LEGO Technic 8455 Backhoe Loader von 2003 im Classic-Review

LEGO Pneumatik in Höchstform!

LEGO Technic 8455 Backhoe Loader von 2003 im Classic-Review (Daniel Haedicke) - 1
LEGO 8455 Backhoe Loader (Foto: PROMOBRICKS)

Wir schreiben das Jahr 2003 und nicht nur in der LEGO Technic Welt tut sich einiges beim dänischen Spielwarenhersteller aus Billund. Dem LEGO-Konzern geht es nicht besonders gut und man versucht mit aller Macht den Kindern wieder Spaß an den bunten Klemmbausteinen ins heimische Gefilde zu bringen. So auch geschehen beim gelben Baggerlader mit der Setnummer 8455, worüber ich euch in den nächsten Leseminuten etwas mehr erzählen möchte.

Ich habe mir vor dem Review einmal die Kataloge aus diesem Jahr hervorgeholt und schon damals gab es zwei getrennte Ausgaben für das erste und zweite Halbjahr. Auch vor 17 Jahren kamen die großen Sets erst im August. Eher unscheinbar gesellt sich der Bagger zwischen die anderen Baufahrzeuge und den Offroadern im schillernden Metallic-Grün.

Auffällig ist nicht nur, dass es die zwei einzigen LEGO Technic Seiten im Heft sind, sondern sie auch relativ am Anfang des Heftes abgebildet sind. Irgendwie wirkt es dazwischen gequetscht, als müsse es noch irgendwo abgebildet werden. Wie dem auch sei, die Schreiberlinge der Texte waren auch zu jener Zeit schon sehr kreativ:

Dieser Bagger verfügt über verschiedene technische Funktionen mit richtiger Pneumatik. Das Modell ist absolut einzigartig und authentisch. Es funktioniert genau wie sein echtes Vorbild.

Ja, es ist einzigartig – bis heute – warum? Das erfahrt ihr später. Viel Spaß beim Lesen.

Fakten zum LEGO Technic 8455

  • Set-Nummer: LEGO 8455
  • Thema: Technic
  • Bezeichnung: Backhoe Loader (Pneumatik Bagger)
  • Teilezahl: 704
  • Erscheinungsjahr: 2003
  • Empfohlenes Alter: 11-99
  • B-Modell: Ja
  • UVP: 109,99 Euro

Die Verpackung

Wie immer starte ich mit der Umverpackung des Sets und wie bereits angedeutet, hatte sich LEGO etwas „spezielles“ für die 2003er Collection ausgedacht. Das große Technic-Logo verschwand vom Karton und wurde durch einen kleinen Schriftzug unter der Setnummer ausgetauscht. Dafür prangerte auf vielen Kartons nun ein fettes bis 99 Jahre. Das witzige Bild, dass ab dem 100. Geburtstag nicht mehr mit LEGO gespielt werden kann, sollte mittlerweile jeder kennen. Doch zurück zur gelben Box. Dafür, dass nur knapp 700 Einzelteile enthalten waren, ist sie mit 57,5 x 38,5 x 9 cm wirklich überdimensional bemessen. Auf der Rückseite prangern die Funktionen von A- und B-Modell des Sets.

Aus einigen Themenreihen kennt man heute noch, dass die Teile bereits komplett auf der Außenseite der Verpackung abgebildet sind. So auch in diesem Fall, denn eine separate Teileliste in den Anleitungen gibt es nicht. Interessant an diesem Set ist außerdem, dass es noch komplett in der Schweiz gefertigt wurde. Bis Mitte 2006 wurde dort neben Technic, auch Bionicle, Duplo und Primo hergestellt, bevor die Werke in Steinhausen und Willisau geschlossen wurden.

Wer im Inneren des großen Kartons noch etwas Spektakuläres erwartet hat, der wird leider enttäuscht. Die verpackten Tüten und Räder lagen damals einzeln bzw. lose in der Box, ein cooles Inlay mit Fächern oder ähnlichem gab es nicht.

Im Jahre 2004 änderte LEGO sein gelbes Boxdesign wieder und kehrte zu einem klassischeren Technic-Aussehen zurück, mit großem Schriftzug, so ähnlich wie es 2002 noch war. Das schwarze Aussehen ist heute etwas schwieriger zu finden, mag vielleicht auch daran liegen, dass in diesem Jahr ein interessanteres Technic-Set erschien – der LEGO 8436 Truck mit Pneumatik-Kran. Dieser hatte nicht nur mehr Teile (1.032 an der Zahl), sondern war auch mit 89,99 Euro deutlich günstiger und landete damit wahrscheinlich sehr viel öfter im Einkaufskorb, was die hohe Anzahl an gebrauchten Sets heutzutage auch bestätigt.

Die Bauanleitung

Wie damals üblich hatte jedes Modell seine eigene Aufbauanleitung – denn es gab in der Regel immer ein zweites, sogenanntes B-Modell. Auch wenn es in diesem Fall eher unspektakulär und langweilig daher kommt – es gibt es immerhin! Die dickeren Anleitungen aus der Zeit waren klebegebunden und meist schwer vernünftig umzublättern. Viele gebrauchte Hefte sehen daher etwas seltsam am Bund aus.

Eine pfiffige Idee war es, eine extra kleine Seite zum Umklappen auf der Innenseite des Umschlages zu machen, wo sämtliche Längen und Anzahl der benötigten Pneumatik-Schläuche abgebildet sind, um sie zurechtzuschneiden. Hier beginnt bereits der Wahnsinn des gelben „Pneumatik-Monsters“ – insgesamt 424 cm an Gummischläuchen müssen in das Modell verlegt werden! Genauer gesagt 296 cm in dunkelgrau und 128 cm in hellgrau! In 106 Bauschritte auf rund 120 Seiten wird dem geübten Technic-Bauer dann erklärt, wie er das bewältigen soll.

Die letzten Seiten gehören den Abbildungen der Funktionen und dem üblichen Gewinnspiel, was es auch 2003 schon gab. Die Rückseite war schon fast wie für ein eigenes Set bedruckt – in diesem Fall für den ebenfalls neu erschienenen LEGO Technic 8454 Sondereinsatz-Truck.

Das Heft des B-Modells ist deutlich dünner und hat nur 77 Seiten mit 52 Bauschritten. Ich präsentiere euch in diesem Review aber lediglich das A-Modell.

Ausgewählte Elemente

Was macht dieses Set so besonders? Warum nenne ich es „Pneumatik-Monster“? Und warum ist es eigentlich ein Classic-Review? Eine der Fragen wird mit dem folgenden Bild erklärt:

Richtig. Dieses Set – mit nur 700 Einzelteilen – wird nicht nur mit über vier Meter Pneutmatik-Schläuchen versorgt, sondern es sind unfassbare zehn (!) Pneumatik-Zylinder enthalten, welche mit zwei Pneumatik-Pumpen (exklusiv in Schwarz, nur in diesem Set) versorgt werden. Dazu gibt es sieben Schalter, mit denen die Funktionen dann angesteuert werden können. Diese Anzahl in einem LEGO Set ist bis heute einzigartig und sorgte damals für den recht hohen Preis im Verkauf.

So selten man vielleicht transparente Zylinderblöcke heutzutage sieht, desto häufiger wurden sie von 1997 bis 2004 verbaut. Irgendwie sind diese klassischen Blöcke immer noch sehr schick und nicht wirklich wegzudenken aus einem klassischen Technic-Set.

Dem geneigten Nostalgiker dürfte auch beim nächsten Bild das Herz aufgehen. Homogene Farben in der Technic-Welt. Klar, auch 2003 wurde schon hier und da mal etwas Blaues verbaut, aber die Grundfarben hießen schwarz und grau. Die große schwarze Schaufel (10 x 18) gab es in insgesamt sieben Sets, unter anderem im beliebten motorisierten LEGO Raupenbagger 8043. Einzigartig dagegen ist die kleine gelbe Schaufel, die es in der Farbe nur in diesem Set gab. Die Ballonreifen haben die Abmessungen 56 x 30R und 81.6 x 38R.

Apropos grau – das ist der Grund für mich, dieses doch noch sehr jugendliche Set in die Classic-Review Reihe mit einzuordnen, denn es wurde kurz vor dem grauen Farbwechsel produziert und erhielt noch das alte hell- und dunkelgrau. Diese klassische Grenze setzt jeder LEGO-Fan vielleicht anders, aber in einer Building Bricks For Happiness Live-Diskussion hatten die Protagonisten, wie auch ich, sich auf diese „magische“ Farbwechsel-Grenze geeinigt. Wie seht ihr das? Bis wann ist ein Set noch ein Classic-Set? Schreibt es auch gern mal in die Kommentare.

Der Aufbau

Die ersten Schritte beim Aufbau beschäftigen sich, neben einem zarten Grundgestell, mit den Stützen hinter der Hinterachse. Jede der Stützen erhält dabei einen eigenen pneumatischen Zylinder. Die Stützen dienen später zum Aufbocken des Baggers für das Arbeiten mit dem Heckausleger. Auch wird bereits der Grundstein an der Vorderachse für die spätere Lenkung gelegt.

Das Verlegen der ersten Schläuche geht noch ganz gut von der Hand. In der Anleitung erhält jeder der Schläuche eine eigene Farbmarkierung, sodass man immer den richtigen Anschluss finden sollte. Ein weiterer Zylinder am Heck für den Ausleger folgt, sowie die ersten beiden Schalter für die spätere Steuerung.

Wie es sich für ein LEGO Technic-Modell gehört, werden auch ein paar Zahnräder verbaut. Der einheitliche Farbton war damals hellgrau – egal welche Art von Zahnrad. Auffällig in gelb sind dagegen die „Knopfräder“, welche zwar seit 1998 bereits verbaut wurden, aber in diesem Set erstmalig in der Farbe erschienen. In diesem Fall dienen sie zur Lenkung – heute werden sie oft für die Gangschaltung eingesetzt, so zum Beispiel auch beim neuen LEGO Technic Lamborghini Sian FKP 37 (42115).

Nachdem an der Heckpartie noch ein hellgraues Schlauchkonstrukt verlegt wurde, wird es langsam Zeit, die Luft auch in die Schläuche und damit in die Zylinder zu bekommen. Dafür werden nun die zwei schwarzen Pumpen verbaut. Diese sind im Doppelpack auch bitter nötig, denn einen Air-Tank, wie der LEGO Technic Front End Loader (8459, 8464, 8439) hat dieses Modell nicht spendiert bekommen. Ich wüsste auch gar nicht, wo das noch hätte verbaut werden sollen. Die Zwei Pumpen jedenfalls sind am Ende wunderbar in die Fahrerkabine integriert.

Nun ist für die Luftzufuhr gesorgt – fehlt noch der Antrieb des Fahrzeugs selbst. Dazu werden die drei transparenten Zylinderblöcke verbaut. Warum der Bagger nur drei anstatt der üblichen vier bekommen hat, weiß ich nicht – ich bin aber auch kein Bagger-Motorenexperte. Vielleicht gab es wirklich Modelle mit nur drei Zylindern, oder LEGO hat einen weggelassen, aufgrund des Platzmangels.

Beim LEGO Technic Backhoe Loader kommen keinerlei Technic-Bricks zum Einsatz. Hier wurden ausschließlich die neueren Liftarme verwendet. An späteren Modellen, wie zum Beispiel dem LEGO Technic Kranwagen 8421 wurden wieder zahlreiche Bricks verbaut. Ich bin der Meinung, für dieses Modell passen die Liftarme und geben dem Set genügend Stabilität.

Durch die dezente und offen gehaltene Verkleidung ist mittlerweile die Form des Baggers gut zu erkennen, auch wenn hier und da immer noch die Schläuche herausragen und auf ihre Verlegung warten. Der Arm für die Ladeschaufel vorn besteht auch nur aus wenigen Elementen, macht aber dennoch einen soliden Eindruck. Die Reifen folgen, auch wenn das Modell noch nicht fertig ist.

Was nun noch fehlt, ist der Heckausleger.

Jetzt bekommen die vier letzten Pneumatik-Schläuche auch ihren passenden Zylinder. Ein letztes Mal wird noch gefummelt, um alles korrekt zu verlegen, so dass sich später auch nichts im Weg steht, oder gar eingeknickt wird.

Um die vier bis fünf Stunden habe ich an diesem Modell gebaut, bis es fertig vor mir stand. Der Anspruch beim Bauen ist schon recht hoch, was sich auch im Zusammenspiel mit der Anleitung zeigt. Schlussendlich soll auch alles genau so funktionieren, da ist Aufmerksamkeit beim Bauspaß gefragt – und das hat trotz nur 700 Teilen sehr viel Spaß gemacht!

Von allen Seiten erkennt man, um was es sich handeln soll. Ein paar dezente gelbe Verkleidungen (Paneele) sind vorhanden, die auch nicht so häufig verbaut wurden, aber im Großen und Ganzen ein typisches Technic-Konstrukt.

Ein Blick zu den Pumpen in die Fahrerkabine verrät – hier ist definitiv kein Platz mehr für Details wie einem Fahrersitz oder Lenkrad – gelenkt wird an der gelben Rundumleuchte auf dem Dach. Auch die drei Zylinder liegen offen und können bei ihrer Arbeit bewundert werden. Der Blick auf den Boden zeigt keine Überraschungen.

Die pneumatischen Funktionen

Neben den klassischen LEGO Technic-Funktionen, wie das Lenken oder dem Bewegen der Zylinderkolben, schauen wir uns nun die pneumatischen Ansteuerungen im Detail an. Die wichtigste Aufgabe ist dabei das stetige Pumpen, um immer genug Luft im System zu haben.

Jeder der sieben Schalter hat drei Stellungen. In der Mittelposition ruht das System, nach vorn oder nach hinten gekippt fährt das entsprechende Gerät zum Beispiel hoch oder runter. Rechts und links an der Fahrerkabine sind die ersten zwei Hebel. Beide sind für den Frontausleger mit der großen Schaufel zuständig.

Während der eine Hebel den Arm des Auslegers nach oben oder unten fährt, kann mit dem anderen Schalter die Schaufel selbst gekippt werden.

Unter der Fahrerkabine befindet sich der nächste Hebel – dieser steuert die Stützen an, welche ausgefahren oder angeklappt werden können.

Für den Heckausleger mit der kleinen Schaufel sind insgesamt vier Schalter vorgesehen, die auch alle in Reihe gebaut sind.

Sei es das Anwinkeln oder das Schwenken nach rechts und links des Arms, hier kann wirklich jede beliebige Stellung eingenommen werden.

Auch die Schaufel kann separat angesteuert und in ihrer Neigung verändert werden.

Mein Fazit

Der Pneumatik-Wahnsinn hat eindeutig eine Zahl: 8455! Für jeden LEGO Technic-Fan, der auch auf die kleinen gelben Zylinder steht, ist dieses Set der ultimative Spielspaß mit Pneumatik zum abwinken. Ich selbst liebe dieses Modell, das liegt neben den zahlreichen Funktionen auch am anspruchsvollen Aufbau, der wieder einmal zeigt, dass es keine Stein-für-Stein-Anleitung braucht.

Das Modell ergibt trotz seiner zahlreichen Schläuche eine homogene Gesamtoptik, auch die zehn Pneumatik-Zylinder fügen sich farblich wunderbar ein. Manchmal ist zwar weniger mehr, aber ich denke hier passt am Ende alles zusammen. Aufkleber und seltsame Farben sucht man vergebens (Und ja, es sind bereits 14 unbedenkliche blaue Pins verbaut).

Eigentlich ist es schade, dass LEGO kaum noch Pneumatik-Sets auf den Markt bringt. Das letzte Set war der eher weniger erfolgreiche LEGO Technic Forest Machine (42080), der immerhin noch zwei kleine und zwei große Pneumatik-Zylinder verbaut hatte. Heute zählt dann doch mehr die elektrische Motorenpower und ohne Smartphone ist ja auch alles langweilig. Das Gegenteil, dass es ohne Motor, ohne Smartphone oder immer mehr Steinen auch geht, beweist dieses tolle Set.

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