Wie bei einer neuen Produktlinie nicht anders zu erwarten, fiel die Anzahl der Neuheiten sehr umfangreich aus. Die Kataloge und Datenbanken verzeichnen nicht weniger als 28 neue Sets, die sich wie folgt zusammensetzen:

Die einzelnen Loks (7750, 7760, 7810)

Neben kompletten Zuggarnituren durften auch einzelne Loks nicht im Angebot fehlen. Da man für eine 4,5-Volt-Lok einen zusätzlich notwendigen Batteriewagen hätte mitliefern müssen, teilte sich das Angebot auf in eine Schiebe- und zwei 12-Volt-Loks.

• Die Schiebelok 7810 ist eine sehr einfach aufgebaute Dampflok und erfüllt damit die Aufgabe als preisgünstiges Einstiegsmodell. Wie alle anderen Dampfloks auch, besteht sie aus einem schwarzen Aufbau, der auf einer roten Grundplatte gebaut ist.
• Die große Dampflok 7750 kommt deutlich stattlicher daher, sie ist ebenso wie 7740 bereits serienmäßig mit Beleuchtung ausgestattet. Dazu kommt der rote 12-Volt-Motor, der allerdings im Tender verbaut ist. Einzigartig sind die etwas größeren Räder, die nur in diesem Modell verwendet wurden.
• Die blaue Rangierlok 7760 besitzt ebenfalls ein paar exklusive Teile, nämlich Fenster und Gewichtssteine in blau. Neben ihrer Rangieraufgaben wurde und wird sie auch gerne als Zugmaschine für einen kleinen Güterzug verwendet.

Waren diese Loks einstmals als Ergänzung zum Sortiment gedacht, so sind besonders die beiden 12-Volt-Loks heute relativ teure Sammlerstücke. Sofern komplett und mit Originalverpackung, wechseln sie häufig für höhere Preise als komplette Zug-Sets den Besitzer.

Auch hier sind die Verpackungen einer Erwähnung wert: die Schiebelok kam in einem Klappkarton, wie er auch für die einzelnen Waggons verwendet wurde und im nachfolgenden Abschnitt beschrieben wird. Die beiden motorisierten Loks erhielten dagegen – ebenso wie die größeren Zug-Sets – aufwendig gestaltete Styroporboxen mit separaten Kunststoffeinsätzen.

Die einzelnen Waggons (7814, 7816, 7818, 7820)

Ebenso wie einzelne Loks, musste es natürlich auch einzelne Waggons geben: etwas, das im heutigen aktuellen Eisenbahn-Sortiment sehr schmerzlich vermisst wird. Die Verpackungen der Waggons sahen äußerlich wie unspektakuläre Pappboxen aus. Allerdings hatte Lego einen Aufwand betrieben, der heute undenkbar wäre. Die innere Vorderseite war bogenförmig abgeschrägt, so dass der Deckel nach hinten aufgeklappt werden kann ohne dabei zu verhaken. Die Abmessungen der Verpackungen sind so gewählt, dass sich die Waggons im zusammengebauten Zustand problemlos darin aufbewahren und transportieren lassen.

• Der Kranwagen 7814 ist sehr schnörkellos aufgebaut und verfügt dank des voll funktionstüchtigen Drehkrans über hohen Spielwert. Bemerkenswert sind die langen grauen Gitterstäbe, die als neue Spezialteile über die Folgejahre gesehen in nicht allzu vielen anderen Sets enthalten waren.
• Der Tankwagen 7816 ist optisch sehr simpel gestaltet, er wirkt fast wie ein Relikt aus der blauen Ära. Der Spielwert hält sich in Grenzen, einzig die dreifarbige Gestaltung des Aufbaus und die Shell-Schriftzüge sorgen für einen gewissen Hinguck-Effekt.
• Der Passagierwagen 7818 verdient besondere Erwähnung. Formal passt er sehr gut zum Schiebezug 7710, allerdings passt die rot-blaue-Farbgebung überhaupt nicht. Diese sollte 1985 bei 7715 – dem Nachfolger von 7710 – Anwendung finden. Zu diesem Zeitpunkt war der Waggon 7818 aber kurioserweise schon gar nicht mehr im Programm.
• Der komplett in rot gehaltene Postwagen 7820 passte sowohl zu Güter- als auch zu Passagierzügen. Durch große Türen konnten die Paletten mit der zu transportierenden Ware bequem be- und entladen werden.

Die Gebäude (7822, 7834)

Mit Gebäuden hielt man sich im ersten Jahr etwas zurück, hier sollte in den Folgejahren noch deutlich mehr folgen. Bemerkenswert bei allen Gebäuden ist die uneinheitliche Bestückung mit stromführenden Mittelschienen: diese waren bei manchen Sets enthalten, bei anderen dagegen nicht. Eine zugrunde liegende Logik ist dabei nicht erkennbar.


• Ohne Bahnhof keine Eisenbahn, hier kam 7822 ins Spiel. Imposant ist die Fußgängerbrücke die beide Bahnsteige miteinander verbindet, allerdings begrenzt diese den Bahnhof im serienmäßigen Zustand auf nur eine einzige Gleisspur. Insgesamt erinnern Farbgebung und Bauweise sehr stark an den Busbahnhof 379 aus dem Jahr 1979. Diese Ähnlichkeit war möglicherweise beabsichtigt, um beide Modelle harmonisch miteinander kombinieren zu können. Im Set enthalten sind genug Schienen für vier gerade Gleisabschnitte, allerdings ohne stromführende Mittelschienen.
• Optisch eher unscheinbar ist der manuelle Bahnübergang 7834. Sowohl das große graue Formteil für die eigentliche Überfahrt, als auch die beweglichen Bahnschranken wurden unverändert aus der blauen Ära übernommen. Nichtsdestotrotz integrieren sie sich harmonisch ins Gesamtbild. Die Minifig muss mit einem sehr kleinen und spartanischen Wärterhäuschen auskommen, die beigefügte Zypresse mindert die Nüchternheit aber doch etwas.

Die Gleispackungen (7850 bis 7860)

Vielfalt bis an die Grenze zur Unübersichtlichkeit, so könnte das Motto dieses Abschnitts lauten. Wie von Systemspielzeug nicht anders zu erwarten, verfolgte Lego auch hier das Konzept der modularen Aufrüstbarkeit. Dieses ließ sich jedoch nicht durchgehend anwenden, so dass manche Bahnteile in unterschiedlichen Versionen existieren: einmal für Schiebe- bzw. 4,5-Volt-Bahnen, und einmal für das 12-Volt-System. Wie bereits in der Einführung erwähnt, wurde das System dahingehend überarbeitet dass nun ein Clip-System zur Befestigung der Gleise zum Einsatz kam. Bei einer fertig aufgebauten Anlage ist der optische Eindruck nicht allzu sehr abweichend von der vorherigen blauen Ära, sieht man einmal von den farblichen Änderungen und der doppelten Anzahl an Schwellen ab. Weiterhin können beide Systeme miteinander kombiniert werden, die Züge fahren problemlos auf dem jeweils anderen System.

• Gleispackungen für Schiebe- und 4,5-Volt-Züge
Mit dem Inhalt von 7850 konnte man einen Abschnitt von 8 geraden Gleisabschnitten bauen. 7854 enthielt das Material für 8 gebogene Abschnitte, d.h. einen Halbkreis. Kreuzungen konnten mit 7853 realisiert werden, und manuelle Weichen waren im Doppelpack 7852 erhältlich.
• Gleispackungen für 12-Volt-Züge
Neben den bereits erwähnten Packungen mit geraden oder gebogenen Schienen, musste der Besitzer einer 12-Volt-Anlage auch noch die entsprechenden neuen stromführenden Mittelschienen nachkaufen: 7854 mit 8 geraden Stromschienen, 7855 dementsprechend mit 8 gebogenen. Die Kreuzung konnte nicht aufgerüstet werden, hier gab es eine separate Version 7857. Gleiches gilt für die Weichen, die manuell bedienbaren Versionen gab es ebenfalls im Doppelpack unter der Nummer 7856. Wer hier mehr Komfort haben wollte, griff auf die fernbedienbaren Versionen 7858 (Rechtsweiche) bzw. 7859 (Linksweiche) zurück. Mit der Signalanlage 7860 konnten einzelne Abschnitte der Gleisanlage stromlos geschalten werden. Damit war im vor-digitalen Zeitalter zwar kein echter paralleler Mehrzugbetrieb möglich, aber einzelne Loks und Züge konnten so angehalten oder auf Abstellgleisen geparkt werden.

Alle fernbedienbaren Gleiselemente haben eine Gemeinsamkeit: auf einer dunkelgrauen Grundplatte wird ein hellgraues Kästchen mit Stellmotor montiert. Dies geschah zunächst mit Hilfe von selbsttätig einrastenden Clips auf der Bodenplatte. Die so entstandene Verbindung war zwar äußerst stabil, aber leider kaum wieder zerstörungsfrei zu zerlegen. Versuchte man es trotzdem, brachen die Clips der Bodenplatte in den meisten Fällen ab. Bei späteren Versionen wurden daher die Clips weggelassen und stattdessen die hellgrauen Kästchen auf herkömmliche Art mit der Bodenplatte verbunden.

Bei den Verpackungen gab es im Lauf der Jahre Änderungen, besser gesagt Einsparungen. Zunächst kamen noch Styropor-Einschübe zum Einsatz, die 1989 von normalen Papp-Schubern abgelöst wurden. Dies ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil diese Änderungen zeitlich gesehen relativ kurz vor der Ablöse durch das 9-Volt-System stattfanden. Damit änderten sich auch die Abmessungen der Verpackungen. Viele Jahre lang hatten die Kartons ein aufgedrucktes Copyright mit der Jahreszahl 1980, die zuletzt produzierten Versionen hingegen zwei Jahreszahlen mit Komma getrennt: 1980, 1989.

Der Transformator und weitere Nachrüstpackungen (7861, 7863, 7864, 7865, 107 bzw. 810)

Die Aufrüstbarkeit des Systems zieht sich wie ein roter Faden durch die Eisenbahnkataloge, fast gebetsmühlenartig werden die gebotenen Möglichkeiten wiederholt. Beginnen wir aber zunächst mit dem wichtigsten Teil einer 12-Volt-Anlage, nämlich dem Transformator:

• Normalerweise ist ein Transformator nur ein notwendiges Übel, aber bei 7864 zeigt sich, wie sehr Lego seinerzeit an Details dachte. So ist der Reglergriff nicht fest mit dem Transformator verbunden, stattdessen lugt nur der Stummel einer Technic-Achse aus dem Gehäuseoberteil. Der Reglergriff lässt sich auf zwei Arten befestigen, so dass sowohl 12-Volt-Motoren, als auch 4,5-Volt-Motoren gefahrlos betrieben werden können. Zusätzlich lagen einige Teile bei, aus denen sich ein stilisierter Fahrhebel bauen lässt.
Auf der linken Gehäuseseite befindet sich eine Anschlussleiste, an der die Fernbedienungen von Weichen, Signalen & Co auf optisch elegante Art und Weise angedockt werden können. Damit lässt sich ein beeindruckendes Kommandopult aufbauen.
• Mit dem Beleuchtungssatz 7861 konnte man 12-Volt-Loks nachträglich mit Beleuchtung versehen. Die entsprechenden Spezialsteine lagen in roter und schwarzer Farbgebung bei, andere Farben sollte es zukünftig nicht geben. Allerdings waren alle Loks (auch die blaue 7760) so gestaltet, dass ein optisch verträglicher Einbau möglich war.
• Die Fernbedienung 7863 verwandelte die manuellen Weichen aus 7856 in die ferngesteuerten Versionen 7858 bzw. 7859. Zweifelsohne eine gute Idee, aus finanzieller Sicht fuhr man aber günstiger wenn man direkt die ferngesteuerten Versionen kaufte.
• Der 12-Volt-Motor 7865 wurde zur Nachrüstung der Schiebe- und 4,5-Volt-Loks benötigt. Allerdings wurde dieser Motor einzeln ausschließlich in der schwarzen Version angeboten, was einigermaßen merkwürdig anmutet. Denn mit Ausnahme von 7720 waren alle nachzurüstenden Modelle Dampfloks, hätten also sinnvollerweise einen roten Motor benötigt. Dem gegenüber stand möglicherweise die Überlegung, dass das Nachrüstset auch als Ersatzteil für verschlissene oder defekte schwarze Motoren notwendig war.
• Nicht übermäßig ausführlich beworben, aber dennoch möglich war die Umrüstung eines Schiebezugs in einen 4,5-Volt-Zug. Dazu war das Motorset 107 (ab 1985: Set 810) notwendig, sowie der Batteriewaggon. Dieser war einzeln im Service-Sortiment erhältlich.

Die Preise damals und heute

Durch zeitgenössische Quellen – hauptsächlich Kataloge von Spielwarenketten wie Vedes und Idee & Spiel – sind die damaligen Verkaufspreise teilweise bekannt:

• Schiebe-Passagierzug 7710 im Bereich 60 bis 70 DM
• 12-Volt-Güterzug 7730 im Bereich 130 bis 140 DM
• 12-Volt-Trans-Europa-Express 7740 im Bereich 170 bis 180 DM
• 12-Volt-Schlepptender-Schnellzuglok 7750 im Bereich 90 DM
• Bahnhof 7822 im Bereich 60 DM
• 7864 (Transformator) im Bereich 90 bis 100 DM

Berücksichtigt man die Kosten für den Transformator, war eine 12-Volt-Eisenbahn ein vergleichsweise teures Vergnügen von deutlich über 200 DM. Zum Vergleich: das Technic Auto-Chassis 8860 war für knapp unter 100 DM zu haben, was gegenüber den 260 DM für den Trans-Europa-Express 7740 mit Transformator beinahe wie ein Sonderangebot anmutet.

Dem Verkaufserfolg haben diese Preise offenbar nicht geschadet, denn wirklich selten ist keines dieser Sets. Bemerkenswert ist allerdings die Preisentwicklung bis in die heutige Zeit. Dass ungeöffnete MISB-Sets extrem teuer sind, ist keine Überraschung, denn dies gilt für praktisch alle Lego-Serien und -Themengebiete aus den 1980er Jahren. Ungewöhnlich sind jedoch die vergleichsweise hohen Preise auch für normale Gebrauchtware ohne Originalverpackung. Verglichen mit anderen Modellen von LEGOLAND Stadt, Weltraum oder Technic aus diesen Jahren sind diese bei der Eisenbahn relativ hoch, für Zug-Sets bewegt man sich fast immer im dreistelligen Preisbereich. Waggons und Gebäude bewegen sich im mittleren bis hohen zweistelligen Bereich.

Was in der Stadt los war

Das LEGOLAND Stadt Programm nahm 1980 ebenfalls Fahrt auf. Die bereits 1978 erschienenen Straßenplatten 300, 301 und 302 wurden um die Kreuzung 6304 erweitert. Damals noch grau in grau und ohne Radwege, dafür aber mit großzügigen 9 Noppen breiten, bebaubaren Flächen an jedem Fahrbahnrand. Fahrzeugmodelle mit der alten Bauweise waren fast völlig aus dem Katalog verschwunden, so dass praktisch alle Sets in der neuen, Minifig-kompatiblen Erscheinungsweise ausgeführt waren. Neben diversen Fahrzeugen sind besonders die Werkstatt 6363 und die Ambulanzstation 6364 hervorzuheben. Prachtvolles Highlight war die Main Street 6390, allerdings leider nur in den USA. Nicht zu vergessen ist die berühmte Stadtszenerie 1592, von der man lange Zeit dachte, dass sie nur in den USA und den Niederlanden zu bekommen war. Im Jahr 1983 wurde das Set unter dem Namen „Stadtmilieu“ aber auch in Deutschland als Sonderset bei Vedes und Spielzeug-Ring angeboten, mehr dazu in einem der nachfolgenden Kapitel.

Die nachfolgenden Beiträge zur Geschichte der LEGO Eisenbahn sind eine chronologische Zeitreise durch die Jahre 1978 bis 1991, mit Ausblick in beide Richtungen. Fortsetzung folgt …

Eine Übersicht aller LEGO Eisenbahn Artikel gibt es hier.

5 KOMMENTARE

  1. Das gehört zu den Dingen, die ich Lego echt krummnehme: Die Vernachlässigung des Eisenbahnthemas.

    Insbesondere die Zusatzausstattungen wie Leucht(!)signale und Weichen – ferngesteuert.
    (Ich erinnere noch gerne an den 1981 erschienenen roten Schienenbus).

    Und nun, 37 Jahre später?

    Die Blütezeit ist schon lange vorbei.

  2. Ja finde ich auch schade. Die Sets aus den 90er waren noch klasse. Was mich vor allem stört, ist dass alles Batterien betrieben ist und nicht mehr über Trafos. Einfach Trafo mit Gleisen verbinden und los gehts. Das mit heutigen Batteriepacks ist -.-

  3. Hallo Christian,

    schöner Beitrag!
    „Denn wirklich selten ist keines dieser Sets“ möchte ich etwas relativieren. Grundsätzlich haben LEGO-Sets der 80er nahezu allesamt durch das im Vergelich zu heute übersichtliche Gesamtprogramm relativ große Auflagen. Die 12V-Sets bilden jedoch eine Ausnahme, da sie nur regional in wenigen Ländern verkauft wurden. Spanien, Portugal, USA, Südeuropa, … Fehlanzeige. Wenn überhaupt gab es hier (selten) was aus dem 4.5V-Programm zu haben. Im Modelleisenbahnmekka der 80er, Deutschland, sind diese Sachen aber in der Tat trotz der oft hohen Preise gut verkauft worden. Aber auch hier gibt es seltenere Sets wie z.B. 7727 und 7810.

    Gruß
    ThomaS

  4. What a great collection! So many great ideas, in those boxes, LEGO seems to have forgotten about! Why can’t they reissue the good, old stuff every once in a while??

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