Die neuen LEGO Papierbeutel im Review: Aller Anfang ist schwer

LEGO Papierbeutel

Bereits im September 2020 hat die LEGO Gruppe angekündigt, die Plastikbeutel in den Sets durch Papierbeutel zu ersetzen. Der Plan: 2021 sollte die Umstellung beginnen und bis 2025 für alle Sets abgeschlossen sein. Und kurz vor Jahresschluss gibt es tatsächlich ein erstes Set, welches bereits die neuen LEGO Papierbeutel enthält – zumindest teilweise. Die Rede ist von dem neuen LEGO 4002021 Mitarbeiterset „The Temple of Celebrations“, welches das diesjährigen Jubiläum von LEGO Ninjago (2011 bis 2021) feiert und an die MitarbeiterInnen des LEGO Konzerns als Weihnachtsgeschenk ausgehändigt wird.

LEGO 4002021 Mitarbeiter-Set „The Temple of Celebrations“

Die ersten Bilder zum Set habe ich gestern hier im Blog veröffentlicht, am Sonntag folgt ein ausführliches Review des Exklusiv-Sets. Das Set habe ich auf einer bekannten Auktionsplattform ersteigert. Mit 1.320 Teilen ist es das bisher größte LEGO Mitarbeiter-Set. Zum Set gab es auch eine passende Weihnachtskarte von den LEGO Firmen-Chefs.

Nachhaltigkeitsversprechen: Umstieg von Kunststoff auf Papier

Im Fokus dieses Beitrags steht allerdings nicht das Set selbst, sondern die Verpackung der vielen Steine und Teile. Wie bereits erwähnt, wurden die Steine hier erstmals in Papierbeutel verpackt. Allerdings nicht alle, sondern nur ein kleiner Teil des Sets. Aber von der Reihe nach: Nach Öffnen der Box (kein Eindrücken der Packung, sondern nur Durchtrennen von zwei Klebestreifen) stoßen wir auf eine große Karte (einseitig bedruckter Karton), auf der noch einmal das Nachhaltigkeitsversprechen, bis 2025 von Kunststoff- auf Papierverpackungen umzusteigen, erneuert wird.

Demnach bestehen „die Beutel in diesem Set“ aus FSC-zertifiziertem Papier. Diese seien laut Hinweistext auf der Karte fast vollständig wiederverwertbar. Mein erster Eindruck: Wow, hat es die LEGO Gruppe doch tatsächlich geschafft, die schon lange geforderte Umstellung von Kunststoff- auf Papierbeutel umzusetzen. Unter der großen Karte kommen jedoch nur vier neue LEGO Papierbeutel zum Vorschein, die restlichen acht Beutel in der Box sind wie üblich aus Kunststoff.

Verlesen habe ich mich nicht, von „Die Beutel in diesem Set bestehen aus FSC-zertifiziertem Papier“ kann also leider keine Rede sein. Zu meiner Schulzeit wäre mir so ein Satz vermutlich dick und rot angestrichen worden, die Ausführung (Beutel nur ein Drittel aus Papier, der Rest aus Kunststoff) hätte wahrscheinlich die Note Mangelhaft ergeben. Da ist also noch viel Spielraum nach oben.

Die neuen LEGO Papierbeutel im Detail betrachtet

Schauen wir uns also die vier Papierbeutel etwas näher an. Die Beutel haben verschiedene Größen, sind auf der Vorderseite bedruckt und sehen stabil genug aus, um den wertvollen Inhalt zusammenzuhalten. In der linken unteren Ecke befindet sich eine Nummerierung, in der Mittel der Beutel steht in großen Lettern die Nummer des jeweiligen Beutel. Ähnlich wie bei der Kunststoffvariante. In der rechten oben Ecke befindet sich zudem ein QR-Code, ebenfalls analog zur Folien-Variante.

Neu hingegen sind allerdings die sechs Pfeilsymbole zum Einreißen des Papierbeutels entlang der Perforierlinie. Das finde ich gut gelöst, auch wenn sich das später beim Öffnen des Beutels als gar nicht so einfach herausstellen wird.

Bei dem verwendeten Material handelt es sich um eine Papierfaser, die eine gewisse Stabilität verspricht, was auch sicherlich notwendig ist bei dem kantigen Inhalt. Dann wird es interessant: Die Innenseite des LEGO Papierbeutels ist mit einer „Folie“ beschichtet, die auf den ersten Blick wie eine dünne Kunststofffolie aussieht. Was für ein Mist, so mein erster Gedanke. Beschichtetes Papier ist schwerer zu entsorgen, wie die bisher verwendeten Kunststoffbeutel. Laut der Freien Universität Berlin und anderen Experten ist beschichtetes Papier nicht für das Altpapierrecycling geeignet und als Verbundmaterial wie die bisherigen Beutel in der Gelben Tonne zu entsorgen.

Da ich mir nicht vorstellen kann, dass die LEGO Gruppe hier so unsensibel mit diesem wichtigen Thema umgeht, habe ich mal ein wenig recherchiert, weil es von dem Unternehmen bislang nur wenige Informationen zu den Papier-Verpackungen ( FSC-Zertifikat BV-COC-117818) gibt – und keine zu den neuen Papierbeuteln.

Beutel aus Papierfaser mit auf Holz basierter Cellophan-Folie

Laut einem Gastbeitrag auf der FSC-Webseite zu nachhaltigen Verpackungen spricht für eine Verwendung von Verpackungen aus Papierfasern neben einer guten Bedruckbarkeit, einer vielseitigen Haptik und Optik, auch die gute Verarbeitung. Demnach könnte es sich bei der vermeintlichen Kunststofffolie auf der Innenseite der LEGO Papierbeutel um eine auf Holz basierende Cellophan-Folie handeln. Cellophan ist kompostierbar und biologisch abbaubar.

Zitat aus dem FSC-Artikel: „Für diese Folie bedarf es aber wieder einer speziellen Verbraucherkommunikation, denn die Folie erscheint wie eine normale Plastikfolie und verbindet die negativen Assoziationen beim Endverbraucher.“ Dann mal los, liebe LEGO Gruppe!

Mein persönliches Fazit

Ich finde den Schritt von LEGO, die bisherigen Kunststoffbeutel durch Papier zu ersetzen richtig und wichtig – und eigentlich schon lange überfällig. Gerade beim Bauen eines größeren Sets wird einem schnell bewusst, wie viel Plastik-Verpackungsmüll man sich damit ins Haus holt. Mit den neuen LEGO Papierbeuteln scheint ein guter Weg gefunden zu sein. Was noch fehlt, ist eine baldige konsequente Umsetzung und eine entsprechende Kommunikation zu den verwendeten Materialien, damit bei uns Fans und Verbrauchern erst gar keine Missverständnisse aufkommen. Schlechte Beispiele für „Greenwashing“ gibt es zur Genüge, da muss der LEGO Konzern nicht mitmachen.

56 Kommentare zu „Die neuen LEGO Papierbeutel im Review: Aller Anfang ist schwer“

  1. Schickt doch son ne Tüte ins Labor, dann wisst ihr woraus die Innenfolie besteht. Das kann man doch sicher analysieren lassen…

      1. Ich denke mal eine einfach nachfrage bei Lego wäre da die deutlich kostengünstigere Lösung. Die sollten es ja schließlich wissen 😉

  2. Das scheint ein interessanter Artikel zu sein. Leider wird er in der App, zumindest bei mir, wieder nur teilweise dargestellt. Beim Teil mit der Papierrecherche ist nach der geöffneten Klammer ( leider Schluss…

    1. Wäre es nicht auch ne Lösung, es so wie Mould king zu machen? Mit wiederverschliesbaren Zipbeuteln? Die schmeiß ich nämlich nicht weg. Müssen auch nicht unbedingt Klemmbausteine rein.

      1. Die Idee ist gut, aber das Verhalten vieler Leute (weltweit gesehen) ist wegschmeissen. Daher ist Papier wirklich besser, soweit es seine Aufgabe erfüllt, und scheint es ja auch zu erfüllen.

      2. Solche Massen an Zipbeuteln hebt man irgendwann auch nicht mehr auf – bei großen Sets sind 50 Tüten ja keine Seltenheit, weil es bei weitem nicht nur eine pro Bauabschnitt bleibt.

  3. Tja, spannend aber leider nicht wirklich nachhaltig. Das FSC Label besagt ja nur, dass die Materialien zur Fertigung des Beutels aus
    „responsible sources“ kommen, die dann auch über die FSC zertifiziert werden. Dann nimmt man diesen schönen Rohstoff und kaschiert diesen mit Zellglas (Cellophane), sei mal dahingestellt ob es aus Holz oder Fossil ist, am Ende für die Entsorgung ist es auch Wurscht, denn es gehört weder in die Bio-Tonne, noch in den Papiermüll. Es handelt sich hier um einen Festverbund, der letztlich der „thermischen Verwertung“ zu gut Deutsch der Müllverbrennung zugeführt wird, da man den Verbund weder trennen, noch aufbereiten kann. Ist eine Form von Green-washing, die bedenklich ist. Letztlich wird wertvoller Papier-Rohstoff dem Recyclingkreislauf entzogen und mit einer Kaschierung versehen, die dem Produkt nach der Verwendung kein weiteres „Leben“ bescheren wird. Cellophane aus Holz, wenn es das denn wirklich ist, wird von den Herstellern als „biologisch abbaubar“ bezeichnet, allerdings sollte der interessierte Leser sich mal das Kleingedruckte, d.h. die Bedingungen des Abbaus anschauen bzw. durch welche Beschichtung das Thema gelöst wird und vor allem, wie unsere Stoffkreisläufe wirklich recycelt werden. Ist ein Augenöffner, kann ich nur empfehlen. Wirklich nachhaltige Lösungen bleiben im Kreislauf „aus Alt macht Neu“, ansonsten wären sie nicht nachhaltig und würden auch nicht Ressourcen schonen. Die wären mal besser beim OPP oder OPET geblieben, das wäre ehrlicher gewesen, von der Kostenseite mal ganz abgesehen. Dann auch noch die Nummer mit dem Klebestreifen, da kann man nur den Kopf schütteln .. eine weitere Kontamination des Verbundes. Am Ende sind die Müllverbrennungsanlagen oder Zementwerke oder wer auch immer aktuell unseren Müll thermisch verwertet, glücklich sein über die Umstellung. Damit ist der Nachschub an Stützfeuerung gedeckt 😉 … Hausmüll brennt alleine sowieso nicht so dolle, dann brauchen die keine Fossilen Energieträger zuzukaufen, damit der ganze kram auch brennt. Lego reiht sich damit in die Kette der Unternehmen ein, die ihr eigenes Image durch ökologische „Verschlimm-Besserung“ aufpolieren wollen und dafür auch noch viel Geld in die Hand nehmen und Kampagnen fahren, die dem geneigten Kunden am Ende teuer zu stehen kommen.

    1. Prima, das hast du wirklich super erklärt. Kann dir nur zustimmen: ich bin selbst Vorarbeiter in einem Papier recycelnden Betrieb, und wenn du siehst wieviel beschichtetes Papier am Ende „übrigbleibt“ und thermisch verwertet werden MUSS, dann ist das ganze „Papier ist die Lösung für Alles“-Gedöns gleich nicht mehr so wahr wie viele gerne hätten. Beispiel Bäckertüte, besonders die mit „Folienfenster“: kann NICHT recycelt werden – eine reine Kunststofftüte SCHON! Und Cellophan benötigt ein zigfaches an Energie und CHEMIKALIEN, damit aus Holz letztendlich Folie wird (genau wie bei bestimmten Klamotten, IKEA-Slogan „aus Holz“). Dieser Prozess schädigt die Umwelt mehr als die Herstellung und das Recycling einer simplen PE-Folie – wenn es denn GEMACHT wird, und genau DA liegt der Hase im Pfeffer. Nicht die Kunststofffolie ist das Problem, sondern fehlende Recycling-Betriebe.
      Also: Papier mit irgend einer Folie dran (da sonst unstabil) sind ein größerer Mist als reine PE-Beutel.
      Und: sind LEGO nicht auch aus Plastik? Ähhmmmmm…..

      1. Eure Berichte decken sich auch mit dem, was mir mal ein Mitarbeiter aus einer Müllverbrennungsanlage erzählt hat. U.a. Stichwort „Stützfeuerung“ für den Hausmüll. Ich hoffe, viele lesen sich eure Texte durch!

      2. „Sind LEGO nicht auch aus Plastik“: Das ist kaum relevant, denn die sind kein Wegwerfprodukt oder Verpackungsmaterial, sondern werden Generationen lang aufgehoben und mehrfach genutzt.

  4. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob der Umstieg tatsächlich der Umwelt etwas bringt. Die Herstellung dieser neuen Beutel erscheint mir aufwendig und ebenfalls sehr ressourcenintensiv zu sein. Wieviele Bäume müssen dafür nun zusätzlich zerkleinert und aufbereitet werden pro Jahr? Wirklich umweltschonend wäre es, die Verbraucher daran zu gewöhnen, dass die Steine einfach in der Box liegen und man ein bisschen länger suchen muss. Oder wenigstens nur noch zwei Papierbeutel statt 7 oder noch mehr bei größeren Sets zu verwenden. Und die Bedruckung kann man sich bis auf die Nummer auch sparen. Auch die Boxengrößen an sich waren vor ein paar Jahren geschrumpft. Inzwischen erscheinen sie mir immer öfter wieder unnötig überdimensioniert.

    1. In Anbetracht der Gefahr für zerkratzte Teile (bspw. Fenster- und Frontscheiben) vielleicht keine so gute Idee. Die zusätzliche Bedruckung wird ziemlich sicher für die Logistik des automatisierten Verpackens benötigt. Die Box-Größen können in der Tat schrumpfen, dann hätte der Inhalt auch nicht so viel Spiel in der Box.

      1. Fenster etc. kann man ja in einen kleinen Karton/Tüte packen, denn Rest einfach lose in die Box.

        Denke diese neuen Tüten sind genauso schädlich wie die jetzigen.
        Aber ich warte noch auf eine offizielle Stellungnahme und hoffe, es ist nicht so ein Mist wie oben schon kurz einmal erwähnt wurde :/

      2. Das denke ich mir auch so oft … kleinere Boxen und es fliegt nicht so viel rum … weniger rumfliegen = weniger verkratzen … muss ja nicht gequetscht sein sondern satt gefüllt …

        Spart auch Transportvolumen … sieht dann nur komisch aus, wenn man so nen kleinen Karton aus dem Laden trägt und ein Vermögen gezahlt hat … reine Psychologie – die Größe soll dem Käufer nämlich auch suggerieren „hier bekomme ich was für mein Geld“ – kann man sich auch schon im kleinen anschauen wie das läuft .. z.B. bei allen erdenklichen Lebensmittelverpackungen … solange Unternehmen an der Stelle nix ändern sind sie für mich nicht glaubhaft und es ist wie schon geschrieben einfach nur Greenwashing

      3. Bei der Boxengröße auch an die Ligistik denken. Wenn der LKW 1000 Sets transportieren jann statt 500, dann spart das effektiv etwas ein. Habe letzte Woche die Bricklink Burg bekommen, da ist die Box tatsächlich sehr kompakt, vielleicht nur halb so groß wie bei normalrn Sets dieser Preisklssde. Es geht also, man muss nur wollen.

  5. Leider sieht es mal wieder so aus als ob die Werbung und damit nur der Anschein im Vordergrund stehen. Wenn man nicht ausschließlich Papierverpackungen liefert, dann sollte man es auch nicht behaupten. Da mehr als die Hälfte der Bauabschnittstüten die klassischen sind und in den „Papier“Tüten ebenfalls Plastiktüten sind, dann stimmt die Aussage schlicht einfach nicht. Das unklar bleibt ob es sich um einen Verbundstoff handelt oder nicht ist für mich auch ein ziemlich schlechtes Zeichen. Ich glaube Lego würde damit werben wenn dem nicht so wäre und nicht mit einem relativ wenig aussagekräftigem FSC Zertifikat. Von daher bekräftigt sich bei mir weiterhin der Eindruck das es sich um Greenwashing handelt…

  6. Wenn ein Plastikspielzeug-Hersteller seine Plastik-Verpackungen „zukunftsweisend“ auf Papier umstellt, ist dies wohl das absurdeste Paradebeispiel für „Greenwashing“ aller Zeiten.

      1. Der springende Punkt bei der ganzen scheinheiligen Diskussion um (vermeintliche) Nachhaltigkeit und (angebliches) Umweltbewusstsein ist doch, dass das Produkt Plastik(spielzeug) an sich nicht zukunftsfähig ist. Plastik muss und wird immer weiter aus sämtlichen Lebensbereichen verschwinden. Irgendwann wird es dann eine Schlagzeile à la „EU verbietet sämtliches Plastik-Spielzeug ab 2030“ geben. Und dann dürfte auch dem Letzten klar werden, dass in diesem Fall hier über das komplett falsche Thema diskutiert wird. Schreibt doch darüber gern auch mal einen Artikel.

        1. Wenn es danach geht, woraus dürfen denn dann noch Sachen hergestellt werden? Für Holz musst du Bäume fällen und Metalle holst du am Ende aus der Erde, was jetzt auch nicht gerade der Umweltschonendste Prozess ist.
          Lego hat zumindest die Pflanzenteile ja schon aus Pflanzen hergestellt. Dürfte sich aber für Steine nicht so eignen, weil die deutlich festeres Material haben. Und für Pflanzen bräuchte man davon ab auch erstmal Anbaufläche. 😉

        2. Eine generelle „Verteuefelung“ ist der falsche Ansatz; Kunststoffe sind ein Problem aber auch zugleich die Lösung für viele Bereiche unseres Lebens. Wenn man hier mit der Keule rangeht, dann erwarte ich auch eine fachliche Diskussion über die Alternativen. Wir haben in unserer Gesellschaft ein Recycling-Problem und kein Wertstoff/Kunststoff-Problem. Die Möglichkeit beispielsweise von chemischem Recycling gerade bei Kunststoffen liegen weit hinter ihren Möglichkeiten. Kapazitäten werden jetzt erst aufgebaut und kommen ersten ihn einigen Jahren zum Tragen. Sortierfraktionen gibt es für tausende Materialien, jedoch sind die Ströme nicht gleichmäßig groß, sodass sie einfach aus wirtschaftlichen Gründen sortiert werden können, zumal der Großteil der Verpackungen aus Verbandmaterialien bestehen. Mechanisches Recycling ist gut und schön, aber für Kunststoff-Kombinationen bzw. Verbunde nicht wertschöpfend, daher wandern auch solche Verpackungen in sehr großen Teilen in die Verbrennung. Prüft doch selbst mal eure Lebensgewohnheiten, da werdet ihr schnell feststellen, dass es eine ganze Reihe von Produkten gibt, bei denen man auf Kunststoffe nicht verzichten kann und auch nicht möchte … oder möchtet ihr wie vor 60 Jahren in die Apotheke gehen und die Kopfschmerztabletten aus dem Glasfläschchen einzel kaufen? Zudem erfüllen Kunststoffverpackungen sehr häufig eine Funktion, die mit Papierverpackungen oder alternativen Verpackungen einfach nicht möglich sind, denkt mal hier an Haltbarkeit, Hygiene, Portionierung etc. Hingegen muss man sich die Frage stellen, ob Mikroplastik in Shampoo- oder Haarpflege-Produkten wirklich sein müssen, nur um dem Konsumenten einen Peeling-Effekt zu bescheren, DAS ist z.B. völliger Schwachsinn und führt am Ende dazu, dass der nächste Fisch uns die Mikropartikel schön wieder zurück auf den Esstisch bringt. Wisst ihr eigentlich, dass jeder Mensch im Schnitt wöchentlich 5 Gramm Mikroplastik über Lebensmittel aufnimmt? Das ist als wenn jeder eine Kreditkarte in der Woche isst (würde man wahrscheinlich freiwillig nicht machen, richtig?!?). Und wenn man mit der Überlegung fertig ist, sollte man seine Schuhe nicht mehr benutzen, denn der Abrieb der Kunststoffsohlen landet ebenfalls in der Umwelt, von Autofahren oder anderen Verkehrsmitteln die bereift sind ebenfalls ganz zu schweigen … will man auf Mobilität generell verzichten, wohl eher nicht. Hierzu gibt es ganze Bücher, die man lesen kann aber nicht lesen muss. Denn letztlich ist doch jeder einzelne gefragt in der Thematik und jeder einzelne kann auch etwas ändern. Kleine Schritte des einzelnen erzielen große Effekte in der Industrie. Es gibt wirklich tausende von Beispielen eines sinnvollen Umgangs mit den Ressourcen, jedoch ABS Sternchen von Lego zu verteufeln ist ganz sicher nicht der große Hebel, denn hier sprechen wir von einem Produkt mit sehr langem Life-cycle, das nur im seltensten Fall der Verwertung zugeführt wird …. bevor ihr das wegwerft, schenkt es lieber mir ;). Bei der Verpackung siehts anders aus, hier könnte man ja auch mal auf die tollen, großen, bunten, teilweise mehrfachlackierten Kartons verzichten … oder etwa nicht;) Die Frage wäre dann natürlich, ob man bereit wäre trotzdem den hohen Preis zu zahlen, schließlich ist das ja tief in unserer DNA verankert, nur was toll aussieht ist auch was wert, oder wie war das noch gleich?!? Man sieht schon an den einfachen Beispielen, dass es dann doch wohl nicht so einfach ist, nicht wahr?

          Was den Ersatz von Kunststoff durch Papier für diverse Produktbereiche angeht, so gibt es neueste Studien vom BUND, die man sich anschauen sollte. Denn wenn man über Entsorgung spricht, dann muss man auch über die Herstellung sprechen und dort ist Papier nicht gerade das Produkt mit dem geringsten carbon-footprint. Es gibt eine Reihe von Kunststoff-Verpackungen die deutlich ökologischer sind, als Papier oder Papier/Verbund Verpackungen, unglaublich aber wahr für die Ketzer unter uns.

          1. Entsorgt Kunststoff-Produkte/Verpackungen nicht in der Umwelt, sondern dorthin wo sie auch hingehören. Das dem leider
          nicht immer so ist, sieht man an jedem Straßengraben. Umweltschutz heißt auch Disziplin im Umgang mit Rohstoffen.
          2. Geht mal durch eure Wohnung und entscheidet bei jedem einzelnen Produkt, ob es Alternativen gibt und welchen kleinen
          Tod man dabei sterben muss, um Alternativen auch einzusetzen. Stichwort: HD-Tüten am Gemüsestand, muss das wirklich
          sein? Oder frisch kochen, anstatt zum Schnellrestaurant des Vertrauens zu laufen (ist zwar bequem, aber schaut doch mal
          wie viel Müll übrig bleibt, wenn ihr beim Meckes/BK/Subw. oder den ganzen anderen FF Tempeln essen geht)
          3. Prüft, ob Alternativen wirklich ökologischer sind, oder ob die Lobby-Arbeit der Hersteller hier nur besser funktioniert hat.
          Stichwort: carbon-footprint
          4. Die ganze Welt schreit nach Recycling-Kunststoffen, aber habt ihr mal darüber nachgedacht, woher die denn kommen
          sollen, wenn doch keine Jungfräulichen (virgin) Materialien mehr eingesetzt werden? In jedem Wiederverwertungs-Zyklus
          werden zwischen 4-10% des Materials ausgeschleust, da dieses einfach nicht verwertet werden kann. Auch wenn es
          sortenrein etc. ist. Kunststoffe können NICHT beliebig oft recycelt werden, wie auch andere Materialien. Irgendwann kommt
          bei jedem Rohstoff der Punkt der Überreizung und dann kann keine Funktion mehr hergestellt werden. Damit ist der Stream
          endlich.
          5. Werft mal selbst einen Blick auf euer Konsumverhalten … Billig heisst nicht günstig im volkswirtschaftlichen Kontext.
          Oftmals ist es auch deutlich ökologischer beim Erzeuger um die Ecke einzukaufen (Fleisch, Gemüse, Obst etc.) als die
          Tomaten nur weil sie makellos aussehen aus der Türkei zu kaufen, die sind ja nicht selbst 2000 km rübergelaufen in die
          Ladentheke.

          … tja, und wenn ihr damit durch seid, prüft mal eure Kleidung, woher die kommt und wie diese hergestellt wurde. Dann geht ihr mal an den Kühlschrank und fragt euch selbst, ob Heidelbeeren aus Südafrika wirklich sein müssen, oder ob man Wein aus Chile einfliegen muss, um sich das Thema schön zu trinken. Ja, wir leben in einer global vernetzen Welt, aber wie man gerade so schön in der Pandemie sieht, unsere Welt wird kleiner, Lieferketten sind nachhaltig gestört, alles wird teurer. Am Ende haben wir selbst die Rechnung der nächsten Jahrzehnte durch unsere eigenes Verhalten geschrieben … da bilde ich selbst keine Ausnahme, aber ich tue wenigstens etwas dagegen und wenn es nur kleine Schritte sind.

      2. Lego lebt von einem 100% Kunststoffprodukt, jährlich im voreinstellbaren Tonnen Bereich.
        Selbstverständlich werden diese Produkte über längere Zeit nicht wirklich weggeworfen, aber ein gewissen Prozentsatz landet früher oder später dennoch in der Umwelt, in den Meeren, das ist Fakt.
        Hier die lächerlich leichten Tütchen, die in der Regel zwar direkt in den Müll gehen, aber in Haushaltsmüll der in der Regel in die Müllverbrennung (Aus der Energie gezogen wird) oder ins Recycling, von Lego selbst an den Pranger zu stellen, ist nun wirklich Scheinheilig und Greenwashing.
        Ich möchte hinzufügen: Ich prangere Kunststoff NICHT an, es ist ein geniales Produkt unsere Zeit, sicher mit Nachteilen aber eben auch mit extremem Vorteilen
        Ich prangere auch Lego dafür nicht an. Ich prangere nur das Greenwashing an.
        Aus Einweg Kunststofftütchen werden nun Einweg „Papier“ Tütchen, die ja irgendwie Produziert werden und nicht von Bäumen gepflückt werden.

        Wie wäre es denn wenn man aus dem Einweg Kunststoff, Mehrweg gemacht hätte??!!
        Zip Tütchen?! Da freut sich JEDER drüber, da könnte man es wieder reinstecken oder sein Lego Sortieren oder für was weiß ich.
        Nennt sich „upcycling“. Auch Hip und man hat als Kunde direkt etwas davon. Die Papiertüten sind schlicht Müll, wieder.
        Man möchte wirklich etwas was für die Umwelt tun??
        Kein Problem, und das beste: Es kostet nichts, gar nichts, und das aller beste: Man spart auch noch Geld und Ressourcen und hat DIREKT einen Umwelt und Klimabeitrag;
        Trrommelwirbel……… : Kleiner Verpackungen!
        Ich schätze das man ca. 40-50% der Größen einsparen könnte bei selben Inhalt. Weniger Material und vor allem würde es einige Transportcontainer, LKW usw einsparen, und das auf allen wegen, also auch bei Produktion.
        DAS wäre Live gelebter Umwelt und Klimaschutz, denn man spart wirklich und direkt.
        Nochmal: Ich bin kein Umweltfanatiker, ich lebe kein wirklich nachhaltiges Leben, aber ich verkaufe mich eben auch nicht als Retter.
        Das wäre so als würde ich jeden Erzählen das ich Kapselkaffee meide und mir deshalb im Laden Frischen Bohnenkaffee kaufe im ToGo Becher…..

      3. Global gesehen, wird bestimmt jede Woche eine deutliche Menge entsorgt. Kaputt, oder einfach Mutti mit dem Staubsauger. Zumal das mit den Enkeln nicht unbedingt funktionieren muss. Siehe die alten CAT Steine. Wenn ich nen Konvolut kaufe, entsorge ich die auch zu großen Teilen, weil wackelig.

  7. Es gibt offensichtlich echt Leute, die denken, dass Lego diesen Umstieg primär macht, um die Umwelt weniger zu belasten 😉 Für mich ist das Greenwashing par excellence. Am Ende kommt Lego noch auf die irre Idee zwei Teile Plastik aus Pflanzen herzustellen, damit sie das auf ihre Packungen drucken können. Verrückt 😉

  8. Ich denke auch, dass die Verbundtüten, wie von einem Vorredner angemerkt, genauso schädlich sind wie die alten Plastiktüten. Vielleicht ist der Ressourcenverbrauch und die Kosten ja sogar höher bei Papier + Beschichtung versus Plastik. Ob es Cellophane ist wissen wir ja nicht.
    Dass Lego dann noch schreibt die Tüten in diesem Set bestünden aus Papier… und die Beschichtung unterschlägt.
    Der Oberhammer ist, dass sie schreiben, es wäre „fast vollständig wiederverwertbar“. Die Betonung liegt auf „fast“…
    Lustig sind auch die „Schneeenegel“ die auf den Karton gedruckt sind. Lego Figuren können ihre Arme gar nicht so bewegen wie abgebildet. Figuren von Wettbewerbern aber schon!?!
    Lego tritt aber auch in jedes Fettnäpfchen.
    Und dann die Mitarbeiter, die jedes Jahr ihr Geschenk auf ebay verscherbeln…

    Ich liebe Legosteine, aber sorry, das alles hat mal wieder ein Geschmäckle.

    1. In den Lego Filmen und der Ninjago-Serie können die Figuren sich auch ganz anders bewegen, wie die aus den Sets – es ist halt einfach nur eine Grafik zur Deko, was daran ein Fettnäpfchen sein soll musst du mir mal erklären.

      Und nicht jeder Mitarbeiter von Lego muss am Ende auch ein Lego-Fan sein, bzw. Kinder haben. Und wenn sie es dann für 300 Euro verkaufen können ist das doch ihr gutes Recht. Zumal 300 Euro für viele mehr sein dürfte als für uns ;).

      1. Ich fand es lustig wenn Lego (auf besagtem Karton) die Minifiguren Bewegungen machen lässt, die sie eigentlich nicht machen können, Figuren der Wettbewerber aber schon. Und ein Bild auf einem Karton ist eben auch kein Film.

        Deine Antwort lässt mich glauben, dass du über 300 Euro nur müde lächeln kannst, aber für sehr viele Menschen sind 300 Euro viel Geld, auch hier bei „uns“.
        Ich als Firma würde entweder die Mitarbeitergeschenke ganz einstellen (Die, die Spass dran haben, können sich dann bei den Verkäufern bedanken) oder den Namen auf den Karton drucken. Warum sollte ich als Firma viel Geld und Mühe in ein Geschenk stecken, dass dann bei ebay verkauft wird?
        Zumal diese Geschenke ja indirekt von allen Kunden bezahlt werden.

        1. Andere bekommen eine Weihnachtsgratifikation ausgezahlt … die zahlst du am Ende auch mit als Kunde … der Aufwand für den Entwurf – geschenkt

        2. Überwachen, dass Mitarbeiter ihre Sachgeschenke nicht in Bargeld konvertieren… was für eine Idee! Du bist dann konsequenterweise hoffentlich keiner von denen, die Lego ganz bitter nachtragen, dass sie ihre Schutzrechte gegenüber den Nachahmern und Trittbrettfahrern durchzusetzen wagen? Denn mit deiner Idee würde der Konzern aber nun wirklich unsympathisch tyrannisch rüberkommen.

  9. Seit der Umstellung des in den Scheiben verwendeten Plastiks sind die bei mir sowieso zu einem Drittel ab Werk verkratzt. Hast natürlich recht, dass es dann noch schlimmer werden würde.

  10. The Storytelling Brick

    Hm… viel heißes Bla um sich Grün zu bezeichnen. Pfui! Will man wirklich und ernsthaft das Thema angehen, müssten zuerst die Verpackungen und die telefonbuchdicken und mehrteiligen Bilderroman- Bauanleitungen schrumpfen sowie deren vollflächige Druck. Wie wäre es mit einer schnöden unbemalten braunen Kartonage mit einer bedruckten Lasche drmherum, die das Set zeigt? Ich sehe das wie andere vor mir auch: LEGO betreibt Green Washing. Nichts anderes.

  11. Ich bin grad am überlegen, wie es früher war, als die großen Sets noch den Aufklappdeckel hatten. Da waren ja die Spezialteile ja teilweise in einem Plastikfach separat untergebracht. Und ich frage mich, ob die Steine dann alle lose in der Box waren oder diese auch noch in einer Tüte waren?

    Aber das wäre doch etwas, was man wieder machen könnte. Alle Steine in einer Box, von mir aus auch verschieden getrennt und die neuen oder besonderen Teile in einem einzelnen Fach.

    Aber ich kann mir schon denken, warum heute alles in vielen Plastiktüten verpackt wird. Es sind viel mehr Steine, viel mehr Farben als früher und durch die Produktion wird das ganze wohl so laufen müssen. Aber was weiß ich schon. Ich hab auch die Plastikfolien nie in den Müll gegeben, die sind alle noch in den Originalschachteln enthalten. Sollte man manche Sachen doch wieder verkaufen, kann man diese dann wieder nutzen und mit Tesa verkleben.

    1. Die waren früher in solchen Loch-Folien, wie man sie heute noch bei Teilen hat, die eine feste Gruppe bilden. Zwar nicht nach Bauabschnitten sortiert, sonst aber ganz ähnlich wie heute.

  12. Leider wird es aber funktionieren, weil viele nicht kapieren (wollen), dass beschichtetes Papier eben nicht recyclingtauglich ist. Ich erlebe es bei Laufveranstaltungen. Werden Kunststoffbecher ausgegeben und dann für die Verwertung sortenrein sortiert wird bei Facebook jedesmal gemeckert. Sind es „Pappbecher“ (mit Kunststoffbeschichtung) ist die Welt in Ordnung.

    Und hier klappt es ja auch. Theoretisch kompostierbar hilft kein Stück weiter, wenn es darum geht, Papier zu recyceln. Und die angeblich kompostierbaren „Plastiktüten“, die jetzt häufig in den Biotonnen landen, sind auch ein Riesenproblem, weil sie Jahre brauchen, um sich zu zersetzen. Diese Zeit hat aber kein Produzent. Also werden sie rausgesammelt und verbrannt…

    Und es hätte ja Alternativen gegeben, die wurden hier ja teilweise schon aufgezählt.
    – Wiederverwendbare Beutel
    – Innen statt Tüten kleine Kartons

  13. Nun kenn ich mich damit zufällig etwas aus, und muss leider sagen: Klare Verschlimmbesserung. Plastik ist per se nicht schön, aber wenn sorgenfreien und sauber immerhin einigermaßen gut recyclebar. Verbundstoffe hingegen wandern letztlich immer ins Feuer. Selbst „Papier“ mit hoher Reißfestigkeit kann nur dorthin, weil dann Pladtik beigemischt ist. Klares Greenwashing, oder zumindest unkluge Entscheidung. Es ist wie mit den Bambuskaffeebechern: Klingt toll. Aber ich müsste ungefähr 3 Jahre (!) lang täglich daraus trinken um zumindest die Aufwände für die Produktion wieder reinzuholen. Leider ist die unbequeme Wahrheit: Nur KonsumVERZICHT schützt die Umwelt.

  14. @Max B.: SORRY, ich denke ich bin gemeint. 🙂 Ich wollte nicht drängeln oder spamen, sondern das „sorgenfreie“ in „sortenreines“ Plastik korrigieren 😉 … pls excuse my typo

  15. Also ich nenne das Mogelpackung oder sagen wir es mal schöner „marketingtaugliches Greenwashing“.
    BTW. Auf dem einen Foto ist sogar zu sehen, dass in der Papiertüte Plastiktüten für die Kleinteile stecken.
    🙁

  16. Warum es Tüten braucht, verstehe ich sowieso nicht. Die Schachteln mit den Steinen drin, würde doch reichen. Im übrigen sind auch die Schachteln viel zu gross. Die Hälfte oder noch mehr ist nämlich Luft.

      1. Das sollte Menschen über 18 eigentlich nicht vor größere Probleme stellen, schließlich sind die Sets als 18+ gekennzeichnet.
        😉

  17. Ich werde die Plastiktüten vermissen. Das geraschel beim Auspacken ist mir seit frühester Kindheit vertraut. Es wird irgendwie einfach nicht mehr das selbe sein. Und wem das mit dem Plastikmüll so super wichtig ist, der sollte sich lieber ganz von den Klemmbausteinen fern halten. Auch wenn sie erstmal weitergegeben werden, so werden auch sie früher oder später mal den Weg in den Müll finden. Nur eine Frage der Zeit.

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