiten bestanden durch die gegebenen Anforderungen?

Ich weiß gar nicht mehr, wieviel Zeit ich insgesamt in den Entwurf gesteckt habe. Ich konnte ja auch nur nach Feierabend daran arbeiten. Auf jeden Fall waren es mehrere Feierabende, an denen ich zuerst die Front des Autos, dann das Heck und am Ende den „Fahrgastraum“ dazwischen gebaut habe.

Da ich auch vorher schon einige Autos mit sechs Noppen Breite gebaut habe, was meiner Ansicht nach am ehesten dem Minifiguren-Maßstab entspricht, gab es keine echten Schwierigkeiten. Ich musste nur ein paar Ideen, die ich hatte, über Bord werfen. So hatte ich zum Beispiel ursprünglich geplant, ein Fahrzeug mit Heckflossen zu bauen. Das wurde mir dann während des Designprozesses aber zu plump – nicht so schön gleitend wie amerikanische Autos der Epoche eben aussahen. Außerdem musste ich eine möglichst niedrige Bodengruppe konstruieren, da keine der fertigen Bodenplatten passte. Das war dann auch der Grund, warum die Bodengruppe nicht stabil genug war, um in ein fertiges LEGO-Modell übernommen werden zu können.

Dein Vintage Car wurde von LEGO als GWP (Gift with Purchase) veröffentlicht, es konnte also nicht direkt käuflich bei LEGO erworben werden. Bist Du hier in irgendeiner Weise trotzdem am Umsatz beteiligt?

Nein, in irgendeiner Form am Umsatz beteiligt bin ich nicht. Einen Umsatz in dem Sinne gibt es nach meinem Verständnis bei einem GWP aber ja ohnehin nicht. Dass meine Idee als GWP umgesetzt wurde, war ja Teil des Preises bei dem Vintage Car Bauwettbewerb auf LEGO IDEAS. Mein Gewinn ist, dass jetzt ein LEGO Set existiert, auf das ich nennenswerten Einfluss hatte, und natürlich die Anerkennung, die ich dadurch erfahre.

Und darauf kannst Du sehr stolz sein! Wenn man sich Deine Einreichungen bei LEGO Ideas ansieht, fällt auf, dass Du abseits des Vintage Cars bislang mehrere Modelle mit Bezug zu Automobilen gebaut hast. Woher kommt diese Affinität? Ist das auch privat eines Deiner Hobbys?

Genau genommen fällt sogar auf, dass es sich bei meinen Automodellen durchweg um irgendwelche älteren Fahrzeuge handelt. An aktuellen Autos habe ich nämlich kaum Interesse.

Neben meinem offensichtlichen Hobby, LEGO, interessiere ich mich insbesondere für Oldtimer ab den 1950er Jahren und Rat Rods. Ich besitze selbst ein fast 50 Jahre altes Ford Taunus Coupé und besuche regelmäßig verschiedene Oldtimerveranstaltungen.

Was eventuell viele gar nicht wissen ist, das Du auch der Designer des „Gilmore Girls – Lukes Cafe“ bist, welches ebenfalls 10.000 Stimmen sammeln konnte, letztendlich aber nicht für eine Realisierung berücksichtigt wurde. Erzähl uns doch bitte kurz wie es zu diesem interessanten Entwurf kam. Die Serie Gilmore Girls erreicht ja eher die weibliche Zielgruppe, die Umsetzung war großartig gelungen.

Genau, das Luke’s Diner war quasi mein Einstieg bei LEGO IDEAS und wurde innerhalb kürzester Zeit ein voller Erfolg. Das ganze war Anfang 2017. Zu der Zeit waren 10.000 Stimmen innerhalb weniger Wochen noch eine Seltenheit.

Meine Frau kam damals auf die Idee, ich könne ja auch mal etwas bei LEGO IDEAS einreichen und schlug mir dann vor, für sie doch das Luke’s Diner aus Gilmore Girls zu bauen, da sie ein großer Fan dieser Serie ist. Das ließ ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen. Immerhin konnte ich auf diese Weise gleichzeitig meinem Hobby nachgehen und meiner Frau einen Gefallen tun.

Du hast gerade einen interessanten Punkt erwähnt. Findest Du, dass sich am Reglement bei LEGO Ideas in der Zukunft etwas ändern sollte? Wir haben, Stand heute, bereits 30 Modelle für die kommende Review-Phase, davon mehr als die Hälfte unter Berücksichtigung einer Lizenz, teilweise wurden die 10.000 Stimmen innerhalb weniger Tage erreicht!?

Nein, ich denke, zumindest an den groben Regeln bzgl. Supporterzahl und Lizenzen sollte sich nichts ändern. Es wird immer wieder kritisiert, dass bekannte Fandesigner ihre Ideen auch aufgrund ihrer großen Anhängerschaft durch die Supportphase bekommen. Sofern dies überhaupt ein Faktor ist, würde dieser sich z.B. durch ein Hochsetzen der erforderlichen Stimmenzahl nicht ändern. Die Gathering Support Phasen würden nur etwas länger dauern. Die Maßnahme würde es unbekannten Designern aber deutlich schwerer machen, für ihre Ideen ausreichend Stimmen zu sammeln. Das von vielen Kritikern beobachtete Problem würde sich m.E. also noch vergrößern.

Ein wenig wurde der Entwicklung ja schon Rechnung getragen, indem kürzlich die Regeln bezüglich der Präsentation der Ideen angepasst wurden.

Ohnehin halte ich es für möglich, dass die große Anzahl der qualifizierten Ideen pro Review-Phase auch wieder etwas nachlässt. Nicht nur im Bereich von LEGO Ideas war während der vergangenen Lockdown-Zeiten ein großer Zulauf zu beobachten, der möglicherweise wieder zurückgeht, wenn sich vieles wieder normalisiert. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass der eine oder andere Fandesigner nach den Ergebnissen der letzten Review-Phasen auch einfach die Motivation verliert. Damit würde sich LEGO Ideas langfristig selbst regulieren. Ich möchte meine Einschätzung aber ausdrücklich nicht als Kritik aufgefasst sehen – weder an der Arbeit des LEGO Ideas Teams, noch im Hinblick auf die Fandesigns bzw. Fandesigner.

Der Vintage Car Wettbewerb war nicht der erste Contest, an welchem Du erfolgreich teilgenommen hast. Bei „Create a Bricktastic Popup Story“ ging es darum, im Stile des LEGO Ideas Pop-Up Buches etwas zu kreieren. Du hast hier mit einem sehr schönen Entwurf zu Pippi Langstrumpf oder wie es dort so schön heißt „Pippi Longstocking“ einen Bonus Preis abgeräumt. Kannst Du uns hierzu etwas mehr erzählen?

Das war damals ein absoluter Schnellschuss und entsprechend überraschend war für mich die Auszeichnung. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, bei dem Wettbewerb mitzumachen. Drei Tage vor Abgabeschluss änderte ich dann spontan meine Meinung und entschied mich ganz kurzfristig, doch teilzunehmen. Wie ich genau auf die Idee kam, Pippi Langstrumpf als Thema zu wählen, weiß ich nicht mehr – möglicherweise, weil ich vorher schon mehrfach drüber nachgedacht hatte, die Villa Kunterbunt für LEGO IDEAS zu entwerfen. Vielleicht hatten mich aber auch meine Kinder auf Pippi Langstrumpf gebracht.

Wenn ich mich richtig erinnere, führte die überraschend hohe Zahl der Teilnehmerbeiträge dann dazu, dass das LEGO IDEAS Team neben den ursprünglich geplanten Auszeichnungen noch ein paar Bonus-Gewinner hinzufügte. Ich hatte damals das große Glück, mit meinem Beitrag zu diesen zu gehören.

Wie sieht die Zukunft in Bezug auf weitere Modelle von Dir aus? Wirst Du das LEGO Ideas Programm weiterhin mit Deinen kreativen Entwürfen bereichern?

Vorerst ist bei mir kein LEGO IDEAS Projekt geplant. Das heißt aber nicht, dass ich neue Projekte generell ausschließe. Momentan liegt mein Fokus nur an anderer Stelle.

Bei einem LEGO IDEAS Bauwettbewerb werde ich genau dann wieder teilnehmen, wenn mich das Thema des Wettbewerbs mitreißt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass so ein Wettbewerb mehr Spaß macht und auch die Erfolgschancen steigen, wenn mir das Thema wirklich liegt.

Zum Abschluss noch eine kurze Frage: Welches ist Dein Lieblings LEGO Set und warum?

Das weiß ich gar nicht. In meiner Kindheit war es, glaube ich, die große Löwenritterburg, LEGO 6080. Heute habe ich irgendwie kein richtiges Lieblingsset mehr. Das liegt sicher auch daran, dass ich nur noch äußerst selten Sets baue. Der Alte Angelladen gefällt mir sehr gut, ebenso die Mittelalterliche Schmiede. Als echter Norddeutscher gefällt mir ohnehin alles, was mit Wasser zusammenhängt, und zu Mittelalter und Fantasy habe ich seit je her eine Affinität. Daher empfinde ich die schon eher niedliche Umsetzung der Mittelalterlichen Schmiede auch im Gegensatz zu vielen Kritikern eindeutig als Gewinn.

Vielen Dank für Deine Zeit und weiterhin viele kreative Ideen!

1 Kommentar zu „LEGO Ideas Vintage Car: Interview mit Fan-Designer Arne Jahnke“

  1. The Storytelling Brick

    So „Insides“ finde ich immer cool und spannend. Danke für das (kurze) Interview! Das Vintage Car musste ich haben – aber lustig, wie das IDEAS-Team die Instabilität der Bodengruppe gekittet, aber dafür die beiden Surfbretter so angebracht hat, dass sie bei jedem lauen Lüftchen abfallen 😀

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