Am Stein der Zeit: Original und „Fälschung“ des Ferrari 308GTS

"Italienischer Sportwagen" von BlueBrixx im Vergleich mit dem Nachbau aus LEGO Steinen.

Am Stein der Zeit LEGO Ferrari

In letzter Zeit macht BlueBrixx ziemlich viel Werbung für ihre Eigenkreationen aus Klemmbausteinen. Die Designs haben mich bei dem einen oder anderen Modell durchaus angesprochen. Es ist daher Zeit für mich, mir so ein Set einmal im Rahmen unserer Am Stein der Zeit Reihe genauer anzusehen. In diesem Fall ist es der „klassische italienische Sportwagen“.

Wahrscheinlich um Lizenzproblemen aus dem Weg zu gehen, konnten oder wollten sie den roten Renner nicht Ferrari 308GTS nennen, denn genau so einer Ikone des Italienischen Fahrzeugbaus sieht der Wagen von BlueBrixx zum Verwechseln ähnlich.

Klassischer Italienischer Sportwagen aka Ferrari 308GTS

Das Bestellen im Shop aus Flörsheim geht kinderleicht und der Bausatz wurde auch in Windeseile geliefert. Da könnte sich der LEGO Online-Shop mal eine Scheibe davon abschneiden. Die Verpackung ist allerdings mehr als schmucklos. Da ich ein Fan von schönen Verpackungen bin und mir auch die Schachteln meiner gebauten LEGO Sets aufhebe, gefällt mir das nicht besonders. Andere Firmen, die MOC-Bausätze verkaufen, machen das oft besser.

Die Einzelteile

Nach dem Öffnen der Schachtel kamen mir die Einzelteile verpackt in durchsichtigen Beuteln entgegen. Außerdem kam mir noch ein unangenehmer Geruch entgegen. Ich vermute, der ist von den Reifen, die sich deutlich härter anfühlen als die des dänischen Herstellers. Der Geruch hat sich nach einigen Tagen aber gelegt. Positiv ist das aber nicht. Hier wäre mal eine Materialprüfung im Labor interessant.

Als Nächstes fielen mir die doch sehr deutlich sichtbaren Anguss-Punkte auf den Klemmbausteinen auf. Das wird von den Dänen deutlich smarter gelöst. Ach ja, auf den ersten Blick ist mir kein Teil aufgefallen, welches es nicht auch von LEGO gibt.

Die Frontscheibe hatte ein paar kleine Kratzer, aber das kommt bei LEGO auch vor. Hier ist der Kleinhersteller also auch nicht besser. Am Ende blieben viel Teile, auch größere, übrig, ich habe sie weggeschmissen, damit sie nicht mit meiner LEGO Sammlung vermischt werden.

Die Bauanleitung

Tja, was soll ich schreiben. Die Anleitung gibt es nur als Download. Eine Druckversion haben sie sich gespart. Sehr schade, ich baue lieber nach einer gedruckten Bauanleitung, die ich durchblättern und aufbewahren kann. Ansonsten werden alle Bauschritte gut und verständlich erklärt. Einen Fehler konnte ich nicht finden.

Der Zusammenbau

Zuerst wird der Boden des Sportwagens gebaut. Durch die Konstruktion wölbt sich das Chassis am Ende. Das war später übrigens beim Zusammenbau mit den LEGO Teilen genauso. Die Scharniere müssen hier erst noch zusammengefügt werden, was aber kein Problem ist. Insgesamt passen die Teile gut zueinander, die Klemmkraft war bei meinen Teilen auch ok.

Ein Slope hat gefehlt, den konnte ich durch einen LEGO Stein aus meinem Bestand ersetzen. Eine rote Plate 1×2 war falsch gegossen, die passte nicht auf die Noppen.

Wie ihr auf den Bildern gut sehen könnt, sind die Anguss-Punkte wirklich nicht zu übersehen. Sieht für mich im Vergleich irgendwie „billig“ aus. Am fertigen Modell fällt es später nicht so stark ins Auge, da viele Noppen hinter den Fliesen verschwinden.

Die starken Farbunterschiede bei den roten Steinen sind dann beim fertigen Modell schon eher störend. Das gibt es bei manchen LEGO Farben zwar auch, aber bei den Standardfarben fiel mir das bisher noch nie störend auf.

Manche Teile hat der Hersteller der BlueBrixx-Steine anders eingefärbt als der Premiumhersteller aus Dänemark. Die Jumper in Trans-Clear gibt es offiziell nicht bei LEGO, aber für den Modellbau wurden scheinbar doch einmal welche aufgelegt und es sind einige bei diversen BrickLink-Händlern gelandet. Die schwarzen Turntable Platten gibt es so auch nicht, sie können aber bequem durch graue ersetzt werden.

Die 1x2er Trans-Orange Fliese ist hier recht blass von der Farbe her. Leider wurde am Heck nicht ganz so schön gearbeitet wie vorne am Wagen: Die Motorhaube geht falsch herum auf.

Die seitlichen Slopes halten nur mit einer Noppe, dies war etwas nervig beim Anbringen und hält natürlich keinerlei Belastung stand.

Das fertige Modell von BlueBrixx

Der „Ferrari“ ist sehr schön designed, dass möchte ich hier noch einmal ausdrücklich erwähnen. Was die Stabilität von MOCs angeht, sind wird natürlich vom Spielwarenhersteller aus Dänemark verwöhnt. Da kann das BlueBrixx-Modell meiner Meinung nach nicht mithalten. Aber letztendlich wird das Modell in der Vitrine landen und eher wenig angefasst und vor allem nicht bespielt werden.

Mein Zwischenfazit

Der klassische italienische Sportwagen ohne ansprechende Box und ohne gedruckte Bauanleitung kostet (Stand 18. Februar 2021) 39,95 Euro. Dafür bekommt ihr 902 Teile. Vergleiche ich das mit dem LEGO 10248 Ferrari F40 aus dem Jahre 2015 finde ich das viel Geld. Der LEGO Ferrari kostete damals 89,99 Euro, hatte über 250 Teile mehr, eine vernünftige Box und eine gedruckte Anleitung.

Außerdem durfte dieses Set auch Ferrari heißen und musste nicht generische Begriffe als Setnamen verwenden. Der LEGO F40 kostet übrigens mittlerweile in OVP um die 250 Euro. Ob das BlueBrixx-Set aus Frankfurt jemals (so) eine Preissteigerung erfahren wird, wage ich hier mal zu bezweifeln.

Der LEGO Ferrari

Ich habe mir das Modell einfach aus LEGO Steinen nachgebaut. Zuerst 1:1 wie die Vorlage vom BlueBrixx-Designer, danach etwas modifiziert, so wie er mir gefällt.

Auf den ersten Blick seht ihr wahrscheinlich keinen Unterschied: Die LEGO Teile haben aber einen viel besseren Glanz und natürlich keine so gravierenden Farbunterschiede.

Mit den Rädern aus dem F40 LEGO-Bausatz sieht er meiner Meinung nach viel besser aus. Die Frontscheibe ist auch aus diesem Bausatz. Die Motorhaube habe ich geändert, damit sie richtig herum aufgeht. Mein roter Sportwagen darf auch die Ferrari-Schriftzüge tragen. Ich will ihn nicht verkaufen oder anderweitig vermarkten, somit gehe ich davon aus, gegen keine Lizenzen zu verstoßen.

Interessant finde ich die Kosten, die mir für den Nachbau aus LEGO Teilen entstanden sind: So waren insgesamt zwei BrickLink-Bestellungen nötig. Die Gesamtkosten lagen dafür bei 44 Euro. Rund 100 Teile kamen aus meinem Bestand, da rechne ich mal zehn Euro dazu. Richtig teuer ist die Frontscheibe. Für die müsst ihr um die 35 Euro rechnen. Wer Zeit hat und sich auch mit gebrauchten Steinen zufrieden gibt, die immer mal wieder günstig in Wühlkisten zu finden sind, der kommt bestimmt deutlich günstiger weg.

Am Stein der Zeit: Mein Fazit, meine Meinung

Dieser Test hat es wieder bestätigt: Für mich kommen alternative Klemmbausteine nicht in Frage. Erstens bin ich LEGO Sammler, da haben Klemmbausteine von anderen Herstellern sowieso nichts in der Sammlung verloren und zweitens kann und will ich „Plagiate“ nicht unterstützen. Denn genau das sind in meinen Augen solche Sets.

Hier werden gezielt die Erfahrungen und Entwicklungen eines großen Herstellers geraubt um billig und auf Kosten anderer Gewinne zu machen. Es geht auch anders. Schaut euch zum Beispiel mal ein Set von COBI an und versucht das dann mal mit LEGO Steinen nachzubauen. Ihr werdet feststellen, das geht sehr oft nicht. Weil der Hersteller aus Polen auf jede Menge Eigenentwicklungen setzt, aber trotzdem kompatibel mit anderen Klemmbausteinen bleibt. Allerdings sind die Preise für COBI Sets nicht weit weg von den Preisen von LEGO Sets. Nicht nur Material und Vertrieb kosten Geld, sondern eben auch Eigenentwicklungen von Steinen.

Meinen „Fake-Ferrari“ habe ich übrigens nach dem Bericht hier entsorgt – und zwar dahin wo er meiner Meinung nach hingehört – in die Mülltonne.

Wie sieht ihr das Thema? Wollt ihr mehr Beiträge zur „Am Stein der Zeit“-Reihe? Sachliche Kommentare zum Inhalt des Beitrags sind wie immer willkommen.

Nachtrag

Leider ist ein Absatz meiner Kernaussage zum Thema „alternativer“ Hersteller durch einen internen Fehler gelöscht worden.

Das Problem der 1:1 LEGO Stein-Kopien ist meiner Meinung nach, dass hier ein durch den Marktführer jahrelang entwickeltes System aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Bausteine schamlos kopiert wird. Diese Entwicklung der einzelnen Steine, die perfekt miteinander harmonieren, hat im Laufe der Jahre sehr viel Geld an Entwicklungskosten gekostet. Dieses System dann ohne irgendwelche Änderungen 1:1 zu übernehmen ist dann keine Meisterleistung mehr und spart natürlich all diese Entwicklungskosten. Deshalb können diese Hersteller auch deutlich günstiger anbieten. Rechtlich ist das natürlich nicht angreifbar, die Lizenzen für einzelne Steine sind längst ausgelaufen, über die Moral von so einem Geschäftsgebaren kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Wie mein eingeworfenes Beispiel mit COBI Sets zeigt, geht es eben auch anders. Ein COBI Set kann auch nicht mit dem von LEGO entwickelten LDD-Designer konstruiert werden, auch hier wird sich wahrscheinlich an dem dänischen Spielzeughersteller schadlos gehalten. All diese Argumente waren übrigens auch ein Grund, warum mein gekauftes rotes Auto am Ende in den Müll gewandert ist.

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