Seit dem Jahr 2005 bietet der dänische Spielwarenhersteller jedes Jahr einige sogenannte LEGO Inside Touren in Billund an. Zum Abschluss jeder Tour gibt es für die Teilnehmer ein exklusives Set. Einige dieser Raritäten haben wir euch hier im Blog schon vorgestellt.

Überblick der LEGO Inside Tour Sets von 2005 bis 2014

Die Geschichte dieser Sets wird jedes Jahr fortgeschrieben. Jedes Set ist mittlerweile ein eigenes Meisterwerk. Die Modelle stellen jeweils ein Meilenstein in der LEGO Geschichte dar.

Godtfred Kirk Christiansen vor einem Model des Flughafen Billund

Ein solcher Meilenstein war sicherlich der Bau des Flughafens in Billund. Für damalige und auch noch für heutige Verhältnisse ist es schon erstaunlich, wie groß der Flugplatz für ein so kleines „8.000-Seelen-Dorf“ ist. Am 10. September 1962 wurde der Billund Airport offiziell eröffnet. Die Piper von Godtfred Kirk Christiansen war das erste Flugzeug, welches dort gelandet ist.

Die Original Piper PA-23-250 Aztec B von 1962

Von manchen LEGO Inside Tour Sets gibt es im Internet Bauanleitungen, teilweise sogar auf der LEGO Website, von anderen gute Bauvideos auf YouTube. Von der LEGO Piper (4000012) aus dem Jahr 2012 ist bisher leider nirgendwo eine Bauanleitung zu finden. Auch existierten, zumindest vor zwei Jahren, keine guten Bilder im Netz, weder von der Set-Verpackung noch von einer zusammengebauten Piper. Als ich 2015 das erste Mal das Set-Archiv im Keller des LEGO Idea House betreten durfte, hatte ich zwar das Set in den Händen, aber in der Aufregung vergessen, gute Bilder zu machen.

Zusammen mit Thomas und Peter aus dem Doctor Brick Forum habe ich versucht, das Set so gut wie es geht nach zubauen. Meines Wissens gibt es bis heute noch keine Bauanleitung dafür. Eine große Erleichterung für uns war die Teileliste, die es auf Brickset gibt. Nach mühsamer Überprüfung mit der „Teile und Steine Liste“ bei LEGO sind wir uns auch mittlerweile ziemlich sicher, dass diese Liste stimmt. Worüber wir uns wundern, ist die Teileanzahl auf der Set-Vorderseite. Denn das Set besteht in Wirklichkeit aus knapp 170 Teilen weniger. Auch andere Inside Tour Sets aus dieser Zeit haben 795 als Teilezahl aufgedruckt. Wir nehmen an, dass sich hier die Designer der Sets einen Spaß erlaubt haben.

Wie ihr am Bild seht, sind es nicht so viele Teile. Besondere Teile sind nicht verbaut, bis auf sehr wenige Ausnahmen sind die Teile alle einfach zu besorgen. Lediglich eine Slope wurde nur noch in einem LEGO Creator (7292) Flieger verbaut.

LEGO Creator (7292) aus der Brickset-Datenbank

Bevor ich mit den ersten Bauversuchen angefangen habe, ist mir noch ein altes Modell aus den 60er Jahren eingefallen: das LEGO Airplane (320) von 1965. Eine verblüffende Ähnlichkeit zum originalen LEGO Flieger.

Die folgende Beschreibung mit den vielen Bildern soll eine Hilfe sein, für alle, die das Set auch gerne nachbauen möchten. Wir haben nicht den Anspruch, dass der Flieger und die anderen Teile des Sets hundert  prozentig so gebaut sind, wie es sich die Designer in Billund vorgestellt haben. Wie Thomas sehr treffend einmal anmerkte, eine genaue Kopie des Originalsets kann nur gebaut werden, wenn irgendwann einmal eine originale Bauanleitung von der Piper auftaucht. An alle, die das Set zu Hause haben, wir sind immer noch auf der Suche …

Diese Teile blieben bei mir übrig

Angefangen habe ich mit den leichten Teilen des Modells. Der Werkzeugwagen und die Windfahne waren einfach und schon sind es ein paar Teile weniger, die zugeordnet werden müssen.

Als nächstes kommt der Tower dran.

Bis hierhin hat sich mir noch jeder Bauschritt erschlossen. Bei der schwarz/weißen Front wurde es dann schon ein wenig schwieriger.

Mit den Clips oben wird die Front am Tower befestigt.

Das Dach mit der Leitstelle bekam ich nach einigem Tüfteln auch hin.

Als der Tower fertig war, fehlten schon eine ganze Menge der abgezählten Teile. Wenn alle kleinen und großen Elemente des Sets zusammen sind, ergibt das eine sehr schöne Flughafenszene, die auch zu einer LEGO City gut passen würde.

Beim Tower sind wir uns relativ sicher, dass er analog zum Original-Set nachgebaut ist. Der Präsentationsständer für die Piper ist da schon eine andere Geschichte. Hier bin ich mir bis heute nicht sicher, ob so alles richtig gebaut ist.

Nun ging es endlich an die Piper. Nach einer durchgebauten Nacht hatte ich ein grobes Modell vor mir stehen. Mit manchen anderen Teilen als in der Liste vorgesehen waren, dafür blieben auch welche übrig. Irgendwann nach bauen, zerlegen, neu bauen und das ganze noch einmal von vorne, war ich froh, wenigstens das Flugzeug so hinbekommen zu haben. Kleine Änderungen und Tipps von Thomas und Peter wurden danach noch mit einbezogen, aber im Großen und Ganzen passte der Flieger schon.

Hier fehlen die vorderen Slopes noch, die Bestellung dieser Teile hatte damals etwas länger gedauert. Jeder, der schon einmal eine Nacht durchgebaut hat und dann am frühen Morgen vor seinem Modell sitzt, kann vielleicht ein wenig nachfühlen, was das für ein tolles Gefühl ist. Auch wegen solchen Momenten bin ich Fan der ABS-Produkte aus Billund.

Was dem Modell aber eindeutig noch fehlt, sind die Aufkleber. Es gibt nirgends ein Bild oder ein Scan des Original-Stickerbogens. Hier hat uns Harry aka Steindrucker geholfen. Diesen Tag werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Harry hat in mühevoller Kleinarbeit und nur anhand von einigen schlechten Bildern einen perfekten Stickerbogen gezaubert.

Jetzt endlich war der Vogel komplett.

Ein Typenschild hat er mir auch noch nach meinen Wünschen gedruckt. Ich wollte hier absichtlich nicht den Text von der Inside Tour kopieren.

Hier noch ein paar Detailbilder der Piper, für alle Nachbauer.

Insgesamt sind im Set fünf Minifiguren enthalten.

Interessant sind der Pilot und der Passagier. Thomas hat hier einmal recherchiert und folgendes herausgefunden:

„Der Passagier mit der charakteristischen Brille sollte Godtfred Kirk Christiansen sein, Sohn von Ole Kirk. Er hat 1958 die Leitung des Unternehmens übernommen und war bei der Eröffnung des Flughafens und der Begrüßung der Piper nach Überführung aus den USA dabei und dürfte einer der häufigsten Passagiere gewesen sein. Der Pilot müsste LEGO’s damaliger Chefpilot H.E. Christensen sein, der spätere Chef des Flughafens.“

Zum Schluss noch ein Bild mit allen einzelnen Elementen.

Mein Fazit:

Wie ihr vielleicht gemerkt habt, hängt mein Herz an diesem Set ganz besonders. Es hat Spaß gemacht, mit Freunden aus dem Doctor Brick Forum das Set zu entwickeln und sich darüber auszutauschen. Die „Konversation“ ging damals über mehr als sieben Seiten im Forum. Auch wenn vielleicht die eine oder andere Abweichung zum Originalset verbaut ist, so bleibt das doch „unsere“ Piper. Wer Lust hat, das Set nachzubauen, der kann mich gerne über E-Mail anschreiben, ich werde helfen, wo ich kann.

Steckbrief:

Artikelnummer: 4000012      
Set-Name: Piper Airplane
Teilezahl: ca. 625
Bauzeit: 2012
Baureihe: Inside Tour Exclusive
Verkaufspreis:

10 KOMMENTARE

  1. Eine richtig tolle Leistung von euch. Ja, sollte es als Set geben, bin ich auch der Meinung. Bekommt man die Bauanleitung nicht von Lego? Die müßten sie doch auf ihren Serven haben.

  2. I’ve got a few picture of the original instructions that i can share with you. Where Can i send them please ?
    I bricklinked it and the aircraft is not easy to build like the original…with a few rare parts for the canopee.
    I talked un Billund with Mel Caddick, designer of the set,and she couldn’t send me thé instructions, she searched on the net and unfortunately found nothing.
    Please tell me about the email adress to share a few sheets.

  3. Der Nachbau des Sets hat wirklich Spaß gemacht, den Löwenanteil hatte aber tatsächlich Wolfgang beim Rebrick 🙂 Die Modelle der Inside Tour und die Weihnachtssets für die Mitarbeiter sind auch mir ganz besonders ans Herz gewachsen. Ich freue mich jedes Jahr, wenn bekannt wird welche Spezialitäten aus der LEGO-Historie als Sets umgesetzt wurden. Die diesjährige Inside-Tour geht bald los, mal schauen was in diesem Jahr hinzu kommt …

  4. Schöner Beitrag Wolfgang, war ein schönes Projekt und ich erinnere mich grad wieder wie wir das am LDD gebaut haben, hat echt Spaß gemacht, und mir fällt ein das ich die Aufkleber von Harry noch liegen habe, muss mich endlich mal an die Arbeit machen um dieses tolle Set auch in die Vitrine stellen zu können.
    Außerdem sollten wir sowas mal wieder zusammen machen, fehlt nur ein passendes Set.

  5. Vielen Dank für die umfangreiche Berichterstattung zum Bau.
    Das spornt mich an, dieses und andere Modelle nachzubauen.
    Bei mir sind es vor allem die ComicCon StarWars-Modelle, von denen es häufig Teilelisten, aber selten eine Anleitung gibt. Habe bei youtube mal einen gefunden, der (im „Schnellaufbau“) Bilder der einzelnen Baustufen hochgeladen hat, das war ein Krampf, den Player immer wieder anzuhalten und die Bilder abzufotographieren…

    Weiter so und nochmals Danke

    Bruno

  6. Sehr geil Wolfgang! Und ein hübsches Set hast Du ausgesucht! Bei all dem Anleitungen und Bildern im Netz ist es schwierig, etwas zum Tüfteln zu finden. Es ist ein wenig schade, dass das Internet einem die Erfahrung des Entdeckens im Laden irgendwie beraubt.

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