Bis zur Einführung des 9-Volt-Systems im Jahr 1991 gab es bei der LEGO Eisenbahn gewissermaßen eine Zweiklassengesellschaft. Das 12-Volt-System bot endlosen Spielspaß und in den 1980er Jahren auch jede Menge Komfort durch fernsteuerbares Zubehör. Allerdings musste man sich all das auch leisten können, denn die 12-Volt-Sets waren mit Abstand die teuersten des gesamten Produktsortiments, noch weit vor den größten Sets aus den Bereichen Technic, Stadt und Raumfahrt.

Aber auch an Eisenbahn-Fans mit schmalerem Geldbeutel wurde gedacht – es gab auch Züge zum Schieben und solche, die mit Batterien betrieben wurden. Um die Batterien unterzubringen, wurde ein spezieller Batteriewaggon konstruiert, der drei Zellen im „Baby“-Format aufnimmt. Mit den passenden seitlichen Aufklebern und optional Schrägsteinen als Dachaufbau fügt er sich optisch harmonisch in jeden Güterzeug dieser Ära ein. Vorwärts- und Rückwärtsfahrt werden über einen seitlichen Schalter gesteuert, zusätzlich gibt es einen Unterbrecherkontakt an der Unterseite.

Sets mit dem Batteriewaggon waren von 1972 bis 1990 im Programm, letztmalig im Set 7722 welches von 1985 bis 1990 verkauft wurde. Speziell für dieses Set erhielt der Batteriewaggon eine optische Auffrischung, die ihn von all seinen Vorgängern unterscheiden: Die Räder sind schwarz, ebenso die Einfassungen der Magnete. Der seitliche Schalter ist rot – zumindest in den meisten Fällen. Denn auch 28 Jahre nach Produktionsende finden Sammler neue Varianten, die zuvor unbekannt oder zumindest undokumentiert waren. In diesem Fall existiert der Batteriewagen von Set 7722 auch in einer Variante mit schwarzem Schalter. Er taucht deutlich seltener auf als die Version mit rotem Schalter, wie sie auch in allen Katalogen abgebildet ist.

Die Ehre der Entdeckung gebührt dem kanadischen Sammler Reza Sadoughian, der bei Eurobricks vor einiger Zeit ein entsprechendes Suchbild veröffentlicht hat. Mittlerweile wurde die Version mit schwarzem Schalter auch bei Bricklink in den Katalog mit aufgenommen. Eine zeitliche oder örtliche Bestimmung war bislang nicht möglich, die bislang bekannten Exemplare sind sowohl in den USA als auch in Europa aufgetaucht.

Meine persönliche Vermutung geht dahin, dass die Änderung von rot zu schwarz gegen Ende der Produktionszeit in den Jahren 1989 oder gar 1990 erfolgte. Das Leben eines Sammlers bleibt also spannend, selbst wenn man vermeintlich schon alles besitzt.

1 KOMMENTAR

  1. Danke für den Review Christian!
    Im Unterschied zum Vorgängerset 7720 besitzt der Batteriewaggon von 7722 die zusätzlichen vier kleinen schwarzen Puffer. Schaut gleich viel realistischer aus. Ich habe den blauen Batteriewaggon auch gleich mit diesen vier Puffern nachgerüstet.
    Ich habe die Sets 7710, 7715, 7720 und 7722 allesamt auf 12V umgerüstet. Alle angeführten mit dem 1980er 12V Motor mit jeweils vier Pleuelstangen. Nur das Set 7720 habe ich mit dem 1970er 12V Motor ausgestattet.

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