LEGO 6296 Shipwreck Island von 1996 im Classic Review

LEGO 6296 Shipwreck Island von 1996 im Classic Review (Daniel Haedicke) - 1
Shipwreck Island (6296) von 1996 (Foto: PROMOBRICKS)

Am 01. April 2020 erscheint mit dem LEGO Pirates of the Barracuda Bay (21322) Set die 30. Auflage der Ideas-Serie, die im Jahr 2008 ihren Anfang unter dem Namen Cuusoo hatte. Der ein oder andere mag die neueste Umsetzung der LEGO Designer eher als Aprilscherz auffassen, andere wiederum können es kaum noch abwarten, das Set in die Hände zu bekommen.

Um die Wartezeit auf das nostalgisch gestrandete Piratenschiff in seiner Neuauflage zu verkürzen, möchte ich euch ein kleines Set aus dem Jahr 1996 vorstellen, welches ebenfalls eine Szenerie eines Schiffswracks zeigt. Dies soll aber nicht nur ein normales Classic-Review werden, sondern auch ein kleines Unboxing, denn das Set war bis zuletzt noch versiegelt. Viel Spaß beim Lesen.

Die Verpackung

Die Verpackung ziert ein kräftiger Lila-Farbton, welcher seit 1993 die Piratenserie von anderen Sets hervor hob. Die nur knapp 220 Teile für das Set wurden in eine verhältnismäßig große Verpackung (33,5 x 24 x 5 cm) gelegt – dies liegt aber sicherlich an der 16×32 noppenstarken Grundplatte. Trotz dieser Größe hat diese Verpackung nicht den obligatorischen Klappdeckel, der das Nostalgiegefühl erst so richtig aufkeimen lässt. Die Altersempfehlung betrug 7 bis 12 Jahre. Auf der Rückseite sind wie immer ein paar alternative Bauideen abgedruckt, welche sich aus den vorhandenen Steinen zusammenstecken lassen. Eine Extra-Bauanleitung gibt es dafür aber nicht.

Zum Öffnen der Box kann bzw. muss eines der beiden Siegel durchtrennt werden. Die Siegel ähneln den heutigen Klebestreifen, nur waren diese damals rund. Die Produktionsnummer war aber schon aufgedruckt. So erhielt mein Set die 0916. Wir hatten euch schon einmal über die Aufschlüsselung der Codes einen Überblick verschafft, leider gehen diese aber nicht bis in die 90er Jahre zurück. Meine Vermutung ist daher, dass in diesem Fall die 09 für die Woche im Jahr steht, die 1 für das Werk in Billund und die 6 am Ende für das Jahr – in meinem Fall 96. Aber vielleicht hat ja einer der Leser noch einen besseren Durchblick?!

Außerdem stach mir beim Aufklappen der Lasche gleich ein interessanter Print entgegen – die Box ist Printed in Denmark. Dies waren noch die Zeiten, als der Großteil direkt in Billund produziert wurde, bevor der europäische Markt ab dem Jahr 2000 Richtung Kladno / Tschechien verlagert wurde.

Nun aber zurück zum Öffnungsvorgang unseres kleinen Piratensets. Im Inneren ist ein weißer, stabiler Karton, in dem der gesamte Inhalt lose untergebracht ist.

Der Inhalt

Als erstes fallen natürlich die alten gelochten Beutel auf. Ich bin heute immer noch Fan dieser Tütchen, schon allein deswegen, weil sie nicht so elend laut knistern wie die heutigen Plastiktüten. Eine Nummerierung ist hier natürlich nicht vorhanden. Es muss also alles gleichzeitig aufgerissen werden. Ebenfalls dabei liegt die zuvor oben erwähnte 16×32 Grundplatte in klassischem Blau.

Nachdem die Tüten und die Grundplatte beiseite gelegt wurden, kommen noch weitere Beigaben zum Vorschein. Dazu zählt ein Poster in DIN A2 Format, welches nicht nur in größeren Piraten-Sets seit Anfang der 90er Jahre als Zugabe beigefügt wurde. Fehlen darf auch nicht der aktuelle Warenkatalog aus dem Jahr 1996, sowie das kleine Service-Heft.

Die Bauanleitung

Natürlich gibt es auch in diesem Set das Anleitungsheftchen, damit der geneigte Seeräuber beim Aufbau nicht komplett verloren ist. So haben sich die Designer aus Billund für ein recht großes Format in DIN A4 entschieden. Liegt die Anleitung anfangs noch im Querformat …

… so darf diese beim ersten Aufblättern bereits um 90° in das Hochformat gedreht werden. Insgesamt drei Bauabschnitte werden in dem 16-Seiter in coloriertem Druck dargestellt. In heutigen Sets wären es also drei Baugruppen, sprich drei nummerierte Tütengruppen. Eine für die Palme, eine für das kleine Floß und eine größere für das Schiffswrack. Summa summarum sind 32 Bauschritte nötig.

Die Minifiguren

Bevor der eigentliche Hauptteil des Sets gebaut werden darf, kommen noch die Protagonisten zum Einsatz, welche der Szene mehr oder weniger Leben einhauchen. Mit dabei das stumme Skelett, welches schon bessere Tage gesehen hat (im Übrigen ist dies noch die alte Minifigur mit den Wackelarmen). Dazu kommt ein Vertreter der spanischen Armada mit einem typischen Torso-Print, sowie dem Morion-Helm. Dieser Kopfschmuck wird heute zum Beispiel noch von der Schweizer Garde getragen. Da Piraten bei einem Piratenset nicht fehlen dürfen, sind von dieser Sorte ebenso noch zwei dabei. Der Torso begnügt sich bei den Figuren nur mit dem Print auf der Vorderseite. Als Utensilien dienen Säbel, Pistolen und das tickende Krokodil, welches sich nach Captain Hook sehnt.

Der Aufbau

Bevor es mit dem Aufbau losgeht, werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Teile, die uns erwarten. Im Prinzip war nur ein Element exklusiv für dieses Set – die blaue Kanonenhalterung, welche so tatsächlich nur in dieser Farbe diesem Set verwendet worden ist. Das Segel dagegen fand sogar noch in einem zweiten Set eine Verwendung – ein Jahr später in Pirates Perilous Pitfall (6281). Ebenfalls recht selten ist die blaue Halterung, welche gern mal ein Roboterarm ist. Sie wurde in nur wenigen Sets bis 1989 eingesetzt, und kam dann 1996 zu einem Mini-Comeback, bevor es endgültig aus den LEGO-Sortiment verschwand. Die (alt) hellgraue Platte ist in diesem Fall besonders, da sie sonst nur im alten UCS AT-AT (4483) von 2003, im ersten UCS Imperial Star Destroyer (10030) von 2004 und dem Lunar Lander (10029) von 2003 vorkam. Zu den chrom-goldenen Münzen muss ich, denke ich, abschließend nicht mehr viel sagen – diese sind einfach Kult.

Nach so vielen trockenen Zahlen und Fakten nun etwas trockener Bauspaß zur Abwechselung – auch wenn die blaue Platte eine hohe Feuchtigkeit vermuten lässt. Es wird mit der Grundsubstanz begonnen, der Sandbank und den restlichen Schiffsteilen, die noch „überlebt“ haben.

Ein beliebter Fels (LURP) in (alt) Dunkelgrau wird als Gefängnishöhle eingesetzt, und auch das Heck und der Bug nehmen ihre Formen an. Die letzte Kanone ist auch schon einsatzbereit und der Mast für das Segel wird montiert.

Das fertige Modell

Zum Bauen wird nicht viel Zeit benötigt. Die wenigen Teile sind schnell zusammengesteckt und das fertige Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen.

Die Farben mögen für den ein oder anderen wieder etwas knallig sein, aber ich finde die Kombination passt hier sehr gut. Auch der kleine, angedeutete Skull am Heck gefällt mir. Das Netz kann variabel eingesetzt werden. Entweder zum Schutz der Schatztruhe, die sonst im Maul des Skulls gelagert wird, oder auch für einen Gefangenen, wo das Skelett seinen Einsatz bekommt. Eine kleine Mini-Piratenflagge ist auch noch gehisst, und der blaue Roboterarm dient in diesem Fall als Lampenhalter.

Zusammen mit den Minifiguren und den Utensilien ergibt sich eine kleine Piratenszene rund um ihr gesunkenes Schiff.

Da es sich bei diesem Exemplar um ein neues Set handelte, kann ich euch natürlich auch mal zeigen, was am Ende als Ersatzteile alles übrig blieb. Es ist nicht viel, aber es würde heute ähnlich aussehen. Viel mehr Kleinteile waren in diesem Set auch gar nicht verbaut.

Funktionen

Damit nun das Schiffswrack nicht nur schnöde vor sich hin modert, gibt es noch zusätzliche kleine Spiel-Features. Zum Einen kann mit einem kräftigen Druck am Heck die große, graue Platte nach oben katapultiert werden. Sollte sich der Spanier also nach dem Gold der Piraten sehnen, so kann dieser einfach weggeschleudert werden. Dies klappt in meinen mehrfachen Versuchen mal besser und mal schlechter, aber ich erwischte mich selbst, wie ich es immer wieder besser machen wollte – ein Schelm, wer da an Spielspaß glaubt.

Weiter geht es mit der kleinen, geheimen Waffenkammer unter der Kanone. Diese kann einfach heraus geschoben werden und zusätzliche Kampfmittel zur Beseitigung des spanischen Feindes kommen zum Vorschein, auch wenn diese offensichtlich im Wasser liegen. Auch eine mysteriöse (durchnässte?) Schatzkarte darf nicht fehlen. Die Gefängnisgitter lassen sich im Übrigen einfach herunter klappen. Es gibt auf den paar Noppen vieles zu entdecken .

Mein Fazit

Ich glaube, nur von Produktbildern würde ich das Set nicht so schön finden. Aber der kurzweilige Aufbau und das fertige Set mit den paar Spielereien hat mich nun doch mehr überzeugt, als ich dachte. Sicherlich ist dies kein Vergleich zu den Teilemonstern, die es heute gibt bzw. wie es uns mit der Barracuda Bay erwarten wird, aber für ein 90er Jahre Set, mit der Idee eines gestrandeten, kleinen Piratenschiffes, ist es doch ganz ok umgesetzt.

Building Bricks for Happiness

Wer nun nach den Zeilen noch nicht genug von den bunten Steinen bekommen hat, um die aktuelle Situation bestmöglich und positiv zu überstehen, dem sei auch hier die tolle Aktion unserer Klemmbaustein-Gemeinde auf YouTube ans Herz gelegt – Building Bricks for Happiness!