LEGO Island Xtreme Stunts (PC) im Classic-Review

Das LEGO Videospiel wurde 2002 veröffentlicht. Wir schwelgen in Erinnerungen.

LEGO Island xtreme Stunts
LEGO Island xtreme Stunts

Wenn man LEGO und Videospiele hört, dann denkt man sofort an die Lizenzspiele von TT Games, die dem immer gleichen Muster folgen. So einheitlich waren Spiele mit der dänischen Lizenz allerdings nicht immer. Vor dem Jahr 2005 hat LEGO sich noch deutlich stärker mit der Entwicklung von den Spielen befasst und war sogar selbst als Publisher tätig. So auch für den Titel, mit dem wir uns heute befassen. Er wurde von Silicon Dreams entwickelt und von Electronic Arts und LEGO Interactive veröffentlicht.

Die richtige Portion Nostalgie

Ein paar der ikonischen Lieder aus dem Soundtrack von LEGO Island Xtreme Stunts wecken jedes Mal aufs Neue freudige Erinnerungen in meinem Kopf. Falls du früher auch schon das Spiel gespielt hast, empfehle ich deshalb, an diesem Punkt kurz das Lesen des Reviews zu unterbrechen und dir deine Lieblingstitel des Soundtracks anzuhören.

Meine persönliche Empfehlung sind in diesem Fall „Minty Fresh“ und „Trip to the Hop“. Zumindest mich werfen die seichten Beats des Spiels immer wieder in eine Zeit zurück, in der ich in dem Spiel stundenlang auf dem Skateboard herumgefahren bin, weil ich nicht genau wusste, wo die nächste Mission anfing – das war damals aber nicht schlimm.

Hintergrund

Nachdem LEGO bereits 1997 mit „Abenteuer auf der LEGO Insel“ ein erstes 3D Open World Videospiel herausgebracht hat, wurde 2001 aus einem einzelnen Spiel durch dem Nachfolger „LEGO Insel 2“ eine Videospielreihe. Allerdings soll es auch darum heute nicht gehen, sondern um den, unter Vernachlässigung von Flash-Spielen, dritten und letzten Teil: LEGO Island Xtreme Stunts. Als kleine Randnotiz: Mit dem dritten Ableger wurde die Videospielreihe erstmalig als Thema für echte Spielzeuge aufgenommen und es erschienen einige Sets zu dem Spiel. Außerdem gibt es Überschneidungen mit der LEGO Studios-Reihe.

Übrigens habe ich den Eindruck, dass dieses Thema bis heute einige Anhänger hat. LEGO City Rennboot-Transporter (60254) und der Hintergrund der Verpackung des Skate Parks (60290) enthalten Symbole, die doch sehr an Logos aus diesem Spiel erinnern.

Infos zu LEGO Island Xtreme Stunts

Bezeichnung: LEGO Island Xtreme Stunts
Erscheinungsjahr: 2002
Jungendfreigabe: Freigegeben ohne Altersbeschränkung (0 Jahre)
Entwickler: Silicon Dream Studios
Publisher: Electronic Arts und Lego Interactive
UVP: ca. 20 USD (laut Brickset)
Spielzeit: ca. 3 Stunden (laut howlongtobeat.com)

Dieser Test bezieht sich auf die PC-Version. Das Spiel ist darüber hinaus für Playstation 2 und Game Boy Advance erschienen. Das Gameplay anderer Versionen kann abweichen

Verpackung

Da ich davon ausgehe, dass das Spiel mehrmals neu aufgelegt wurde, wird sich die Verpackung zwischen unterschiedlichen Auflagen unterscheiden. Meine Version ist in einer typischen, weißen DVD-Hülle. Diese eher späte Version, die ich 2007 oder später erworben habe, gab es zu der Zeit bei unterschiedlichen Händlern für um die vier Euro. Wenn das im Anbetracht der UVP mal kein Schnapper war!

Auf der Vorderseite der Packung sind einige Xtreme-Sportarten abgebildet. Dazu gibt es die Hinweise, dass es sich um eine PC CD-ROM handelt und im Spiel deutsch gesprochen wird.

Die Rückseite eröffnet mit Screenshots und einigen Stichpunkten näheres zum tatsächlichen Spielinhalt. Außerdem sind die Systemanforderungen angegeben. Leider gibt es keine ausgedruckte Anleitung. Sie liegt nur als pdf-Datei auf der CD.

Präsentation

Selbstverständlich kann man bei einem Spiel, das bald 20 Jahre alt ist, keine Next-Gen Grafik erwarten. Im Gegensatz zu den älteren LEGO Insel-Teilen finde ich persönlich, dass dieser Teil besser gealtert ist. Durch die etwas „erwachsenere“, oder zumindest nicht mehr so übertrieben kindliche Grundstimmung, ist es einfacher sich auf das Spiel einzulassen.

Trotzdem merkt man dem das Alter an. Die offene Welt ist ziemlich leer und die Spielwelt ist nach meinem Empfinden kleiner als bei dem Vorläufer.

Selbstverständlich hören wir beim Erkunden der LEGO Insel zu Fuß oder auf dem Skateboard das trendige Radio L.E.G.O, dessen seichte Beats sich wohl für immer in meinen Kopf eingebrannt haben. Unterbrochen wird das Musikprogramm von Wetteransagen, Nachrichten und „Werbung“. Das erzeugt eine entspannte Atmosphäre, in der schon das Erkunden der Insel viel Spaß macht.

Damit möchte ich keineswegs sagen, dass die Präsentation perfekt ist. Die Übergänge in Zwischensequenzen sind manchmal holprig und die Sprechanimationen der Charaktere laufen noch während die Tonspur längst vorbei ist. Dazu sind das Spiel und damit die Grafik inzwischen ziemlich alt und es gibt kaum Effekte, die man heute gewohnt ist. Die Atmosphäre des Spiels funktioniert für mich trotzdem heute noch.

Story

Um Radio L.E.G.O. zu zitieren: 80% Action, 20% Handlung. Gut, ganz so Xtreme wird es dann doch nicht.

Anscheinend hat der Protagonist Pepper die Karriere als Pizzalieferant aufgegeben und sich neuen Herausforderungen gewidmet. In diesem Spiel steuert der Spieler den Stuntman Pepper, der als Held in einem Actionfilm gebucht ist. Der ehemalige Rivale von Pepper, der Steinbrecher, spielt den Antagonisten. In einem vergangenen Beitrag über die Bösewichte bei LEGO haben wir uns bereits mit ihm beschäftigt.

Die Tatsache, dass wir in den Storymissionen eigentlich die Actionszenen drehen, steht keineswegs im Mittelpunkt. Um erfolgreich zu sein, muss der Steinbrecher in Rennen besiegt oder sein Fahrzeug zerstört werden. Damit das geschafft wird, weist der Regisseur den Spieler in die Szenen und die

Steuerung ein. Wenn der Gegner geschlagen wurde, gibt es vorgerenderte Szenen anzusehen, die die durchgeführten Stunts zeigen sollen. Für jede Szene gibt es die Schwierigkeitsstufen Bronze, Silber und Gold.

Damit der Steinbrecher beim Filmdreh teilnehmen kann, ist er auf freiem Fuß. Wie die Geschichte weitergeht, kann man sich in Anbetracht der Vergangenheit des Steinbrechers vermutlich denken.

Gameplay

Die Grundstruktur vom Spiel unterscheidet sich deutlich von dem aktueller Videospiele von TT. Anstelle von 3D Rätseln und Jump and Run Passagen stehen hier primär Fahrzeuge und Stunts im Vordergrund. Eine Open World gab es hingegen schon damals, und auch vertonte Zwischensequenzen gibt es – entgegen der damaligen Werbung für LEGO Batman 2, die behauptet, das erste LEGO Videospiel mit solchen zu sein.

Die Spielmechaniken von LEGO Island Xtreme Stunts ähneln denen von LEGO Insel 2. Man kann sowohl zu Fuß laufen und dabei Pizzen werfen, als auch mit dem Skateboard fahren. Außerdem ist es, nach erfolgreicher Absolvierung einer Hindernisfahrt um einen entsprechenden Führerschein zu bekommen, möglich, Autos und Boote zu fahren und sogar Flugzeuge zu fliegen.

In der Welt gibt es mehrere Gegenstände zu sammeln, Aufgaben für die Inselbewohner zu erledigen und Orte zu erkunden. Falls man etwas nicht findet, gibt es im PDA eine Karte. Leider ist die Insel kleiner ausgefallen, als es ursprünglich geplant wurde. Der Grund dafür ist vermutlich die damalige finanzielle Schieflage von LEGO.

Abwechslung bieten die Haupt- und Nebenmissionen außerhalb der offenen Welt, die aus Minispielen bestehen. Sie treiben entweder die Geschichte voran und schalten die nächsten Missionen frei oder es gibt zur Belohnung kurze Videosequenzen.

Insgesamt empfinde ich das Gameplay immer noch als sehr spaßig. Allerdings könnte es auch sein, dass dieses Empfinden nicht ganz subjektiv ist.

Technik

Damit kommen wir zum Elefanten im Raum. Es ist bereits ein großes Problem, das Spiel überhaupt ordentlich spielen zu können. Auf vielen Computern stürzt es entweder schon in der ersten oder spätestens in der zweiten Storymission ab. Probleme mit Abstürzen gab es schon unter Windows XP. Mit neueren Betriebssystemen wird es nur noch problematischer und leider hilft häufig nicht mal der Kompatibilitätsmodus.

Wenn man einen Computer gefunden hat, auf dem LEGO Island Xtreme Stunts läuft, kann es außerdem jederzeit passieren, dass der Speicherstand korrumpiert wird. Man sollte also regelmäßig Sicherungskopien der gespeicherten Speicherstände machen. Da die Ursache darin liegen soll, dass die Framerate, also die Anzahl der Bilder pro Sekunde, zu hoch ist, kann man dieses Problem durch Begrenzen der Framerate umgehen.

Eine typische Krankheit von Videospielen aus der Zeit ist die Steuerung, die auch hier nicht ideal ist. Auf der Tastatur sind Tasten wie Steuerung und die rechte Shift-Taste belegt, gesteuert wird mit den Pfeiltasten. Dazu benötigt man die Maus, um sich umzuschauen. Es gibt zwar Unterstützung für Controller, aber dort sind nicht alle Tasten belegt. Eine richtige Alternative ist das also auch nicht.

Ein anderes Problem von älteren Spielen ist die Auflösung. Dieses Spiel unterstützt beispielsweise maximal eine Auflösung von 1280×1024 Pixeln. Grundsätzlich kann man mit einer FullHD- Modifikation Abhilfe schaffen und das Spiel in höheren Auflösungen spielen. Allerdings befinden sich die Elemente des User Interfaces danach nicht mehr am Rand, sondern eher mittig im Bild. Eine richtige Lösung ist dies also auch nicht. Für einige der Screenshots in diesem Beitrag wurde die Modifikation genutzt.

Das waren allerdings nur die größten Probleme. Kleinere Patzer wie eine teilweise echt nervenaufreibende Kollisionsabfragen, die in langen „Herunterfallanimationen“ enden und eine unsichtbare Spielfigur, wenn man aus Fahrzeugen aussteigt gibt es auch, aber das würde ich wohlwollend als der damaligen Zeit geschuldet abstempeln.

Fazit

Mit aktuellen Titeln kann ein Videospiel LEGO Island Xtreme Stunts, das bald 20 Jahre alt ist, natürlich nicht mithalten. In vielen Aspekten ist LEGO Island Xtreme Stunts einfacher als heutige Spiele gehalten und die Probleme, die das Spiel umgeben, helfen bei einer objektiven Beurteilung keineswegs. Auf der anderen Seite ist es erstaunlich zu sehen, dass es schon damals Open World Videospiele gab, in denen man unterschiedliche Sidequests finden und lösen konnte. Hinzu kommt der einprägsame Soundtrack, der den Spieler die ganze Zeit begleitet.

Meiner Meinung nach ist es wichtig ab und an daran zu denken, dass LEGO Spiele nicht immer von TT Games waren und dass es eine Zeit gab, in der LEGO deutlich experimentierfreudiger und engagierter war. Ich würde sogar so weit gehen, dass man sich als LEGO Videospielfan das eine oder andere Spiel aus der Zeit mal anschauen sollte und LEGO Island Xtreme Stunts ist dafür auf jeden Fall ein guter Kandidat – wenn er denn auf dem eigenen Computer funktioniert.

Die Grafik ist nicht so betagt wie bei den Vorgängern aus der Reihe und das Spielgeschehen nicht so einfach wie bei „LEGO Schach“. Für TT Games scheinen kreativere Projekte wie LEGO Worlds leider nicht zu funktionieren.

  1. Interessanter Beitrag! Ich habe als Kind Stunden mit den alten LEGO-PC-Klassikern verbracht und hatte so gut wie alle Spiele in meiner Sammlung – nur Island Xtreme Stunts fehlte mir damals. Dank deinem Beitrag konnte ich mir jetzt aber ansehen, was ich damals verpasst habe. 😉 Das Spiel sieht wirklich spannend aus, doch für mich geht nach wie vor nichts über LEGO Insel 2.

    Und ja, die alten Spiele heute wieder zum Laufen zu bringen kann ganz schön haarsträubend sein. Was ich alles an meinem Computer rumgeschraubt habe, um Rock Raiders mal wieder spielen zu können…

    Übrigens hatte ich auch schon mal überlegt, hier ein Review der alten Spieleklassiker zu veröffentlichen. LOCO steht da ganz oben auf meiner Liste. 😉

    1. Ja, Rock Raiders ist bezüglich der Kompatibilität durchaus etwas spezieller. Da gehört es fast schon zum Spielspaß dazu wenn die Spiele überhaupt laufen 😀 Lego Insel 2 hingegen läuft nach meiner Erfahrung immer noch gut – und mit einem Patch für die Ladezeiten sogar noch besser.
      Schade, dass der Multiplayer bei Lego Loco nur im lokalen Netzwerk funktioniert. Sonst könnte man eine Promobricks-LAN-Party veranstalten 😀

  2. Ein schöner Bericht. Die alten Lego Videospiele verdienen definitiv mehr Aufmerksamkeit. Ich persönlich würde ja die original Lego Insel über alles stellen. Auch das wäre übrigens ein interessanter Artikel, da die damaligen Entwickler noch durchaus spannende Ideen auf Lager hatten, bevor sie vom Studio Mindscape auf die Straße gesetzt wurden. Hinter der Lego Insel 2 und Island Xtreme Stunts stecken also leider nicht die gleichen kreativen Köpfe. … Als Kind haben mich trotzdem alle drei Teile gut unterhalten.

    1. Ich befürchte für Lego Insel fehlen mir leider die Kindheitserinnerungen und das Wissen über andere Spiele aus der Zeit, um da ordentlich drüber zu schreiben :/

  3. Habe Lego Island Extreme Stunts als Kind wochenlang gezockt. Das Spiel hat mich auf den Trichter gebracht, dass ich einseits sehr gerne Open World Games spiele wie GTA aber auch anderseits Lust auf Similationsspiele habe.

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