LEGO Güterzug 4563 von 1991 im Classic Review

In diesem LEGO Eisenbahn Set war erstmal ein 9V Trafo enthalten.

LEGO Güterzug 4563 Review
LEGO Güterzug 4563 Review

1991 war alles neu, zumindest für LEGO Eisenbahn Fans. Adieu 12 Volt System, adieu Batterie- und Schiebezüge. Abfahrt mit 9 Volt, so hieß zukünftig die Devise.  Da zuvor auch schon die elektrischen Bauteile aller anderen Systeme auf 9 Volt umgestellt worden waren, war dieser Schritt aber zwangsläufig und logisch. Schließlich ergaben sich dadurch deutlich mehr Möglichkeiten, bis hin zur einfachen Kombination mit dem Technic Control-Center.

Die Umstellung war insgesamt sehr tiefgreifend, diverse damals getroffene Entscheidungen und Änderungen haben in ihren Grundzügen bis heute Bestand. So wurden die Gleise einteilig, und die Weichen bekamen eine neue Geometrie. Beides gilt heute noch, auch wenn die Gleise im Zuge der RC-Umstellung ihre metallenen Stromleiter verloren haben. Für die Motoren wurden dekorative Seitenwangen entwickelt, und die Radsätze wurden optisch deutlich realistischer gestaltet.

Die Originalverpackung

Zurück zum Güterzug-Set 4563. Es ist verpackt in einem relativ kompakten Karton, der aufklappbar ist und mittels Sichtfenstern Einblick auf den Inhalt gewährt. Neben Detailbildern des Sets sind auch alternative Modelle abgebildet, wie es seinerzeit noch üblich war.

Die untere Hälfte der Box besteht aus zwei Sortiereinsätzen. Einer davon enthält den Geschwindigkeitsregler, was ebenfalls ein Novum darstellte: zuvor musste der Trafo immer separat gekauft werden, hier war er erstmalig mit im Set enthalten. Dadurch erscheint auch der damalige Preis von 159 DM zwar nicht unbedingt als Schnäppchen, aber durchaus als fair.

Die (laut Bricklink) 455 Bauteile verteilen sich auf 6 Beutel, eine Nummerierung gab es damals noch nicht.

Der Aufbau

Die Bauanleitung umfasst 32 Seiten, worin sogar die Anleitung eines Alternativmodells enthalten ist. Zunächst entsteht ein kleiner gelber Gabelstapler, sowie ein Motorrad als potentielles Ladegut sowie eine Sackkarre. Die Lok entsteht in 17 Bauschritten und enthält einige – damals neue – Teile, die bis heute Verwendung in unzähligen Sets finden: die 1×2 Steine mit seitlicher Riffelung, sowie die 1×1 Steine mit Haltegriff. Deutlich seltener zum Einsatz kam das Formteil mit den Scheiben sowie das Dach. Weiterhin ist die Lok auch bereits für den Einbau einer Beleuchtung vorbereitet.


Da – im Gegensatz zu den LEGO Zügen mit Infrarot- bzw. Bluetooth-Fernsteuerung – weder ein Batteriekasten noch ein Empfänger verbaut werden müssen, ist die Konstruktion einer derart kompakten Lok überhaupt erst problemlos möglich. Es ist sogar ausreichend Platz für ein Motor-Imitat, welches nach dem öffnen einer der vier Wartungs-Türen in der Schnauze sichtbar wird.

Die Waggons

Das Set enthält einen offenen Niederbordwaggon, einen Rungenwagen sowie einen geschlossenen Güterwagen. Speziell der Niederbordwaggon bietet durch die speziell gestalteten Seitenteile eine sehr realistische Optik. Damals ebenfalls neu waren die Schiebetüren des geschlossenen Waggons, diese sind dünner als ihre Vorgänger und können daher platzsparend „ineinander“ verschoben werden.

Abgerundet wird die Sache durch das Ladegut, zum einen eine Palette mit Fässern, zum anderen ein kleiner Traktor der in einer Transportbox fixiert ist.

Und los geht’s

Beim Aufbau des Gleisovals zeigt das 9V-System seine große Stärke, denn die Schienenteile sind ruckzuck zusammengesteckt. Es ist überhaupt kein Vergleich zum komplizierten und fummligen Aufbau des Vorgängersystems.

Die Einspeisung vom Netzteil kann beliebig an jedes Gleisteil angeschlossen werden, bei meinem Set waren sogar noch die Kabel einwandfrei und unbeschädigt. Auch der Motor hat die mehr als 25-jährige Lagerzeit gut überstanden, der Zug flitzt sofort los.

Fazit

Insgesamt ist dieser kleine Güterzug sicherlich nicht so „ikonisch“ wie manch anderes Eisenbahn-Set. Inhaltlich und preislich war es allerdings das perfekte Einsteiger-Set, demzufolge ist es heute immer noch recht häufig zu finden. Nach nur drei Jahren Laufzeit wurde es bereits 1994 durch Set 4564 abgelöst, welches sich ähnlicher Beliebtheit erfreute.

  1. Dieses Set erinnert mich sehr an meine Kindheit. Für mich war das eine der drei Bahnen, die ich zu der Zeit immer haben wollte. Zusammen mit dem Metroliner(4558) und dem nachfolgenden Güterzug (4564) waren die ein unschlagbares Trio. Das war damals so oder so auch eine gute Zeit für Bahn-friends! Der Bahnhof(4554) plus Neuauflage(2150) waren der Hammer! Ich fand das System auch super: eine Erweiterung mit Licht war möglich, KEINE Batterien! – Okay wenn du mehrere Züge hattest, sind die halt alle gleichzeitig gefahren. Zu der Zeit gab es dazu auch noch einzelne Wagons, Bahnübergänge und Schienen sortenrein als Erweiterung (Weichen, Kurven, Geraden und eine Kreuzung).
    Ich will gar nicht der sogenannten „guten alten Zeit“ hinterher trauern, aber hierbei denke ich schon ab und an zurück…

  2. Wie fast immer führen mir diese Classic Reviews vor Augen, wie weit sich Lego in manchen Bereichen entwickelt hat. Wenn Lego heute noch solche Sets rausbringen würde, hätte ich nie wieder damit angefangen, und ich bezweifle auch, dass viele Kinder sich noch für ein simplistisches dreifarbiges Spielzeug interessieren würden.
    Klar wäre es schön, wenn es mehr Fantasie gäbe, aber solange man die Kinder nicht von anderem modernen Spielzeug/Entertainment fernhält (vielleicht mal von Büchern abgesehen), wird man auch im analogen Spielzeugsegment eine realistischere Optik bieten müssen.

    1. Wie schon Austin Powers sagte: „Au contraire, baby.“
      Ich hab hier mehrere kleine Racker erlebt, die ganz vernarrt in dieses Set (und den Metro Liner) waren. Alter zwischen 4 und 10. Ich denke also so ein Set würde nach wie vor recht gut klappen. Zu allem Überfluss konnte man sich damals auch noch mit zusätzlichen Einzelsets eindecken und damit den Bahnalltag mit z.B. einem Bahnhof, einem Schüttgutwaggon oder einem Bahnübergang mit Wärterkanzel vervollständigen.

      Die Kinder wollen vor allem spielen, das hat 1991 schon funktionert und das tun die auch Heutzutage noch gerne. Gerade was die Spielfunktionen angeht ist dieses Set doch klasse, aber das bekommt Lego auch mit Set 60198 für meinen Geschmack immer noch gut hin (auch wenn ich zu öffnende Türen bei der Lok vermisse).

      Ich hab jedenfalls noch nicht erlebt dass sich eins der Kiddies beschwert hätte, dass die Optik unrealistisch wäre… das interessiert die eigentliche Zielgruppe genau Nüsse, im Gegensatz zu den T- und A-FOLs von Heute 😉

    2. Die Geschmäcker sind eben unterschiedlich. Mir gefallen die meisten aktuellen (City)-Sets überhaupt nicht, aufgrund der Verwendung von unzähligen Bonbonfarben und aufgrund der aufgeblähten Designs.
      Scheinbar gibt es aber genügend Interessenten und Käufer für beides, alte Designwelt und neue Designwelt.

  3. Ein wunderschönes Set und ein gutes Review, danke für den Ostermontägigen Ausflug in die Vergangenheit *nostalgie-schwelg*
    Absolut perfekt macht für mich das Set, dass es ein B-Modell für das komplette Set gibt! Für eine Eisenbahn! Mit Anleitung! Schade wurde das beim Review nicht aufgegriffen.

  4. Moin!

    Vielen Dank für das tolle Review. Ich hatte das Glück, 1994 meine eigene 4563 für 214,99 DM in einem kleinen Spielzeugladen zu erstehen und genau das oben beschriebene Gefühl des Aufbaus (und Spiels) zu erleben.
    Alex schrieb ganz oben, daß die 3 Bahnen (und 4558 und 4564) ein „unschlagbares Trio“ waren und das kann ich voll bestätigen, denn beide Bahnen habe ich im gleichen Jahr für jeweils 199,99 DM (habe noch die Quittungen) erstehen können. Dadurch hatte ich 3 Bahnen, 2 Trafos und seeeeeehr viele Kurven …
    Meine Eltern hatten 1993 ein Haus gebaut/bauen lassen und mein Bruder hat im Frühling 1994 unseren Dachboden ausgebaut, sodaß ich auf ca. 3×6 Metern eine tolle Fläche für meine wachsende LEGO-Welt hatte. Gerade und vor allem diese Eisenbahnen machten meine Stadt sehr lebendig und auch diverse Umbauten (vor allem als Space-Bahnen) zeigten damals (wie heute) die kreativen Möglichkeiten auf, die HNull-, oder SpurN-Bahnen nie erreichen konnten.
    Bis heute liebe ich meine Züge, was ich beim letzten Steinewahn (2019) und dieses Jahr bei einer (Modell-)Eisenbahnausstellung in Alt-Marzahn unter Beweis stellen konnte.
    Ich habe mit der Zeit angefangen, die Hänger aus der 4563 nachzubauen und bin mittlerweile bei 7 blauen Flachwagen, welche zusammen mit den langen roten (4543) ein echt gutes Bild ergeben. Bei der Ausstellung waren sie mit Lollies bestückt, welche sich die Kinder herunternehmen konnten .. aber zurück zur 4563:
    Erwähnenswert wäre noch, daß es auch zwei verschiedene Varianten und Bauanleitungen gibt, da das Bauteil 2924 (Fensterfront) in zwei Varianten hergestellt wurde und auch bei der 4551 verschieden eingebaut wird. Bei BL ist ein Vermerk dazu, welche Teile anders sind.
    Allen die die Bahn haben: Allzeit gute Fahrt!
    … und allen anderen auch.
    Und allgemein ALLEN: Frohen Ostermontag!

    LG Bruno

  5. Dieser Zug war die erste Lego Eisenbahn die ich jemals bekommen habe nämlich zu Weihnachten 1992. Witzigerweise bekam ich bereits ein paar Tage vorher bei einer Feier des Gartenvereins, bei der auch ein Weihnachtsmann auftauchte, eine Packung 9 Volt Schienen geschenkt. Somit war damals klar was am Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum liegen sollte.
    Toll auch endlich mal einige DM Preise von Sets aus 1991 zu sehen. Diese waren ja im Lego Katalog zur damaligen Zeit nicht angegeben. Interessant dass der gelbe Bahnhof auf der hier gezeigen Verpackung gezeichnet ist obwohl es schon ein Bild des aufgebauten Sets gab.

  6. Hatte ich nie, (vielleicht auch deshalb…) sind Züge nicht meine Welt. Aber die Classic-Reviews sind für mich trotzdem immer ein Highlight – Kataloge, Kartons, Aufmachung und Preise in DM… 🙂

  7. Der Tag, an dem Weichen, Schranken, Signale und Waggonentkopplung von cool auf manuell umgestellt wurden. Beleuchtung im Zug ging noch, yeah, Beleuchtung an der Strecke war dahin.

    Den Schritt hab ich als Kind schon nicht verstanden, ich fand das echt „gemein“ von Lego. und auch heute will das noch nicht in meinen Kopf, dass sie die Möglichkeiten des alten Systems nie wiederhergestellt haben.

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