„Das bunte Wimmelbuch der LEGO Steine“ im Review

Das bunte Wimmelbuch der LEGO Steine

Das Leben ist eine Suche. Für uns LEGO-Fans gilt das in besonderem Maße: Ständig suchen wir nach begehrten Sammlerstücken, den besten Angeboten oder einfach nur nach einem Teil in einem Haufen Steine, das wir zum Zusammenbauen eines Modells benötigen. Da dürften Wimmelbücher doch eigentlich wie gemacht für uns sein.

Bekannte Franchises wie Star Wars und Marvel haben uns schon auf die Suche geschickt, Ortsschaften bessern mit stadteigenen Wimmelbüchern die kommunalen Kassen auf und wer Kinder in der Verwandtschaft hat, wird aufgehört haben zu zählen, wie viele Bahnhöfe, Dino- und Märchenwelten er schon durchforstet hat. Kurzum: Wimmelbücher sind im Trend. Auch vor der LEGO-Welt machen sie inzwischen nicht Halt.

Mit einem City-, DUPLO- und Harry-Potter-Wimmelbuch haben die Dänen zwar selbst schon vorgelegt, doch waren diese Bände allesamt gezeichnet und hatten nicht viel von dem noppigen Charme gebauter Szenerien. „Das Wimmelbuch der LEGO Steine“, das jüngst im HEEL-Verlag erschien, macht das besser. Und kein Geringerer als Joachim Klang, Star der deutschen LEGO-Designer-Szene, war bei diesem Projekt federführend. In Zusammenarbeit mit dem Kölner Fotografen-Duo Volker Glasow und Viktor Vahlefeld ist das wohl erste richtige LEGO-Wimmelbuch der Welt entstanden. Wir hatten die Gelegenheit, schon vorab zu wimmeln. Ein großes Dankeschön an den HEEL-Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars.

Durchblick behalten im Minifigurenchaos

Joachim Klang ist eine Institution unter deutschen LEGO-Fans. Ganze 15 Bücher hat „der Joe“ bereits herausgebracht, in denen er seine meisterlichen Kreationen präsentiert und den einen oder anderen Bautipp gibt. Seit Neustem berichtet er auch hier bei PROMOBRICKS in einer lesenswerten Kolumne über ausgefallene LEGO-Teile – ein Blick lohnt sich!

Mit dem „Bunten Wimmelbuch der LEGO-Steine“ folgt nun also sein nächster Streich. Zwölf von Joe Klang liebevoll gebaute Szenen warten darauf, nach kleinen Anekdoten und witzigen Details durchkämmt zu werden. Schlägt man das Buch auf, werden auf den ersten Seiten sodann einige Suchaufgaben gestellt und ein bisschen fühlt man sich hier, als würde man von einem schweren Mathe-Test kalt erwischt werden: Zu suchen und zu finden gibt es nämlich einiges.

Bevor man sich aber auch nur eine Szene angesehen hat, mag das alles zunächst etwas kryptisch klingen: Zwei Figuren entwickeln eine besondere Beziehung zueinander? Es gibt Figuren, die in drei aufeinanderfolgenden Bildern auftauchen? Welche Handlungen überspringen einige Bilder und gehen dann weiter? Und Berühmtheiten sollen hier wohl auch versteckt sein?

Nachdem man den Fragen-Schock jedoch verdaut hat, geht es gleich schon mit der ersten Szene los: Einem Hafen. An die Fülle der Suchaufträge kann ich mich jetzt zwar schon nicht mehr erinnern, aber mit jeder Figur, jedem kleinen Ereignis, das man sich ansieht, wird einem klarer, wohin die Reise führt. Oben leiten uns kleine Texte, immerzu locker und munter geschrieben, durch die Bilder und geben Hinweise darauf, worauf wir achten sollen.

Nebenbei erzählen sie aber auch die Geschichte einer großen Liebe: Vom ersten Bild an bis zum letzten werden wir Zeuge einer kleinen Romanze – besagte „besondere Beziehung“. Nur findet die Turteltauben erst einmal! Akribisch fange ich an, jede einzelne Figur nach Anzeichen einer liebevollen Turtelei zu scannen. Da ich das Paar einfach nicht ausfindig machen kann, blättere ich mich durch die nächsten Seiten. Ich kann euch versichern: Ja, am Ende werde ich sie gefunden haben – so wie auch viele andere herrlich komische Details.

Bild für Bild gelangt in das Minifiguren-Chaos Ordnung und man staunt, wie viel sich in und auch zwischen diesem Durcheinander doch abspielt. Und selbst nachdem ich jede der zwölf Szenen unzählige Male betrachtet habe, ich bin dennoch überzeugt, bei Weitem nicht alle kleinen Geschichten und Anekdoten entdeckt zu haben.

Im Vorwort sagt Joe Klang selbst, dass er nichts mehr mag, als mit Minifiguren große Geschichten zu erzählen. Hier durfte er sich so richtig austoben. „Das Wimmelbuch der LEGO Steine“ ist gespickt mit köstlichen Anspielungen, von denen ich euch nur zu gerne berichten würde – doch da ihr dann selbst kaum noch etwas zum Schmunzeln hättet, werde ich an der Stelle nicht allzu viel verraten. Nur so viel: Dem Witz der Anekdoten werdet ihr sofort erliegen.

Trotz seiner zwölf Szenen verbringt man schnell mehr Zeit mit dem Buch, als man zunächst denkt. Hin und her blätternd will man keine Anekdote auslassen, vergleicht, ob die eine Figur einem nicht schon vorher begegnet ist. Und wie so oft entdeckt man gerade, wenn man nicht gezielt sucht, die spannendsten Dinge. Eine Szene mit einem Konzert gerät schnell auch zum Schaulaufen berühmter Bands – Musikliebhaber wird es bestens amüsieren, die Village People, Queen, die Beatles oder KISS unter den Massen zu entdecken.

Kunst- und Wimmelbuch in einem

Die besondere Leistung dieses Bands besteht allerdings nicht allein darin, uns mit kniffligen Rätselns stundenlang an das Buch zu fesseln. Einem Großteil seines Charmes verdankt „Das Wimmelbuch der LEGO Steine“ auch seinen meisterlich gebauten Szenerien. Einmal mehr beweist Joe Klang, dass er zu den Besten der Szene gehört. Seine besondere Passion: Autos. Vom Traktor über Polizeiwagen bis hin zu Rennboliden kann ihm in Sachen Fahrzeuge keiner das Wasser reichen.

Doch sind es vor allem auch die unscheinbaren Dinge, die ihm mit überragendem Detailgrad gelingen, seien es Scheinwerfer, Laternen oder Bäume. Und so wird das Buch nicht nur zu einem fröhlichen Suchspiel, sondern auch zu einem bemerkenswerten Kunstband über Joe Klangs Bauwerke. Würde nicht ab und zu mal eine Noppe durchblitzen, vergisst man leicht, dass es sich bei diesen tollen Szenen doch wirklich alle um solche aus LEGO handelt.

Von Joe Klang kann man sich einiges abgucken. Mich hat nicht zuletzt fasziniert, wie es ihm gelingt, sonderbare Figuren so in den Szenen unterzubringen, dass es nicht allzu schräg wirkt. Ein Darth Vader in der LEGO-Stadt? Grotesk, aber bei einem Karnevalsumzug eine geniale Idee!

Gerade wie er einige abstruse Köpfe aus Lizenzthemen verwendet, ist wirklich meisterlich. Für gewöhnlich würde man den Kopf des Star-Wars.Kopfgeldjägers Dengar oder den knallroten Schädel von Marvel-Schurke Red Skull sofort aussortieren, wenn man sich Figuren für ein kleines Städtchen zusammenbaut, aber als Köpfe eines bandagierten Patienten oder eines angestrengten Gewichthebers machen sie sich unerwartet fabelhaft. Und die Fratze von Darth Sidious als Gesicht einer greisen Frau? Wer hätte gedacht, dass das so gut klappt?

Überhaupt: Geht es um kreative Teileverwendung, ist Joe Klang der Ansprechpartner der ersten Wahl. Keiner kennt sich in Sachen Teile wohl besser aus als er und so werdet ihr auch in diesem Buch Steine finden, bei denen sich sogar eingefleischte Fans fragen: Das gab es mal von LEGO? Auf diese Weise aber werdet ihr Szene für Szene euer LEGO-Wissen erweitern und euch am Ende selbst fast schon Teile-Experte nennen können.

Mir scheint generell, dass beim „Wimmelbuch der LEGO Steine“ am ehesten die Erwachsenen und AFOL auf ihre Kosten kommen werden. Denn möchte man in dem Band wirklich alle Anspielungen finden, muss man schon ein kleiner LEGO-Nerd sein. Joes Werk – es ist ein Wimmelbild gewordenes LEGO-Lexikon. In jeder Szene sind nämlich Figuren versteckt, die auf dem Sammlermarkt ordentlich Geld einbringen. Plattformen wie Bricklink werden so zum Dauerbegleiter, will man alle Rätsel lösen. Wer öfter mal eBay-Angebote nach kleinen Kostbarkeiten durchstöbert, wird hier klar im Vorteil sein.

Fazit

Wimmelbilder haben eine lange Tradition. Bereits im 15. Jahrhundert haben Renaissance-Künstler wie Hieronymus Bosch Gemälde mit allerlei Details gemalt. Das größte Wimmelbild der Welt ist das vom Kunstprofessor Werner Tübke gemalte „Bauernkriegspanorama“, das auf einer Fläche von 1722 Quadratmetern im thüringischen Bad Frankenhausen zu bestaunen ist. Heute kann man sich vor Wimmelbüchern im Sortiment kaum noch retten. Brauchte es da eine LEGO-Variante?

Die Antwort ist ganz klar: Ja! Joe Klang ist das ultimative LEGO-Wimmelbuch gelungen. Es bringt einfach alles zusammen, was wir an den kleinen dänischen Steinchen so lieben: Der Charme der Figuren, das Kunstvolle des Modellbaus, die Geschichten, denen man den Steinchen einhauchen kann. Nebenbei ist „Das Wimmelbuch der LEGO Steine“ insgeheim sogar eine kleine Enzyklopädie der LEGO-Teile und kostbaren Figuren. Jung, Alt, Laie und Nerd – mit diesem Band wird einfach jeder Spaß haben. Ein perfektes LEGO-Buch – anders als beim Wimmeln ist das schnell gefunden.

14 Kommentare zu „„Das bunte Wimmelbuch der LEGO Steine“ im Review“

    1. Nicht direkt, aber bei DC gibt es einen Black Mask, welcher ein hochitelligenter aber auch sadistischer Gangsterboss ist, und einen Charakter namens Red Hood, der allerdings von mehreren übernommen wird, z. Z. Ist es wohl der zweite Robin als brutaler Verbrechens Bekäpfer.

    2. Vielen Dank für eure zahlreichen Hinweise. Ihr habt Recht, hier handelt es sich natürlich um den Kopf von Red Skull. Den Fehler habe ich gleich korrigiert. Eigentlich bin ich in Sachen Superhelden und -schurken ganz fit, deshalb ärgere ich mich selbst über den Fauxpas. Das kommt wohl davon, wenn man eine Buchrezension mitten in der Nacht schreibt. 🙂

  1. Ginosaurier

    Das Bild mit den Musikern ist ja schonmal sehr cool. Beatles, RHCP, Queen …

    Weiß irgendjemand woher der Kopf für die Gene Simmons (KISS) Figur stammt?

  2. @BrickNick & @Gamu

    Der rote Kopf der dort verwendet wurde ist vom Red Skull, dem Feind von Captain America, wenn ich mich nicht täusche.

    76065 Mighty Micros: Captain America vs. Red Skull

    Bei BL: https://www.bricklink.com/v2/catalog/catalogitem.page?P=3626cpb1529&idColor=5&name=Red%20Minifigure,%20Head%20Alien%20with%20Black%20Eyebrows,%20Bright%20Light%20Yellow%20Eyes%20and%20Angry%20Open%20Mouth%20with%20Teeth%20Pattern%20-%20Hollow%20Stud&category=%5BMinifigure,%20Head%5D#T=P&C=5

    Red mask war/ist DC richtig, dann gibt es noch Red Hood aus Batman, und noch ein paar eher unbekannte Helden und Schurken.

    Die Buchbesprechung bis auf das kleine Detail war / ist gut und animiert mich von : Nicht kaufen zu Vielleicht kaufen.

  3. Gene Simmons‘ Kopf stammt vom „Inquisitor“ aus Star Wars.
    Ich mag Lego, ich mag Wimmelbücher. Gefällt mir gut, was ich da sehe!
    Aber ich habe selten einen Text gelesen, der mit überschwänglichem Lob und Superlativen hinsichtlich „Joe“ dermaßen übertreibt. Nicht, dass der seine Sache nicht gut macht (sowohl bei dem Wimmelbuch, als auch sonst). Und klar, dass Ihr Euch freut, dass er regelmäßig für Promobricks schreibt. Aber ein kleines bisschen weniger „kein Geringerer“, „Star der deutschen LEGO-Designer-Szene“, „meisterlich“, „keiner kann ihm das Wasser reichen“ und „Keiner kennt sich in Sachen Teile wohl besser aus als er“ hätte sicherlich auch gereicht 🙂

    1. Ach was. „Der Joe“ hat schon was auf dem Kasten und diese geile Idee hatte halt auch kein anderer aus der Deutschen Szene, nech? Insofern: Steine wem Steine gebühren. 🙂

  4. Wenn ich mir die Seiten des Buches so anschaue, dann ist mir das Kamel von LEGO aufgefallen. Gabs bei den Prince of Persia Sets und ich hab mir 2014 auf Brickl..k ein paar geholt für ein MOC. Damals so 5 Euro das Stück Neu, heute kosten die fast das 10 fache. Gabs nie mehr.

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