Seit 1966 ist die Eisenbahn bei LEGO im Programm. Insofern wäre 2016 eine prima Gelegenheit gewesen, das 50-jährige Jubiläum zu feiern. Leider wurde diese Chance zumindest für das gewöhnliche Volk vertan – stattdessen brachte man für die Mitarbeiter des Konzerns das Weihnachtsset 4002016 heraus. Dieses ist auf dem freien Markt zwar erhältlich, allerdings zu gepfefferten Preisen. Immerhin feiert der Spielwarenhersteller 2017 aber das 40-jährige Jubiläum von LEGO Technic, sogar mit einem entsprechend bedruckten Sonderstein, der allen neu erscheinenden Technic Sets beiliegt

Zurück zur Eisenbahn: Das erste System wurde bis 1979 produziert, die blauen Schienen führten dazu, dass es heute als „blaue Ära“ bezeichnet wird. Und bereits bei diesem allerersten System wurde technisch einiges geboten: ein großes und untereinander kompatibles bzw. aufrüstbares Sortiment aus Schiebezügen, batteriebetriebenen Zügen und 12-Volt-Zügen. Die Weichen waren manuell oder auf Wunsch auch ferngesteuert schaltbar. Gleichwohl war die Konstruktion mit den als Schwellen verwendeten 2×8-Platten etwas empfindlich. Ein unvorsichtiger Stoß oder Tritt, und schon lösten sich die Verbindungen allzu gerne. Optisch waren Loks, Waggons und Gebäude aus heutiger Sicht sehr primitiv gestaltet, in massiver Blockbauweise und dadurch schlecht bespielbar. Türen waren vier Steine hoch, Fenster üblicherweise zwei Steine. Etagen – egal ob in Gebäuden oder bei Loks und Waggons – waren dementsprechend ebenfalls mindestens vier Steine hoch, meistens aber im Kopfbereich um eine Platte oder eine weitere Steinreihe erweitert. Fenster und Windschutzscheiben wurden häufig aus milchig-transparenten Dach- und Normalsteinen gebaut.

Eine kleine Auswahl an LEGO Eisenbahn Waggons. (Foto: Christian Andersch)

Bevor 1980 die Eisenbahn einer Generalüberholung unterzogen wurde, muss ein weiterer wichtiger Meilenstein genannt werden: 1978 wurde die heute noch übliche und beliebte Minifig mit beweglichen Gliedmaßen und drehbarem Kopf erfunden. Dies hatte deutliche Auswirkungen auf das Erscheinungsbild von Gebäuden und Fahrzeugen. Etagen waren nunmehr fünf oder sechs Steine hoch, und es gab eine Fülle neuer Spezialteile wie Türen, Fenster und Windschutzscheiben. Fahrzeuge wurden nicht mehr in massiver Blockbauweise konstruiert, stattdessen waren sie innen hohl, um eine oder mehrere Minifiguren als Fahrer bzw. Passagiere aufnehmen zu können. Die Figuren hatten im wahrsten Sinn des Wortes plötzlich Spielraum in den Modellen. Da natürlich nicht alle alten Sets schlagartig aus dem Sortiment genommen wurden, führte dies in den Übergangsjahren 1978 und 1979 zu einem recht merkwürdigen Produktmix in den Katalogen. Selbst die Neuheiten von 1977 sahen plötzlich steinalt aus, ebenso die zuletzt erschienenen Neuheiten von 1978 für die Eisenbahn. Dies dürfte einer der Hauptgründe dafür sein, dass das blaue System heute nur einen vergleichsweise kleinen Liebhaberkreis hat.

Die nachfolgenden Beiträge zur Geschichte der LEGO Eisenbahn sind eine chronologische Zeitreise durch die Jahre 1978 bis 1991, mit Ausblick in beide Richtungen. Fortsetzung folgt …

Eine Übersicht aller LEGO Eisenbahn Artikel gibt es hier.

1 KOMMENTAR

  1. Nochmals Danke. Die Vorgeschichte ist natürlich wichtig, um die Bedeutung der „Grauen Ära“ richtig zu verstehen. Um so mehr freue ich mich auf die „Hauptkapitel“.

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