Markus Müller dürfte dem einen oder anderen Leser, insbesondere aus dem süddeutschen Raum, bekannt sein. Er ist unter anderem bei Bricking Bavaria aktiv oder im Doctor Brick Forum zu Hause. In seinem Gastbeitrag hier stellt er euch das Buch „Die ideale Ordnung“ von Christoph Bartneck vor. Bei dem Namen dürfte es ebenfalls bei dem einen oder anderen Leser bimmeln, denn Christoph ist auch Autor zahlreicher LEGO Bücher, insbesondere über LEGO Minifiguren.

Vor kurzem ist das Buch „Die ideale Ordnung“ von Christoph Bartneck in der zweiten Edition auch in deutscher Übersetzung erschienen. Christoph Bartneck, eher bekannt durch mehrere Bücher zum Thema Minifiguren, hat dieses Mal einen netten kleinen Roman verfasst, in dem auch das Thema LEGO eine Rolle spielt.

Natürlich habe ich das Buch sofort bestellt und auch gelesen und möchte euch meine Meinung in Form einer kurzen Rezension kundtun.

Erst einmal die Eckdaten zum Buch:

232 Seiten, erschienen 2018. Verlag wird keiner genannt. Auf der letzten Seite steht „Printed in Poland by Amazon Fulfillment“, einem „Print-on-demand“-Angebot von Amazon.

ISBN-13: 978-1721864454
ISBN-10: 1721864458

Kosten: 9,62 Euro

Das Buch ist derzeit nur als Taschenbuch erhältlich.

Zur Geschichte:

Dr. Rob Park ist Wissenschaftler an der Universität, verheiratet, hat 2 Kinder und lebt in Neuseeland.

Privat läuft es schlecht für ihn. Seine Ehe mit der Japanerin Maki ist zerrüttet. Die Situation zu Hause spitzt sich im Laufe der Geschichte immer mehr zu, so dass die Ehe schließlich auch zerbricht. Seine Ehefrau Maki hat zu keiner Zeit Verständnis für seine Leidenschaft zu LEGO. Das trägt zwar nicht zur Trennung bei, verdeutlicht aber im Lauf der Geschichte das „Auseinanderleben“ der Eheleute.

Einzig seine Liebe und immer enger werdende Bindung zu seinen Töchtern macht ihn noch glücklich und lässt ihn nicht verzweifeln.

Auch beruflich befindet er sich in einer Sackgasse. Eine längst fällige Beförderung zum Professor wird ihm verwehrt obwohl er alle Kriterien dafür erfüllt. Gerade dieses Kriterien- bzw. Beförderungssystem ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen und Exkursen mit seinen neuen Kollegen (und Freund) Professor Smith, der dieses System auch kritisiert.

Als auch noch ein wissenschaftlicher Beitrag von ihm von einem Review-Komitee abgelehnt und somit nicht veröffentlicht wird platzt ihm der Kragen. Er reicht Plagiate von bereits veröffentlichten Vorträgen anderer Wissenschaftler anonym zum Review ein und will sehen ob dieses auch abgelehnt werden. Dadurch will der die Schwächen dieses Reviewsystems offenlegen. Das Ganze geht nach hinten los. Schon nach kurzer Zeit findet man heraus, wer er ist.

Und jetzt kommt LEGO ins Spiel. Zu Anfangs der Geschichte packt er seine alten Star Wars Sets aus und will sie mit seinen Töchtern wieder bauen. Natürlich sind alle Steine in einer großen Box wild durcheinander. Und Ihr ahnt es schon. Das Bauen schlägt fehl weil es ewig dauert bis man die richtigen Steine für den jeweiligen Bauschritt in der Kiste findet.

Er beschließt sein LEGO zu sortieren. Und jetzt nimmt das Schicksal seinen Lauf. Je schlechter es ihm privat geht, desto mehr vertieft er sich in LEGO und in das Sortieren.

Er begibt sich auf die Suche nach dem perfekten Sortiersystem, der „idealen Ordnung“. Diese Suche ist während des ganzen Buches geprägt von philosophischen und wissenschaftlichen Diskussionen mit seinen neuen Freund Professor Smith. Wissenschaftler und Philosophen wie Aristoteles, Linne und wie sie alle heißen, werden herangezogen, Klassifizierungssysteme erörtert, Taxonomie diskutiert und sogar Berechnungsverfahren zum „richtigen“ Sortieren von LEGO versucht.

Neben dieser ganzen Theorie und Sortiererei kauft er natürlich und lernt auch andere AFOLs kennen. Zusammen mit ihnen beschließt er eine kleine Ausstellung zu organisieren.

Soviel im Groben zur Geschichte. Das Ende wird natürlich nicht verraten.

Mein Fazit:

Das Buch ist ohne großen Spannungsbogen und ohne Höhepunkte a la Dan Brown. Es ist eine nette kleine Geschichte von einem AFOL (bzw. ehemaligen LEGO Mitarbeiter) für AFOLs. Trotz ihrer Leichtigkeit animiert es zum Weiterlesen und lässt einem das Buch nicht aus der Hand legen.

Gerade diese vielen höchsttheoretischen Diskussionen über Ordnungs- und Klassifizierungssysteme mit Smith sind immer wieder witzig und faszinierend. Man fragt sich immer wieder: „Wie kann man sich nur so viele theoretischen Gedanken zum Sortieren bzw. Klassifizieren von LEGO Steinen machen“, schmunzelt, erinnert sich an seine ersten Gehversuche beim Sortieren und liest gespannt weiter.

Auch diese kleine Nebengeschichte über das Zusammenfinden von AFOLs und das erste Mal versuchen eine Ausstellung auf die Beine zu stellen ist zwar eigentlich nur ein kleiner Nebenstrang in der Geschichte, aber dennoch ganz witzig und erinnert einem an Früher, als man selber noch „frischgebackener“ AFOL war.

Ganz lustig fand ich, dass bei fast jedem Set, das genannt wurde, immer auch die Setnummer mit aufgeführt wurde.

Und Sätze wie „…und in diesem Moment war unsere Verbindung wie zwei zusammengesteckte 2×8-Platten. Kein 630er Elementetrenner konnte uns auseinander bringen“ oder „Daisys Lächeln ist genauso süß wie das Grinsen der Standard-Minifigur 3626bp01“ sind einfach der Brüller.

Ohne das englischsprachige Original gelesen zu haben fällt bei der Übersetzung ins Deutsche schon an der einen oder anderen Stelle auf, dass die Übersetzerin nicht wirklich in der Materie LEGO drin ist und wohl keine Zeit und Lust hatte, sich mit den Begrifflichkeiten der AFOL-Szene bzw. LEGO auseinanderzusetzen.

So ist immer die Rede von ELF, der Abkürzung von „erwachsener Lego-Fan“. Gut, diese Übersetzung stimmt und ist in der deutschen LEGO Community anerkannt. Sie wird aber so gut wie nie verwendet, weil auch in deutschsprachigen Raum immer vom AFOL die Rede ist. Das ist jetzt nicht wirklich störend, nur immer wieder etwas seltsam zu lesen. Besonders komisch wird es dann, wenn auf dem Buchrücken aus (vermutlich) „AFOL friends“ anstatt „ELF Freunde“ dann Elfen Freunde werden.

Auch wird „10232 Palace Cinema“ kurzerhand mit „10232 Palastkino“ übersetzt. Solche kleinen Fauxpas sind aber eher selten. Den „normalen“ Leser wird das auch nicht auffallen, AFOLs (und ich denke das ist die Hauptlesergruppe) aber schon.

Ohne speziell darauf geachtet zu haben, sind mir ein paar Rechtschreib- und Grammatikfehler aufgefallen. Ich habe das aber wiederum nicht als störend empfunden.

An zwei Stellen wurden Anmerkungen der Übersetzerin an den Autor kurzerhand vergessen heraus zu streichen und einfach mitgedruckt. Da hat der Lektor gepennt.

Auch bei der Seitennummerierung hat man zwischendurch von arabischen Ziffern zu römischen Zahlen gewechselt. Sehr seltsam. Der Lektor war wohl noch Praktikant und es war sein erster Arbeitstag.

Insgesamt sind es ein paar Unzulänglichkeiten die aber meiner Meinung nach nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Es fällt auf, man schmunzelt kurz und liest einfach weiter.

Dieser Roman ist kein bedeutendes Stück Literaturgeschichte. Bartneck wird dafür vermutlich keinen Literaturnobelpreis bekommen oder es in die Bestseller-Listen schaffen. Muss er auch nicht. Es ist eine angenehm geschriebene Geschichte, unterhaltsam, schön zu lesen und mit viel Bezug zu unserem Hobby LEGO. Ich habe es an zwei Tagen gelesen und hatte Spaß daran. Es hat mich definitiv unterhalten.

Von mir gibt es einen Daumen hoch und eine glatte Kaufempfehlung.

Und wem es nicht gefällt, der möge mir verzeihen, denn Geschmäcker sind ja bekanntermaßen verschieden.

Nachtrag: Der Autor hat uns informiert, dass einige der oben erwähnten Fehler bereits behoben wurden.

7 KOMMENTARE

  1. Ich habe auf Amazon einen kurzen Auszug gelesen. Hat mir gefallen. Schade, daß es das Buch als E-Book nicht in deutsch gibt, nur in englisch.

    • Hallo Markus, vielen Dank für den Hinweis, hatte ich übersehen. Dann habe ich jetzt etwas zu lesen im Urlaub. Gruss Günter (ohne h)

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