LEGO Technic 42137 Formula E Porsche 99X Electric im Review

Das nächste Set, das ich euch heute vorstellen möchte, ist der LEGO Technic 42137 Formula E Porsche 99X Electric. Das Modell besteht aus 422 Teilen und ist ab 1. Januar 2022 zu einem UVP von 49,99€ im Handel erhältlich. Eines kurz und schmerzlos vorneweg: Für mich ist der Porsche das schwächste Set aus der Technic-Neuheitenwelle und in diesem Review zeige ich euch auch, warum das Modell zu Recht stark kritisiert wird.

Verpackung, Anleitung und Stickerbogen

Auf der Frontseite der Verpackung prangt in der oberen rechten Ecke das bekannte Pullback-Logo, links unten wird währenddessen auf eine neue App mit dem Namen „AR Technic“ hingewiesen. Auf der Rückseite befindet sich leider nur ein kleines Bild zum originalen Vorbild, auf Daten und Fakten zum richtigen Porsche wird komplett verzichtet. Neben einer Rückansicht des LEGO-Modells sind noch eine Werbung zur App und eine kleine Übersicht über die Pullback-Funktion abgebildet. Ein B-Modell ist von LEGO leider nicht vorgesehen, was ich persönlich ebenfalls schade finde.

Nach 108 Seiten Bauanleitung ist der 42137 Formula E Porsche fertig gebaut, relativ neu ist dabei der „Fortschrittsbalken“ im untersten Bereich jeder Doppelseite. Ich habe ihn weder als besonders hilfreich noch als besonders störend empfunden. Vielleicht ist er bei Sets mit mehreren tausend Teilen eine willkommene Ergänzung, hier fand ich ihn eher unnötig. Ganz hinten in der Anleitung wird noch einmal für die AR Technic App geworben, allerdings haben diese Bilder mit der richtigen App so gut wie nichts zu tun (dazu später mehr). Auf der vorletzten Seite hat LEGO noch einen Vergleich zwischen seinem Modell und dem richtigen Formula E Rennwagen abgedruckt – zum Thema Optik kommen wir gleich.

Die letzte Seite wird von der Teileliste in Beschlag genommen. Dort finden wir zwei Highlights, die vor allem für Moccer interessant sein dürften. Zum einen enthält der 42137 Formula E Porsche die aus dem 10€-Motorrad bekannten 2×5 Liftarme (L-Shape, Quarter Ellipse) nun in schwarz, zum anderen wurden zwei neue, abgeschrägte Panele inkludiert, die es bisher noch nicht in der Technic-Welt gab. Des Weiteren liegt dem Set noch ein Aufkleberbogen mit über 30 Stickern bei. Wer weiß, vielleicht sind die Vodafone-, Hugo Boss- oder Puma-Sticker Schuld für den maximal überteuerten Listenpreis von knapp 50 Euro … Prints sind bei diesem Set leider Mangelware, nur eine schwarze 1×1 Rundfliese am Lenkrad ist tatsächlich bedruckt.

Die Optik

Natürlich gilt auch hier: die Optik eines Modells hängt immer vom subjektiven Empfinden des Betrachters ab. Meiner Meinung nach hat LEGO zumindest den hinteren Bereich des 42137 einigermaßen gut hinbekommen, die Front ist für mich aber ein No-Go. Während das reale Vorbild mit stromlinienförmiger Schönheit glänzt, habe ich bei der LEGO-Version das Gefühl, das Fahrzeug hätte schon einen Frontalzusammenstoß hinter sich. Es ist sicherlich nicht einfach, Rundungen in diesem Maßstab bei einem Technic-Modell umzusetzen – etwas mehr Mühe hätte man sich aber definitiv noch geben können.

Die Funktion(en)

Ein Feuerwerk an Funktionen sollte man sich bei diesem Set nicht erwarten. Lenkrad und Außenspiegel sitzen auf einem Pin und sind dementsprechend beweglich, als Funktion würde ich das aber sicher nicht bezeichnen. Das Fahrzeug kann tatsächlich nur eines: fahren. Und das auch nur gerade aus, denn aufgrund der beiden Pullback-Motoren, die als Antrieb dienen, wurde auch keine Lenkung verbaut.

Verglichen mit den Monster-Jam-Pullbacks hat man sich hier wenigstens noch ein weiteres nettes Feature ausgedacht: Damit der Porsche nicht sofort loszischt, nachdem man die Motoren aufgezogen hat, hat LEGO eine Sperre ins System inkludiert. Diese wiederum kann durch den roten Hebel am Heck des Modells betätigt werden. Ich kann mich nicht erinnern, sowas jemals in der Technic-Welt gesehen zu haben und empfand die Konstruktion dieses Mechanismus als nette Abwechslung zum ansonsten eher langweiligen Aufbau. Keine Innovation, aber trotzdem etwas Neues ist auch die Aufhängung der Vorderachse. Insgesamt ist der Porsche robust gebaut und wird dank der beiden Rückziehmotoren auch ziemlich schnell.

Die App – schlimmer geht anscheinend immer

Bei der AR Technic App handelt es sich tatsächlich um eine brandneue Applikation. Warum LEGO zusätzlich zu Powered Up und Control+ eine dritte App auf den Markt bringen muss, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Ich habe sie in den letzten Tagen ausprobiert und bin mehr als enttäuscht. Trotz 12GB Arbeitsspeicher am Smartphone ruckelt es oft und das ist noch nicht einmal mein größter Kritikpunkt. Welche Features erwarten uns in der App? Mit ihr soll man eine möglichst große, freie Fläche scannen und in der App wird dann eine digitale Rennstrecke auf beispielsweise euren Wohnzimmerboden projiziert. Es gibt dann (zumindest beim Porsche) zwei verschiedene Spielmöglichkeiten.

Einmal geht es dabei um Schnelligkeit, ein anderes Mal um Geschicklichkeit. So werden zum Beispiel Abschnitte auf der Rennbahn farblich markiert und ihr müsst mit dem Porsche dann auf einem Feld mit möglichst hoher Punktezahl landen. An sich klingt das im ersten Moment auch gar nicht so schlecht, aber die Umsetzung ist mehr als mangelhaft. Zuerst müsst ihr überhaupt hoffen, dass eure freie Fläche richtig erkannt wird. Danach könnt ihr das Fahrzeug aufziehen und platzieren. In dem Moment, in dem ihr euch dann zum Boden bückt, um das Auto ordentlich hinzustellen, verliert die App den Kontakt mit der gescannten Fläche, der Fortschritt geht verloren und man muss nochmal von vorne anfangen.

Nachdem man den Wohnzimmerboden nun erneut gescannt hat, muss man natürlich das Fahrzeug wieder neu ausrichten! Man bückt sich erneut und zack – die App verliert den Kontakt und das ganze Overlay muss schon wieder neu eingestellt werden! Nach dem dritten Mal hat mich die App auch noch komplett rausgeworfen. Alle, die LEGO und deren Produkte als ein entspannendes Hobby betrachten, sollten um diese App einen großen Bogen machen! Richtig bedienbar ist sie scheinbar nur, wenn man das Smartphone währenddessen auf ein Stativ stellt.

Fazit und die Frage nach der Zielgruppe

50€-Pullbacks mit Lizenz – ja, solche Sets sind etwas Neues, was wir so im Technic-Universum noch nicht hatten. Wenn ich mir das Set so anschaue und an meine Erfahrungen mit ihm zurückdenke, wird mir auch klar, dass es einen Grund geben muss, warum wir sowas in 45 Jahren LEGO Technic noch nicht hatten …

Gefühlt hat LEGO hier versucht, 20-Euro-Pullbacks mit 50-Euro-Lizenzfahrzeugen zu vereinen, was meiner Einschätzung nach gründlich in die Hose gegangen ist. Für erwachsene Sammler ist das Set eine mittelschwere Bruchlandung, dafür kann es definitiv zu wenig und für die Vitrine gefällt es mir optisch nicht gut genug. Kinder, die schon lange auf größere Pullback-Autos gehofft haben, kommen hier allerdings voll auf ihre Kosten!

Das Fahrzeug ist nahezu unzerstörbar konstruiert und wird auch vergleichsweise schnell. Aber was sollen Kinder mit einer Vodafone- oder Hugo Boss-Lizenz anfangen? Wenn wir das Set als reines Kinderspielzeug sehen, sind die Sticker einfach unnötig. LEGO hätte entweder ein normales Lizenzfahrzeug für 40 Euro mit Basis-Funktionen wie einer Lenkung etc. oder ein 30-Euro-Pullback-Auto ohne Lizenz und App auf den Markt bringen sollen! Für das vorliegende Endergebnis kann ich nur das Prädikat „Thema verfehlt!“ vergeben. 

Wer mit dem Set seinen Kindern (oder der kleinen Gruppe, die sich schon immer genau diesen Formula E Porsche als LEGO-Version gewünscht hat) eine Freude machen möchte, sollte warten, bis der Preis im Angebot auf rund 30 Euro gefallen ist. 

5 Kommentare zu „LEGO Technic 42137 Formula E Porsche 99X Electric im Review“

  1. Lego Technic war jetzt noch nie so mein Favorit (als KFZ’ler und Maschinebautechniker eigentlich schwer vorstellbar).

    Dennoch habe ich irgendwie das Gefühl, dass Lego überall da Technic draufschreibt, wo keine normalen Steine zum Einsatz kommen. Weil, sind wir mal ehrlich, wirklich mit Techni(k)c hat das doch nichts mehr gemein. Ein Pullback-Motor macht kein Technic-Set aus. Auch sich öffnende Türen (allgemein betrachtet) sind keine große Ingenieursleistung.

    Ich habe mal in den Katalog von 1994 geschaut. Selbst die kleinen Technic-Sets hatten mehr Funktionen als heutige große. Lenkung, einen Motor, eine Federung, Übersetzungen.
    Ich bin immer davon ausgegangen, Technic sollte den Kindern die reale Technik nahebringen. Aber das ist mit den neuen Sets doch kaum möglich.

    Oder liege ich da komplett falsch?

    1. Das hat sich Lego auch mal gedacht und hat für jeden Kleinkram neue Themen aufgemacht. Dann haste halt drölfzig Themen ein paar Modellen. Hast auch nix gewonnen, außer, dass sich die Überschrift ändert (man könnte eigentlich noch mehr zusammenfassen).
      Wenn’s Dich nachts besser schlafen lässt: Rechts oben steht „Pull-Back“, nenn es also einfach „Pull-Back“.

      1. Ich schlafe auch so nachts ziemlich gut, mir egal, was Lego auf ihre Kartons druckt.

        Aber ich gebe dir Recht, es wurden immer mehr Themenreihen kreirt, mit ein paar Modellen gefüllt und angepriesen.
        Ob es das besser macht? Wohl kaum.
        Ich gehe dennoch mal davon aus, dass sich die Pullback Modelle gut verkaufen lassen. Denn: aufziehen und losfahren macht als Kind natürlich Spaß.

  2. Hmmm…
    Es ist schon sehr teuer und erreicht auch meiner Meinung nach für keine Zielgruppe ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, das ist schon klar.
    Dennoch finde ich die harte Kategorisierung nach „Kinder-Spielzeug“ und „Display“ zu binär. Die zu sehr nach Kinder-Spielzeug aussehenden Sachen werden irgendwann uninteressant aber man hört deswegen nicht direkt mit Spielen auf.
    Es gibt z.B. auch diverse F1, DTM, Supercar usw. ‚Aufziehautos‘, die dann durchaus den realen Vorbildern entspechen sollen, inklusive Werbung. Wobei auch hier dann schon drauf geachtet wird nicht zu crashen und dem Lack nicht zu (sehr zu) schaden. Mit Fantasie-Karossen kommt man da nicht mehr weit.

    Von daher finde ich Modelle dieser Art, wobei dann die konkreten Einzel-Modelle eher in Richtung Spielzeug oder ‚Display‘ tendieren können, nicht verkehrt. Insbesondere weil durch die Ratsche deutlich systematischer gespielt werden kann.

    Eigentlich fand ich den Shelby deutlich schlechter, als den Porsche (weil der Porsche eben so stabil ist), würde aber mittlerweile auch den Shelby etwas aufwerten.

    Preis-Leistung bleibt trotzem kac.. 😉

  3. Dem Porsche 99X kann man ja immerhin zu gute halten, dass das Vorbild außer einer Lenkung eh keine weiteren mechanischen Funktionen hätte (oder ist das auch schon steer-by-wire?), aber genau dafür ist der Preis ein schlechter Witz – will man ein größeres Pullback-Auto, so gab es vor paar Jahren mal die Option, die beiden Sets zu einem großen zu kombinieren.

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