Es ist Liebe auf den zweiten Blick. Wobei Liebe natürlich ein ziemlich starker Begriff ist. Nennen wir es mal besser: Akzeptanz. Oft täuscht ja der erste Eindruck und der nervige neue Arbeitskollege, den man zunächst gar nicht leiden konnte, wächst einem dann doch ans Herz. Ehe man es sich versieht, trifft man sich dann plötzlich sogar auf ein Bier. So ähnlich verhält es sich auch mit „LEGO Masters“: In der nunmehr vierten Folge der dritten Staffel regt man sich schon gar nicht über die Macken dieser Show auf, im Gegenteil. Stattdessen schaltet man auch an diesem Freitagabend ein, sieht zwei Stunden munteres LEGO-Bauen und findet es am Ende sogar ganz nett.
Wahrscheinlich liegt das Geheimnis darin, sich einfach oft genug berieseln zu lassen, dann stumpft auch der letzte Widerwille ab, dann ist selbst der flachste Hartwich-Spruch irgendwie ganz lustig und der reißerischste Schnitt fällt einem auch nicht mehr auf. Wenn es dann heißt, der begehrte Pokal sei in den „Feuern von Billund“ von Juror René Hoffmeister geschmiedet worden und wenn Daniel Hartwich und Elisabeth Kahl-Backes plötzlich auf dänisch quasseln, ja, dann lacht man tatsächlich ein bisschen mit.
Und manchmal landet Herr Hartwich sogar einen echten Brüller. Nein, im Ernst, sein Kommentar zur ersten Bauherausforderung, bei der die Kandidaten Alltagsgegenstände so realistisch wie möglich nachstellen sollten, hatte richtig Tiefgang: „Chinawochen bei LEGO Masters“. Fast könnte man darin eine Spitze gegen die unzähligen Alternativklötzchenfirmen aus Fernost sehen.
LEGO Masters: Paartherapie dänischer Art
Da sind wir schon mitten im Thema. Aus einer Lampe, einem Plattenspieler, einem Fotoapparat, einer alten Videospielkonsole und einem Radio sollten die Kandidaten exakte Klötzchenkopien bauen. Während einige die Aufgabe mit Bravour meisterten, hatten andere hingegen sowohl mit dem Gegenstand als auch mit sich selbst zu kämpfen. Namentlich: Gary und Christin. Schon in der letzten Sendung hing der Haussegen schief, doch heute machte man sich zwischenzeitlich Sorgen, dass einer aus Frust das Produktionsstudio verlässt. Das wurde wohl auch für RTL, für die menschliches Drama doch eigentlich schon immer gefundenes Fressen war, ein wenig zu hitzig. „Wir schauen später nochmal vorbei“, hieß es von Daniel Hartwich leicht beklemmt aus dem Off.

Wenn man den beiden Berlinern beim Bauen dabei zuschaut, fühlt man sich zwangsläufig an eine Paartherapie erinnert. Man könnte schnell meinen, hier ein zerstrittenes Pärchen zu sehen, dass mit einer gemeinsamen Herausforderung seine Differenzen überwinden und sich beweisen will, zusammen noch etwas Großes schaffen zu können. Eine Paartherapie, die scheinbar Wirkung zeigt: Als Christin ihrem Gary-Berry, wie sie ihn liebevoll nennt, ihre schick gebauten Polaroid-Fotos vor die Nase schiebt, war der wieder Feuer und Flamme für seine Teamkameradin. Ein Glück. Die beiden sehen sich schließlich jeden Tag auf der Arbeit.
Nach drei Stunden angestrengtem LEGO-Werkeln standen die kleinen Nachbildungen schließlich – na ja, im Fall des Katzenpärchens Doris und Oliver wohl eher: Lagen sie. Die beiden schafften es nicht, den Kopf ihrer gelben Tischlampe so zu bauen, dass er auch tatsächlich oben hält. Aber macht ja nichts. Hat schließlich niemand gesagt, die Bauwerke müssen auch wirklich stehen. Ihren Trick, die Lampe einfach liegend zu präsentieren, ließ die Jury dann aber doch nicht gelten.
Klemmbaustein Masters
Viel Neues bekam man als Zuschauer in der vierten Folge nicht geboten: An Kandidaten und Eigenarten der Sendung hat man sich längst gewöhnt, nicht zuletzt an die Tatsache, dass alle Teilnehmer minutiös „Klemmbausteine“ statt „LEGO-Stein“ sagen. Dies führte diesmal allerdings zu teilweise absurden Situationen, etwa wenn Kandidat Tobias aus Bern erzählt, seine Kinder fragen immer, ob sie mit seinen Klemmbausteinen spielen könnten. Sicher, wie jeder weiß, liegen kleinen Knirpsen veramtsdeutschte Nominalkomposita viel lockerer auf der Zunge als „LEGO-Stein“. Aber man will ja schließlich keine Werbung machen! LEGO Masters und Werbung? Nein, niemals!
Und die Smyths Toys-Spots vor und nach jeder Pause werden natürlich auch nur gezeigt, um Lust auf das riesige Sortiment von Baby Born zu machen. Denn nach einer Folge LEGO Masters wünschen sich Kinder schließlich nichts sehnlicher als die neue Puppe mit Pippi-Funktion. Ist doch logisch.

Eine Neuerung gab es allerdings schon: Nach jeder Werbeunterbrechung wird nämlich nun zusammengefasst, was in den letzten Minuten der Show passiert ist. Das klingt dann immer sehr nach großem Fernsehepos: Was bisher geschah. Allemal besser, als mit übertriebenen Vorschauen zu ködern, die sich am Ende als harmlose und aus dem Zusammenhang gerissene Banalitäten herausstellen.
Perspektivlos
Die zweite Aufgabe folgte unmittelbar. Fünf große Bilderrahmen warteten darauf, mit den vorher gebauten Gegenständen befüllt und ausgeschmückt zu werden. Anforderungen der Jury: 3D-Effekte mussten her. Und: Perspektive. Ein Wort, das man irgendwann nicht mehr hören konnte.
Die Teams taten sich diesmal sichtlich schwer und am ehesten blühte hier noch jemand auf, der eigentlich gar nicht mitmachen durfte: Juror René Hoffmeister. So oft, wie er darüber sprach, wie er sich das perfekte LEGO-Gemälde vorstellt, hatte man das Gefühl, er würde am liebsten selbst gleich mit dem Bauen loslegen. Wahrscheinlich wäre dabei auch etwas viel Besseres herausgekommen als bei den Kandidaten. Deren Kunstwerke sahen nämlich eher so mäßig aus.
Ausnahme: Justin und Dominik. Aber das wundert ja inzwischen nicht mehr. Mit den beiden ist jede Folge „LEGO Masters“ so ein bisschen wie eine Saison der Fußball-Bundesliga. Man kann es sich noch so spannend reden, am Ende gewinnt dennoch immer der FC Bayern. Und die beiden sind eindeutig so ein LEGO-Masters-FC-Bayern. Wer den Titel will, muss erst dieses Duo schlagen. Ironie bei der Sache: Justin kommt aus Dortmund.

Allerdings sollten die Jungs aufpassen, dass ihnen die Anerkennung nicht zu Kopf steigt. Dominik legt sich da gerne schon einmal mit der Jury an und gibt sich allzu überzeugt, den goldenen Stein auch diesmal ganz sicher nicht zu brauchen. Fällt dann doch eine tanzende Maus aus ihrem Gemälde direkt bei der Präsentation vor der Jury, kommt man als Zuschauer nicht drumherum, ein bisschen schadenfroh daher zu grinsen. Tja, passiert wohl den Besten.
Am Ende hingen sie dann, die fünf Gemälde und wie es so bei Kunst ist, kann man selbst das missratenste Werk immer noch damit rechtfertigen, Kunst zu sein. Für solche Debatten konnte sich die „härteste Jury aller Zeiten“ aber nicht begeistern und so musste auch heute eines der Paare die Heimreise antreten – Doris und Oliver. Sie sind der lebende Beweis: Katzen haben wohl doch nur vier Leben. Zumindest bei LEGO Masters.





