Unseren Informationen zufolge wurden kürzlich Groß-Händler darüber informiert , dass LEGO Produkte (Sets und Minifiguren) auf den drei chinesischen Billig-Shopping-Portalen TEMU, SHEIN und AliExpress ab sofort nicht mehr angeboten bzw. verkauft werden dürfen. Das Verbot gilt auch für die Nutzung von der LEGO Gruppe erstellten Materialien wie Bild- und Werbe-Material beispielsweise zu Set-Neuheiten.
Marken- und Verbraucherschutz
Begründet wird der Schritt mit der eigenen Verpflichtung zur Einhaltung der höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards sowohl zum Schutz der Verbraucher (sprich Kunden) als auch zum Schutz der Marke LEGO selbst. Um dies auch weiterhin gewährleisten zu können, habe der Spielwarenhersteller den Verkauf von LEGO Produkten sowie die Nutzung markenrechtlich geschützter Inhalte (unter anderem Bilder von Sets und Minifiguren, Logos von Themenreihen, etc.) auf den Online-Marktplätzen von TEMU, SHEIN und AliExpress eingeschränkt – was meinem Verständnis nach quasi einem Verkaufsverbot gleich kommt.
Einschränkung gilt für direkte und indirekte Verkäufe
Dies gelte sowohl für direkte als auch für indirekte Verkäufe. Der Handel von LEGO Produkten auf anderen Marktplätzen als auf den drei genannten Portalen wurde laut der Händler-Mitteilung nicht eingeschränkt. Zum besseren Verständnis dient das Vertriebsdiagramm, welches ich auf der Lexware-Seite (oben verlinkt) gefunden habe. Die Info von LEGO richtet sich nach meinem Verständnis an die indirekten Vertriebspartner wie Großhändler, die wiederum eine ganze Reihe kleinerer Händler mit Produkten versorgen.

Händler mit aktiven LEGO Angeboten auf TEMU, SHEIN und AliExpress werden nun aufgefordert, alle LEGO Produkte, Bild- und Werbematerialien von den drei Plattformen zu entfernen. Darüber hinaus werden Großhändler gebeten, ihre Geschäfts- und Vertriebspartner über die Einschränkung in Kenntnis zu setzen, damit die jüngsten Vorgaben des Spielwarenherstellers in der gesamten Vertriebskette eingehalten werden können.
Testkäufe machen Probleme sehr deutlich
Eine Rolle für das nun erfolgte LEGO Verkaufsverbot auf TEMU, SHEIN und AliExpress könnte sicherlich auch eine im Oktober 2025 veröffentlichte Untersuchung von ibi Research an der Universität Regensburg sein. Auf fünf Plattformen wurden 21 Online-Bestellungen mit insgesamt 182 Artikeln getätigt, ein besonderer Fokus lag dabei auf Spielwaren und Produkte, die speziell für die vulnerable Konsumentengruppe der Kinder bestimmt sind.
Insgesamt wiesen die Untersuchungsergebnisse auf das weitere Bestehen (es ist nicht die erste Studie zu dieser Thematik) von Qualitätsmängeln, Sicherheitslücken und eine generelle ausstehende Pflichteinhaltung durch die Plattformen hin.
Im Spezifischen dokumentierten die Testkäufe folgende Beobachtungen:
- Defizite in der (richtlinienkonformen) Einhaltung von Kennzeichnungs- und Informationspflichten
- Häufig niedrige Qualität der Produkte
- Etiketten und Gebrauchsanweisungen oftmals nicht in der jeweiligen Landessprache des Käufers
- Unspezifische Produktbeschreibungen auf den Webseiten
- Besonders schwerwiegend fallen die Ergebnisse der Testung auf Produktsicherheit aus: Hier musste knapp ein Drittel (28,6%) der geprüften Produkte aufgrund schwerer Mängel gemeldet werden
Mangelnde Produktsicherheit
Aus Ausmaß der Probleme ist enorm: Laut Studie erreichen täglich rund 12 Millionen E-Commerce-Kleinsendungen die EU. „Grund dafür sind vor allem chinesische Plattformen wie TEMU, SHEIN und AliExpress, die sich inzwischen als fester Bestandteil des globalen E-Commerce etabliert haben“, heißt es in dem Papier.

Wer sich den Untersuchungsbericht der Uni Regensburg einmal näher anschaut, wird auf den Seiten 13 und 14 auch ein „Lego-Set“ unter Geschenke (EKZ 3) und Spielzeug finden. Ob es sich hierbei um ein Originales LEGO Bau-Set gehandelt hat oder um ein Fake-Baustein-Set ist nicht bekannt. Es macht aber auch deutlich, dass hinsichtlich des teils bedenklichen Waren-Angebotes auf den drei genannten Plattformen dringender Handlungsbedarf besteht – auch von Seiten der Hersteller.
Natürlich will die LEGO Gruppe mit der Maßnahme auch ihre eigenen Vertriebswege schützen, aber das Thema ist deutlich komplexer und vielschichtiger. Markenschutz und Verbraucherschutz ist ein Ding, die anschließende Verwertung bzw. Recycling mit teils unerlaubten Inhaltsstoffen (gab es auch mal bei Bausteinen) eine ganz andere Nummer.
EU-Kommission leitet erstes Verfahren ein
Auch die Politiker in Brüssel sind hier zunehmend alarmiert. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass die EU-Kommission ein erstes Verfahren gegen die Shopping-Plattform SHEIN eingeleitet hat. Konkret geht es unter anderem um die Frage, ob die Plattform genug unternimmt, um den Verkauf von u.a. illegalen Produkten zu begrenzen und möglichst zu verhindern? Auch die schiere Menge an Paketsendungen von diesen Marktplätzen und der damit verbundenen Zoll-Thematik war schon mehrfach Bestandteil von Kritik und Diskussionen.





